Sparkassen und Volksbanken: Die Monster, die die Banken riefen

Sparkassen und Volksbanken: Die Monster, die die Banken riefen

, aktualisiert 25. Juli 2016, 11:11 Uhr
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Gezielt Kunden in Filialen locken - das kann mit dem aktuellen Smartphone-Spielehit gelingen.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Jugendliche zapfen an einer Sparkassen Strom ab, um ununterbrochen Pokémon Go spielen zu können. Die Polizei unterbindet den Streich. Doch Banken machen vor, wie der Hype um das Spiel tot geglaubte Filialen beleben kann.

DüsseldorfEs gibt Sparkassen-Direktoren und Volksbank-Chefs, die zweifeln am Sinn von sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook. Wie soll das Kunden dazu bewegen, in die Filialen kommen, fragen sie. Der nötige Aufwand für die Betreuung der Kanäle sei zu hoch, die Kosten rechneten sich nicht. Doch ein neuer Hype macht es fast ohne Aufwand möglich, dichte Menschentrauben zumindest schon einmal vor die eigene Filiale zu locken: Pokémon Go.

Die Sparkasse Witten hat es vorgemacht: Vor ihrer Zentrale finden sich gleich drei Spielstationen, die Fans der virtuellen Monsterjagd gerne aufsuchen. Regelmäßig bilden sich dort Menschentrauben. Und die Sparkasse hat mit der wenige Euro teuren Investition in sogenannte „Lockmodule“ noch mehr Spieler angezogen. Die Lokalpresse berichtete vom „Pokémon-Happening“ und das Geldhaus bekam einen Imageschub bei jungen Leuten.

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An diesem Wochenende machten Spieler vor der Wittener Sparkasse sogar landesweit Schlagzeilen, weil sie aus einem Vorraum der Sparkasse per Kabeltrommel Strom für ihre Handy-Ladegeräte beschafft hatten. Die Polizei unterband den „Entzug elektrischer Energie“.

Keine Stadt, kein Ort in Deutschland ist vor dem Fieber rund um das Smartphone-Spiel gefeit. Das Spiel, das von der Google-Beteiligung Niantic und den Pokémon-Erfindern Nintendo entwickelt wurde, kombiniert die virtuelle Welt der Monsterjagd mit der realen Umgebung. Jugendliche bewegen sich in Scharen aus dem Haus, ziehen durch die Straßen, um mehr Monster zu finden. Millionenfach ist das Spiel heruntergeladen worden – und sicherlich wird die Begeisterung daran auch wieder abflauen. Doch zumindest derzeit bietet sich Firmen eine gute Marketing-Gelegenheit, vor allem wenn sie ein Filialnetz haben.

Banken und Sparkassen sind derzeit vor allem damit beschäftigt, Geschäftsstellen zu schließen – was besonders im ländlichen Raum oft heftige Proteste auslöst. Fast jede dritte Filiale – also 10.000 Stück – könnten in den kommenden zwei Jahren dicht machen, wie das Handelsblatt vergangene Woche in einer Titelgeschichte analysiert hatte. Die Niedrigzinsen drücken auf die Erträge, Banken müssen sparen. Und zu wenige Kunden kommen in die Filialen, seitdem sich Online-Banking durchsetzt.

Banken haben schon versucht, mit Paketschaltern die Attraktivität der Geschäftsstellen zu erhöhen und so potenzielle Kunden nebenbei auf Finanzprodukte aufmerksam zu machen. Jetzt zeigt sich: Wer schnell auf Trends reagiert, kann die Frequenz des Filialbesuchs erhöhen. Und Auszubildende sind die Schnittstelle zu den Dingen, die auf Smartphones im Trend sind.


Erfrischung, Akkus, Strom: die Palette der Anlocktricks

So hat die Volksbank Allgäu-West „Lockmodule“ gestreut und gleichzeitig freies WLAN spendiert, um Pokémon-Spieler anzulocken. Ein Auszubildender hatte die Idee eingebracht und tatsächlich versammelten sich während der zwei Stunden immer einige Leute vor der Filiale.

Ein Mann kaufte deswegen Eintrittskarten in der Bank statt in einem anderen Geschäft, berichtet Vertriebsmanagerin Lisa Döring – obwohl er gar kein Kunde gewesen sei. Junge Leute hätten per Whatsapp andere Jugendliche zur Filiale bestellt, um gemeinsam auf Monsterjagd zu gehen. Und ja, die Volksbank sei sogar als „voll cool“ bezeichnet worden.

Auch die Hannoversche Volksbank lockte Spieler in eine von Azubis betreute Filiale und versprach gleichzeitig kleine Preise. Die Volksbank Gronau-Ahaus machte dasselbe zunächst bei einer Filiale, dann vor der Hauptstelle und bot zudem noch ein Erfrischungsgetränk an.

In Hamburg wählte die Hamburger Sparkasse eine andere Variante: Sie bot einige Plüsch-Pokémons in vier Filialen an, die Facebook-Nutzer anhand von Fotos erkennen mussten. Die Taunus-Sparkasse im Norden Frankfurts bot Gewinne für Screenshots von den stärksten Monstern ihrer Pokémon spielenden Facebook-Fans – fast hundert machten mit.

Um einem Stromdiebstahl wie in Witten vorzubeugen, hat die Volksbank Bühl einfach eine Mehrfachsteckdose frei zugänglich gemacht. Einen selbst gedruckten Aufkleber „Pokémon-Supercharger“ drauf, fertig war das handgemachte Lockmodul. Denn noch mehr als bei der Monsterjagd zu patzen, fürchten die Spieler leere Akkus. Die Sparkasse Essen hat das auch erkannt: Bei ihrem Pokémon-Gewinnspiel gab es tragbare Extra-Akkus zu gewinnen. Dafür wissen jetzt alle, dass in der Filiale Steele die Chance besteht, eine „Nidoqueen“ zu ergattern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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