Sparkasse Oberhessen: Ein leiser Bankraub

Sparkasse Oberhessen: Ein leiser Bankraub

, aktualisiert 11. April 2017, 14:23 Uhr
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Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt gegen einen Mitarbeiter der Sparkassen Oberhessen. Er hat womöglich vier Millionen Euro auf sein Konto gebucht.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Ein Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen wird verdächtigt, über Jahre hinweg vier Millionen Euro auf sein eigenes Konto abgezweigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es ist nicht ihr erster Fall dieser Art.

Frankfurt Man könnte es als Bankraub bezeichnen, als einen ganz leisen. Der Verdacht: Ein Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen hat über zehn Jahre hinweg rund vier Millionen Euro beiseite geschafft und auf sein eigenes Konto gebucht. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt. Die „Bild“-Zeitung berichtete am Dienstag über den Fall.

Demnach teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass sie seit Anfang April gegen einen 44-jährigen Sparkassenmitarbeiter ermittle. Zu dem Zeitpunkt ging eine Anzeige bei ihr ein. „Der Beschuldigte soll etwas über vier Millionen Euro auf sein Privatkonto überwiesen haben“, zitiert die „Bild“ einen Sprecher der Behörde.

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Ein Sprecher der Sparkasse sagte, das Geldhaus habe „notwendige Schritte“ intern eingeleitet. Zum laufenden Verfahren will er sich nicht äußern. Die Sparkasse könne aber „ausschließen, dass Kunden zu Schaden gekommen sind“. Das dürfte bedeuten, dass der Mitarbeiter das Geld nicht von Kundenkonten abgezweigt hat, sondern aus Mitteln der Sparkasse.

Die Sparkasse Oberhessen hat ihren Hauptsitz in Friedberg in der Nähe von Frankfurt. Sie steht mit 950 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von rund 4,4 Milliarden Euro etwa auf Platz 60 in der Größenrangliste der knapp 400 deutschen Sparkassen. Sie hat aber ein vergleichsweise großes Geschäftsgebiet, weil die Region nicht so dicht besiedelt ist.

Auch in Zeiten von Cyberangriffen sind klassische Banküberfälle noch Realität. Zudem werden zusehends, besonders in Nordrhein-Westfalen, Geldautomaten gesprengt. Im Erfolgsfall entkommen die Täter meist unerkannt, indem sie mit besonders schnellen Wagen über die Autobahn fliehen.

Dass Mitarbeiter von Banken Geld stehlen, kommt selten vor – und findet umso mehr Beachtung in der Öffentlichkeit. So müssen sich seit zwei Wochen zwei Mitarbeiter der Sparkasse Nürnberg vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, durch fingierte Rechnungen einen Schaden von etwa 1,2 Millionen Euro angerichtet zu haben, wie der „Bayerische Rundfunk“ berichtete.

Die beiden Mitarbeiter ließen sich nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft die Scheinrechnungen von befreundeten Baufirmen schicken und von der Sparkasse bezahlen. Dabei ging es demnach um hunderte solcher Rechnungen. Drei Mitarbeiter der Baufirmen sind ebenfalls angeklagt.

Für Aufsehen sorgte Anfang 2016 ein Millionenraub bei der Volksbank Mittelhessen, für den ebenfalls ein Mitarbeiter verantwortlich war. Dort verschwanden mitten am Tag 1,3 Millionen Euro. Es ging um Geldbündel, die zum Transport bereit gelegt worden waren.

Der Sparkassenangestellte, der das Geld gestohlen hatte, wurde allerdings rasch entdeckt. Auch weil nur wenige Mitarbeiter Zugang zu den Räumen hatten, in denen die Geldbündel lagerten. Er wurde im vergangenen Oktober zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt. Der Mann hatte die Tat gestanden und das Geld zurückgegeben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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