Starbucks in Südafrika: Der heiße Konsum am Kap

Starbucks in Südafrika: Der heiße Konsum am Kap

, aktualisiert 16. Oktober 2016, 13:36 Uhr
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Viele Südafrikaner können sich die Starbucks-Getränke kaum leisten – vielleicht sind sie auch deswegen so begehrt.

von Wolfgang DrechslerQuelle:Handelsblatt Online

Die afrikanische Mittelschicht ist süchtig nach Croissants und Kaffee. Zur Freude von US-Konzern Starbucks – der vor sechs Monaten einen Store in Johannesburg aufgemacht hat. Doch hält sich der Hype? Eine Weltgeschichte.

JohannesburgFast sechs Monate sind seit der Eröffnung der ersten Starbucks-Filiale im südafrikanischen Johannesburg vergangen. Doch vor allem am Wochenende sind die Schlagen vor dem Verkaufstresen der amerikanischen Kaffeekette in der Shopping Mall von Rosebank noch immer beeindruckend lang, wenn auch natürlich nicht mehr so lang wie in den ersten Wochen, als sie sich aus dem Eingang heraus um den ganzen Block schlängelten.

„Ich bin weltweit ja schon zu vielen Starbucks-Eröffnungen geflogen, aber einen solchen Andrang wie hier in Südafrika habe ich noch nie erlebt“, staunte selbst Starbucks-Chef Howard Schultz nicht schlecht.

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Für die meisten Südafrikaner sind Starbucks „Caramelized Honey Frappucino“ oder sein „Milk Chocolate Melted Truffle Mocha“ dennoch kaum erschwinglich. Die meisten kaufen bislang lieber günstigen löslichen Kaffee oder Kaffeeersatz aus der Zichorie-Pflanze – und genießen das Heißgetränk dann mit mindestens drei bis vier gehäuften Löffeln Zucker so süß wie nur eben möglich.    

Wie zuvor bereits die Textilhändler H&M oder Zara haben es die Kaffeeröster aus Seattle auch (noch) nicht auf die breite Masse der Südafrikaner, sondern vor allem die schnell wachsende neue Mittelschicht abgesehen, die als spendierfreudig und ganz versessen auf Statussymbole – wie französisches Gebäck oder italienisches Mineralwasser – gilt. Als Burger King vor drei Jahren seine erste Filiale in Kapstadt aufmachte, harrten die Kunden, wie jetzt auch bei Starbucks, stundenlang aus, um endlich in einen der Burger zu beißen.

Es hat Starbucks jedenfalls nicht geschadet, das Debüt des Unternehmens am Kap ausgerechnet zu einer Zeit zu starten, in der Südafrikas Wirtschaft quasi nicht mehr wächst. Die Lebensmittelpreise wegen der Währungsschwäche explodieren förmlich und mehr als die Hälfte aller jungen Schwarzen hat keinen Job. Ähnlich lange Schlangen wie jetzt vor Starbucks sieht man am Kap sonst allenfalls noch bei Einzelhändlern wie Shoprite, wo fast 17 Millionen Südafrikaner jeden Monat ihre vom Staat finanzierte Sozialhilfe ausgezahlt bekommen.


Gefangen in Kreditkarten-Raten

Der merkwürdige Widerspruch erklärt sich zum Teil mit den vergleichsweise moderaten Preisen bei Starbucks: Mit rund 24 Rand (1,50 Euro) für einen Cappuccino und 27 Rand (1,70 Euro) für einen Latte Macciato liegen die Preise nämlich ungefähr auf dem Niveau der inzwischen ebenfalls auf den Plan getretenen lokalen Konkurrenz – und weit unter dem, was Starbucks anderswo auf der Welt von seinen Kunden verlangt.

Symptomatisch für die Konsumfreude vieler Südafrikaner im Angesicht der tiefen Wirtschaftskrise waren auch die mehr als 120.000 Menschen, die vor kurzem zur Eröffnung der „Mall of Africa“ mit ihren 130.000 Quadratmetern Ladenfläche und 65.000 Parkplätzen zwischen Johannesburg und Pretoria kamen. Doch längst nicht allen Südafrikaner, die nach außen hin noch immer kräftig konsumieren, geht es tatsächlich so gut wie der Ansturm glauben lässt.

Ein Großteil der neuen (schwarzen) Mittelklasse lebt seit längerem weit über ihre Mittel: Nach jüngsten Zahlen der Regierung kämpfen mehr als die Hälfte der Benutzer von Kreditkarten inzwischen mit der Abbezahlung ihrer monatlichen Raten – und könnten womöglich schon bald gänzlich als Kunden ausfallen.

Bereits jetzt zeigen die Einzelhandelsverkäufe steil nach unten. Auch Burger King hat seine Expansionspläne gerade erst kräftig zusammengestrichen – von geplanten 100 auf jetzt nur noch knapp 70 Läden. Auch Starbucks will trotz des phänomenalen Auftakts langsamer wachsen.

Dennoch bleibt sein Konzernchef Howard Schultz optimistisch. Für die großen Marken sei Südafrika nach wie unersetzlich als Sprungbrett in den Rest des Kontinents, meint Schultz. „Ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass der Markt hier größer und stabiler sein wird als wir zunächst dachten“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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