Startschuss für US-Wahlkampf: „Trump wird kein Mr. Nice Guy mehr sein“

Startschuss für US-Wahlkampf: „Trump wird kein Mr. Nice Guy mehr sein“

, aktualisiert 30. Juli 2016, 10:06 Uhr
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Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado Springs stimmte Trump „Sperrt sie ein“-Rufe gegen seine demokratische Herausforderin Hillary Clinton an.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach der Kür der Präsidentschaftskandidaten beginnt in den USA die heiße Wahlkampfphase: Clinton brandmarkt Trump als Betrüger. Der keilt in gewohnt rabulistischer Manier zurück – auch gegen Bernie Sanders.

Washington, PhiladelphiaDie frisch gekürte demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton grenzt sich im US-Wahlkampf vehement von ihrem republikanischen Rivalen Donald Trump ab. Auf einer gemeinsamen Wahlkampftour mit ihrem Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Kaine durch Pennsylvania brandmarkte sie Trump als einen Betrüger, der nur an seinem eigenen Profit interessiert sei. Der Republikaner schoss im US-Staat Colorado zurück. Neue Details zum Hackerangriff auf die Demokraten sorgten abermals für eine Ablenkung vom eigentlichen politischen Geschehen.

„Wir nehmen Erfolg in Amerika nicht übel, aber wir ärgern uns über Leute, die andere ausnutzen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften“, sagte Clinton bei einem Besuch in einer Spielzeug- und Plastikfabrik in Hatfield. Auch ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, war bei der Reise dabei.

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Trump hatte erneut nichts als Kritik für seine Widersacherin übrig. Clintons Dankesrede auf dem Nominierungsparteitag in Philadelphia sei voller Klischees und Lügen über ihn gewesen, sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado Springs. Er stimme langsam mit denjenigen überein, die gefordert hätten, Clinton ins Gefängnis zu bringen. Passend dazu ermunterte er die Menge erstmals zu „Sperrt sie ein!“-Rufen. Außerdem machte er klar: „Denkt dran: Trump wird kein Mr. Nice Guy mehr sein.“

Den unterlegenen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders nahm sich Trump ebenfalls vor. Dieser sei eingeknickt und habe „seine Seele an den Teufel verkauft“, indem er sich entschieden habe, Clinton letztlich doch zu unterstützen, sagte er.

Das Clinton-Lager veröffentlichte am Freitag neue Details zum Hackerangriff auf die Parteiführung. Im Zuge der Attacke sei auch ein Computerprogramm gehackt worden, das von Clintons Wahlkampfteam genutzt worden sei, hieß es. Zunächst hatte Reuters darüber berichtet.


Russland soll hinter den Hackerangriffen stecken

Wahlkampfsprecher Nick Merrill sagte, der Angriff habe sich gegen ein Programm zur Datenanalyse gerichtet, das das Clinton-Team und andere Organisationen verwendet hätten. Unabhängige Cyberexperten fanden demnach keine Anzeichen dafür, dass die internen E-Mails oder Dokumente der Kampagne kompromittiert worden seien.

Ein Kampagnenmitarbeiter ergänzte später, dass es sich um ein Programm zur Wähleranalyse handele. Die Hacker hätten sich für rund fünf Tage Zugang verschafft. Sozialversicherungsnummern oder Kreditkarteninformationen beinhalte der Datensatz nicht, hieß es.

Die Entwicklungen folgen auf eine Wikileaks-Enthüllung von 19.000 E-Mails, die nahelegen, dass die demokratische Parteispitze Clinton gegenüber Sanders bei den Vorwahlen bevorzugt hatte. US-Präsident Barack Obama und Cybersicherheitsexperten haben festgestellt, dass mit großer Wahrscheinlichkeit Russland hinter dem Hackerangriff stecke. Der Fall ist zudem brisant, weil Trump Russland in dieser Woche ermuntert hatte, nach mehr als 30.000 gelöschten Mails von Clinton Ausschau zu halten und sie zu veröffentlichen.

Nach der Kür der Präsidentschaftskandidaten der beiden großen US-Parteien geht der Wahlkampf ums Weiße Haus nun in die heiße Phase. Clinton und Trump buhlen bis zum Wahltag am 8. November um Stimmen in einem tief gespaltenen Land. Clinton fällt die historische Rolle zu, als erste Frau offiziell für eine große Partei für das höchste Staatsamt zu kandidieren. Die ehemalige First Lady, Senatorin und US-Außenministerin gilt als politisch sehr erfahren. Viele Amerikaner misstrauen ihr jedoch.

Milliardär Trump hat sich entgegen aller Vorhersagen gegen mehr als ein Dutzend anderer republikanischer Bewerber durchgesetzt und mobilisiert vor allem viele Bürger, die wirtschaftlichen Niedergang und Kriminalität fürchten. Bei seiner Nominierung vorige Woche hatte Trump ein düsteres Bild von der Lage des Landes gezeichnet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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