Sparkassen-Jahrestagung: „Eine desaströse Bilanz der EZB“

Sparkassen-Jahrestagung: „Eine desaströse Bilanz der EZB“

, aktualisiert 25. Februar 2016, 11:21 Uhr
Bild vergrößern

Er sieht Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems.

von Elisabeth Atzler und Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Der Sparkassenpräsident sorgt sich um die Stabilität des Finanzsystems. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mache das System unsicherer – und nicht solider.

BerlinAngesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten greift Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon die Europäische Zentralbank (EZB) an. „Wir haben mehr Geld, weniger Wachstum und die Risiken steigen: Das ist eine desaströse Bilanz der EZB“, sagte er auf der 14. Handelsblatt Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken“.

„In Wahrheit werden im Euro-Raum nicht mehr lebensfähige Banken durch Liquiditätszufuhr künstlich am Leben gehalten“, kritisierte er. Die indirekte Staatsfinanzierung in vielen Euro-Ländern verstärke die gegenseitige Abhängigkeit von Banken und Staaten. Damit spielt der Sparkassenpräsident darauf an, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen, die zunächst Banken halten, aufkauft. Diese Praxis betrifft vor allem südeuropäische Länder.

Anzeige

Auch Jens Spahn (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, sieht die EZB-Politik kritisch. „Billiges Geld allein führt nicht zu mehr Wachstum“, sagte er. Es brauche auch Strukturreformen – die Deutschland in vielen Fällen bereits umgesetzt habe.

Fahrenschon, der an der Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes die 409 deutschen Sparkassen vertritt, erkennt Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems: Seit der Finanzkrise seien einzelne Kreditinstitute stabiler geworden, „das Finanzsystem insgesamt nicht“. „Es gibt Anlass zur Sorge um die Stabilität.“


Sorge nicht nur an der Deutschen Bank festmachen

Diese Einschätzung spiegelt sich auch in der Situation an den Finanzmärkten wider. In den vergangenen Wochen sind die Börsenkurse vieler europäischer Großbanken abgestürzt. Die Aktie der Deutschen Bank sackte auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Die Sorgen allein an der Deutschen Bank festzumachen, halte er jedoch für verkürzt, sagte Fahrenschon.

Die Strafzinsen, die Banken berappen müssen, wenn sie kurzfristig Geld bei der EZB parken, kann Fahrenschon ebenfalls nichts abgewinnen. Der negative Einlagenzins liegt derzeit bei minus 0,3 Prozent. Ein noch höherer negativer Einlagenzins werde keine positiven wirtschaftspolitischen Effekte bringen, aber die negativen Wirkungen nochmals verstärken.

Die Europäische Zentralbank berät in zwei Wochen darüber, ob sie die Geldpolitik weiter lockern soll. Eine Senkung des Einlagenzinses noch weiter in den negativen Bereich könnte dort entschieden werden. Das würde es Banken noch schwerer machen, auskömmliche Zinserträge zu erzielen.

Um die Sparkassen müsse sich aber „niemand Sorgen machen“, betonte Fahrenschon. Im Jahr 2015 jedenfalls konnten sie sich erfolgreich gegen die Minizinsen stemmen. Die Institute haben einen Jahresüberschluss von zwei Milliarden Euro erzielt, wie er sagte. Auch 2014 verdienten die Sparkassen so viel.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%