Start in Germany: Israelische Start-ups auf dem Sprung nach Deutschland

Start in Germany: Israelische Start-ups auf dem Sprung nach Deutschland

, aktualisiert 17. April 2016, 16:45 Uhr
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Die dortige Szene gilt im weltweiten Vergleich als überaus kreativ.

Quelle:Handelsblatt Online

Tel Aviv ist bekannt für seine lebendige Start-up-Szene. Israelische Gründer interessieren sich auch dafür, ihre Unternehmen nach Deutschland auszuweiten. Und zwar nicht nur nach Berlin.

Tel AvivGilli Cegla hat seit seiner Kindheit eine starke Affinität zu Deutschland. „Meine Mutter ist in Deutschland aufgewachsen und meine Großeltern konnten nur Deutsch und Polnisch“, sagt der 50-jährige israelische IT-Unternehmer, der selbst fließend Deutsch spricht. Cegla will auch anderen israelischen Gründern beim Sprung nach Deutschland und Europa helfen.

„Deutschland ist eine der stärksten Wirtschaftsmächte der Welt“, erklärt Cegla am Dienstag auf der Konferenz „Start in Germany“ in Tel Aviv. Gleichzeitig bestehe dort ein großer Bedarf an Initiatoren.

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Das kleine Land Israel mit seinen 8,5 Millionen Einwohnern hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten zur „Start-up-Nation“ entwickelt. Deutschland mit seinen zehnmal mehr Einwohnern habe sich im High-Tech-Bereich jedoch lange in einer Art Dornröschenschlaf befunden, meint er. „Wo ist der deutsche Erfindergeist geblieben?“

In den letzten Jahren sehe er jedoch eine Veränderung im deutschen Start-up-Bereich, vor allem in Berlin. „Von null auf hundert in fünf Jahren“, sagt Cegla lachend. Mit rund 500 neuen digitalen Start-ups im Jahr gilt Berlin heute als führende deutsche Stadt für Tech-Gründungen.

Deutschland sei zunehmend interessant für israelische Gründer, die ihre Unternehmen vergrößern wollten, sagt Cegla. Dabei seien jedoch viele Besonderheiten des deutschen Marktes und der deutschen Kultur zu beachten.

Der deutsche Gründer Marc Preusche von LeROI Marketing betont auf der Konferenz, in der deutschen Tech-Szene müsse man sich nicht besonders in Schale werfen. Ganz besonders wichtig sei es jedoch in Deutschland, Vertrauen aufzubauen und bewahren. „Man muss dringend Wort halten, sonst verliert man seinen guten Ruf.“

„Anders als in Israel gibt es in Deutschland sehr geordnete Abläufe“, erklärt Cegla. „Wenn man sich nicht daran hält, hat man schon verloren.“ Israelis sind für ihr forsches Auftreten bekannt - damit könnten sie in Deutschland mitunter anecken.

Ein großer Unterschied sei für ihn, dass in Deutschland Niederlagen als sehr schlecht angesehen würden. „Wenn man einmal scheitert, ist man eigentlich fertig.“ In Israel und den USA sei dies genau umgekehrt. Gründer würden eher dazu ermutigt, Risiken einzugehen, und Niederlagen seien Stationen auf dem Weg zum Erfolg.


Welche Stadt passt zu welchem Start-up?

Es gebe zwar viele kulturelle Unterschiede, die Jubiläumsfeiern zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland im vergangenen Jahr hätten jedoch in vielen Bereichen eine stärkere Annäherung bewirkt, sagt Cegla. Diese gelte es nun weiter zu vertiefen.

Die Teilnehmer der eintägigen Konferenz in Tel Aviv holten am Dienstag Tipps zu Finanzierungsmöglichkeiten und Accelerators ein – Institutionen, die durch intensives Coaching jungen Unternehmen zum schnelleren Erfolg verhelfen wollen.

Von deutscher Seite nahmen Repräsentanten von High-Tech-Gründerfonds, des Next Media Accelerator, Bosch, Pro Sieben Sat 1, RWE, Metro, Lufthansa, T-Online sowie der Städte Berlin, Hamburg und Köln teil. „Die Israelis lernen Leute kennen, die ihnen dabei helfen können, die Distanz nach Europa zu überbrücken“, betont Cegla. Unternehmer konnten sich direkt mit Experten unterhalten, unter anderem in den Bereichen Internet, Medien, Internet der Dinge, Nahrungsmittel, Einzelhandel, Städte, AdTech und eHealth.

Die Israelis erhielten auch Beratung in der Frage, welche deutsche Stadt am besten zu ihrem Start-up passt. „Im Medienbereich würde man etwa eher nach Hamburg gehen, im Bereich eHealth eher nach Berlin“, sagt Cegla. Die Repräsentanten von Berlin, Hamburg und Köln lieferten sich auf der Bühne zeitweilig einen echten Wettstreit – im Kampf um neue und Erfolg versprechende israelische Start-ups.

Quelle:  Handelsblatt Online
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