Staatsfonds: Norwegen plündert seinen Ölfonds

Staatsfonds: Norwegen plündert seinen Ölfonds

, aktualisiert 04. März 2016, 06:19 Uhr
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Die Politikerin der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet (FrP) ist seit 2013 Finanzministerin in der konservativen Regierung unter Ministerpräsidentin Erna Solberg von der Partei Høyre.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Ölpreisverfall lässt Norwegens Finanzministerin ein Tabu brechen. Sie geht an die Substanz des Fonds, um den Haushalt zu finanzieren. Denn die Einnahmen aus Rohstoffen sprudeln schon lange nicht mehr.

DüsseldorfZum ersten Mal in seiner Geschichte greift Norwegen zu seinen Reserven des größten Staatsfonds der Welt: Die Finanzministerin, Siv Jensen, hat im Januar 6,7 Milliarden norwegische Kronen – umgerechnet 712 Millionen Euro – aus dem Fonds entnommen. Das schreibt die norwegische Finanzzeitschrift „Dagen Næringsliv“. Das Finanzministerium habe der Zeitung den Eingriff bestätigt. Mit dem Geld sollen die Ausgaben des norwegischen Haushaltes ausgeglichen werden.

Normalerweise ist es dem Staat nur erlaubt, vier Prozent des Überschusses aus dem Fonds für seinen Haushalt zu nutzen. Auf diese Weise will Norwegen seinen Wohlstand für die Zeit nach der Öl- und Gasära bewahren.

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Doch der Fonds liefert in Zeiten der gefallenen Ölpreise und niedriger Zinsen längst nicht mehr die gewohnt prächtigen Gewinne ab. Allein im dritten Quartal 2015, den aktuellsten zugänglichen Daten, verlor er 4,9 Prozent beziehungsweise 273 Milliarden Kronen (29 Milliarden Euro).

Nun hat das offenbar zu einem Novum geführt. Statt einen Teil des Haushalts mit den Überschüssen aus dem Fonds zu finanzieren, geht die Finanzministerin erstmals an die Substanz. Experten haben zuvor bereits erwartet, dass dies 2016 der Fall sein wird.
Seit 1996 die ersten Überweisungen aus der Ölindustrie in den „Statens pensjonsfond utland“, wie der Fonds offiziell heißt, flossen, belaufen sich die gesamten Einzahlungen auf 3,5 Billionen norwegische Kronen (372 Milliarden Euro).

Die Überweisung von Gewinnen aus der Ölbranche an den Staatsfonds haben in den vergangenen Jahren stark abgenommen. 2015 waren es nach vorläufigen Schätzungen gerade noch 46 Milliarden Kronen (4,9 Milliarden Euro).
Dennoch bleibt der norwegische Staatsfonds der größte seiner Art. Sein gesamtes Volumen beträgt derzeit 7087 Milliarden norwegische Kronen (752,8 Milliarden Euro).

Quelle:  Handelsblatt Online
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