Sponsoring in der Mode: Glamour, Glanz und Küchenrollen

Sponsoring in der Mode: Glamour, Glanz und Küchenrollen

, aktualisiert 20. Januar 2016, 13:46 Uhr
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Die Gesamtkosten für eine Schau gehen schnell deutlich über 100.000 Euro hinaus.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Designer arbeiten eng mit Sponsoren aus der Wirtschaft zusammen, um die wachsenden Kosten für ihre Modenschauen bewältigen zu können. Doch die Kooperationen sind für die Kreativen nicht ohne Risiko.

BerlinVor dem großen Backsteingebäude parkt ein blaues Auto von Seat. Später fährt das Auto mehrmals durch den Film, der das Fotoshooting des Münchener Designers Marcel Ostertag zeigt. Und im Abspann wird Seat nochmal als Sponsor des Films genannt. Klar, dass sich Ostertag am Schluss seiner Modenschau im Berliner „Magazin in der Heeresbäckerei“ noch einmal ausdrücklich bei Seat bedankt.

„Ich möchte Träume und Wünsche erzeugen“, sagt Ostertag. „Wenn mir das durch spannende und inspirierende Kooperationspartner jeden Tag noch ein wenig besser gelingt, ist das eine Win-Win-Situation für alle“, erklärt der Modedesigner die enge Kooperation mit zahlreichen Unternehmen aus der Wirtschaft.

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Wie der 36-jährige Münchener arbeiten immer mehr Designer bei den Modenschauen eng mit Sponsoren aus der Wirtschaft zusammen. „Ohne sie geht es nicht mehr“, sagt Franz Maximilian Schmid-Preissler von der gleichnamigen Strategieberatung. „Sonst lassen sich solche Modenschauen und alles, was dazu gehört, nicht mehr darstellen.“

Denn die Gesamtkosten für eine Show gehen schnell deutlich über 100.000 Euro hinaus. Die Modedesigner müssen die Veranstaltungssäle für die Shows mieten einschließlich aufwendiger Sound- und Lichttechnik. Sie müssen die Gagen der Models, das Team für deren Makeup und das Styling ihrer Haare sowie das Sicherheits-Personal und das Catering bezahlen.

Deshalb ist die Bandbreite des Sponsorings bei den Modeschauen inzwischen groß: Und es geht längst nicht nur um Kooperationen im Kosmetikbereich. So arbeitet der Münchener Jungdesigner und Schauspieler Kilian Kerner mit der Porzellan- und Badezimmer-Marke Villeroy & Boch zusammen. Und das Münchener Label Holy Ghost hat den taiwanesischen Handyhersteller HTC seit rund zwei Jahren als Partner.

Aber ein Meister auf diesem Gebiet ist die Berliner Modegröße Michael Michalsky. Bei seiner Modenschau, der sogenannten „Style Nite“, hatte er im Hotel Ritz-Carlton bei der letzten Fashion Week im Sommer gleich 18 sogenannte Partner an Bord: Die Gäste konnten sich von der Düsseldorfer DOOB Group detailgenaue 3D-Figuren von sich selbst erstellen lassen, Herrensocken des Labels Jungfeld bewundern und am Schluss noch mit einem spanischen Sekthaus auf der „Michalsky-loves-Freixenet“-After-Show-Party feiern.


Kooperationen gehen über die Modebranche hinaus

Trotz der vielen Kooperationen pocht der Berliner Designer auf seine Unabhängigkeit. „Eine Michalsky StyleNite kostet zwischen 400.000 bis 600.000 Euro, das muss meine Firma selbst finanzieren können“, sagt er. Aber gleichzeitig betont Michalsky, dass er „prinzipiell offen ist für jede Art der Kooperation“, wenn es inhaltlich passt. Geld sei jedoch kein Entscheidungskriterium.

Noch schwieriger ist es für Jungdesigner, das Geld für eine eigene Show aufzutreiben. Zwar können Talente wie Kilian Kerner im großen Zelt bei der Fashion Week einen der zahllosen von Mercedes-Benz und anderen Sponsoren geförderten Slots für eine Modenschau erhalten. Doch da gibt es viel Konkurrenz, und ihre Möglichkeiten, sich selbst zu präsentieren, sind begrenzt.

Da gefällt es natürlich den Sponsoren, die nicht zum offiziellen Pool der Fashion Week gehören, wenn ihr Protagonist sich aus dem Gemeinschaftszelt verabschiedet. „Wir haben Kilian Kerner überzeugt, aus dem Zelt herauszugehen“, sagt Heiner Wolters, Geschäftsführer seines Werbepartners Staatlich Fachingen. Jetzt veranstaltet Kerner seine eigene Show fernab vom Brandenburger Tor im Design-Hotel Ellington, und Wolters kann sein Wasser und seine alkoholfreien Drinks in einer eigenen Bar ausschenken.

Aber die Kooperationen gehen über das Thema Mode weit hinaus. „Die Partner sind für uns auch wichtig als Multiplikatoren in den sozialen Medien“, sagt Torsten Rüther, der mit seiner Agentur für Ostertag das Sponsoring organisiert. So hat Kerner mit Fachingen ein Video produziert, um in den sozialen Medien für sich und das Wasser zu werben. Ostertag bringt jedes Jahr ein Hochglanzmagazin heraus, in dem sich Werbepartner wie die Automarke Seat präsentieren können - und jetzt hat er für den Sponsor Zewa noch eine Küchenrolle als „Fashion Edition“ entworfen.

Die vielen Kooperationen mit Unternehmen aus allen Branchen sind für die Modedesigner nicht ohne Risiko - nicht nur wegen der finanziellen und inhaltlichen Unabhängigkeit. „Es besteht die Gefahr, dass die Produkte und Produktqualität dabei in den Hintergrund treten“, kritisiert Strategieberater Schmid-Preissler. „Die Kommunikation und das Marketing werden zum Selbstzweck.“ So sehen es auch manche Besucher der Show von Marcel Ostertag. Als in dem Video vor der Show die vielen Sponsoren aufgezählt werden, gibt es im Publikum einige Lacher.

Quelle:  Handelsblatt Online
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