Snapchat plant den Börsengang

Start-up: Snapchat plant den Börsengang

, aktualisiert 07. Oktober 2016, 04:52 Uhr
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Laut Medienbericht könnte Snapchat bei einem Börsengang mehr als 25 Milliarden Dollar bewertet werden.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Snap Inc. will Anfang 2017 an die Börse. Es wäre die Wiederbelebung der High-Tech-Börsengänge, auf die alle warten. Doch ist das als „Snapchat“ bekannte Unternehmen ein zweites Facebook oder das nächste Twitter?

Snapchat, die App, die verschickte Fotos verschwinden lässt, ist ein Hit bei Jugendlichen und Mitzwanzigern. Wirtschaftlich will das dahinter stehende Start-up Snap künftig aber bei den ganz Großen mitspielen.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, plant das Unternehmen spätestens im März an die Börse zu gehen. Mit dem Gang aufs Parkett will Snap dem Bericht zufolge eine Bewertung von 25 Milliarden Dollar erreichen. Sprecher des Start-ups erklärten, sie wollten Gerüchte nicht kommentieren.

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Es wäre der größte Börsengang seit Alibaba. Das chinesische Unternehmen wurde vor zwei Jahren mit 168 Milliarden Dollar bewertet. Schon heute zieht der IPO-Markt wieder an. Laut der Risikokapitaldatenbank CB Insights wurden im zweiten Quartal 2016 erstmals mehr „Unicorns“ – Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar – verkauft oder an die Börse gebracht, als neue entstanden sind. Der „Unicorn-Berg“ könnte also langsam abgetragen werden.

Was an Whatsapp Kopfschmerzen bereitet

  • Laxer Umgang mit Datenschutz

    Whatsapp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

  • Zweifel an der Verschlüsselung

    Lange wurden die Whatsapp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

  • Sicherheitsbedenken

    Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

  • Soziale Kontrolle

    In der Standardeinstellung der App ist für jeden Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit Whatsapp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

  • Undurchsichtige Firma

    Über die Firma Whatsapp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen.

Angefangen hat die Geschichte von Snap nicht in einer Garage, wie im Silicon Valley üblich, sondern in einem verträumten Strandbungalow in Venice Beach, dem legendären Paradies für Surfer, Künstler, Poeten und braungebrannten Exzentrikern in Boxershorts vor den Toren von Los Angeles. Aus dem knappen Duzend Angestellten wurden dann schnell Hunderte, immer mehr Gebäude wurden angemietet.

Was früher eine relaxte Meile für verrückte Typen war, heißt heute „Silicon Beach“, und immer mehr Start-ups und Internetgrößen zieht es in die Küstengegend von LA. Google ist in der Nähe, Youtube hat einen riesigen Studiokomplex, in dem Howard Hughes früher Hubschrauber bauen ließ. Spieleriese Electronic Arts residiert im mondänen Marina del Rey mit seinen weißen Jachten. Aber das sind alles Zugereiste. Mit Snapchat gäbe es zum ersten Mal einen Milliardenzahltag für ein High-Tech-Unternehmen, das in Südkalifornien gegründet wurde.

Die App wurde bekannt durch seine selbstlöschenden Nachrichten. Ein Foto verschickt an einen Freund oder Freundin vernichtet sich selbst nach einer gewissen Zeit und gibt so das trügerische Gefühl von Kommunikationssicherheit. Es verspricht aber auch eine Spontanität, wie sie vor allem Teenager und Twens lieben gelernt haben. Aus den Anfängen erwuchs eine florierende Werbemaschinerie, mittlerweile gibt es auch Werbevideos und einen „Discover“-Channel, auf dem Medienunternehmen Stories und bezahlte Snap-Ads laufen lassen.

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