Stefan Ingves: „Am Ende werden wir eine Vereinbarung sehen“

Stefan Ingves: „Am Ende werden wir eine Vereinbarung sehen“

, aktualisiert 15. März 2017, 21:55 Uhr
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Der Notenbankchef aus Stockholm muss die unterschiedlichen Interessen der internationalen Bankenregulierer aus 27 Ländern unter einen Hut bringen, damit die internationale Bankenreform gelingt.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Der Chef des Basler Bankenausschusses hat die Hoffnung auf eine Einigung bei der internationalen Bankenreform noch nicht aufgegeben. Ob das noch in seiner Amtszeit geschieht, darauf will er lieber nicht wetten.

FrankfurtDie Haltung der USA zur globalen Finanzregulierung ist die große Unbekannte in der Finanzwelt. Viele Bankenregulierer macht das nervös. Die Arbeiten an der großen Bankenreform, im Fachjargon Basel III genannt, liegen derzeit auf Eis, weil die US-Regierung noch keine eigenen Vertreter in den wichtigen Basler Bankenausschuss entsenden konnte. Der aktuelle Chef des wichtigen Gremiums, Schwedens Notenbankgouverneur Stefan Ingves, zeigt sich weniger skeptisch als einige seiner deutschen Kollegen. Nur ob die Reform noch in seiner Zeit an der Spitze des Basler Bankenausschusses gelingt - sein Mandat endet im Juni - darauf will er lieber nicht wetten.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret zeigte sich heute Vormittag besorgt über die Rufe nach Deregulierung in den USA. Ist die internationale Bankenreform, die oft Basel III genannt wird, in Gefahr?
Es ist zu früh, das zu sagen, aber ich denke, wir werden am Ende eine Vereinbarung sehen. Alle großen Reformen des Basler Ausschusses haben viele, viele Jahre benötigt. Natürlich müssen viele Kompromisse gemacht werde. Aber am Ende hatten wir immer einen Konsens darüber, dass globale Regeln im Interesse aller Beteiligten sind. Auch jetzt gibt es den Konsens, dass es besser ist, sich für globale Regeln einzusetzen.

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Ein wichtiger Bankenregulierer in den USA, Thomas Hoenig, hat Strukturreformen für das US-Finanzsystem gefordert, die sich stark vom europäischen Universalbankenmodell unterscheiden. Er schlug vor, Banken in ihre komplexe und ihr traditionelles Bankgeschäft aufzuspalten und strikte, aber sehr einfache Regeln für das traditionelle Kredit- und Einlagengeschäft einzuführen. Das klingt nicht so ganz nach der bisherigen Arbeit des Basler Ausschusses.
Ich sehe die Anmerkungen von Hoenig, der diese Ideen seit mehr als 10 Jahren vorträgt, als Teil einer breiteren, generelleren Debatte über das Bankgeschäft. Als 1974 der Basel-Ausschuss gegründet wurde, ging es um grenzüberschreitende Bankgeschäfte und es ging vor allem um internationale Banken. Die Regeln waren nicht unbedingt auch für alle kleinen Banken gedacht. Die Frage ist, wo man die Linie ziehen will. Ich sehe Hoenigs Bemerkungen sehr stark in diesem Kontext.

Ihre Amtszeit endet diesen Sommer. Glauben Sie, dass Sie eine Einigung auf die Basel-III-Reform noch vor diesem Zeitpunkt erzielen werden?
Das ist schwer zu sagen, aber ich hoffe das und arbeite weiter daran. Ich hatte das Privileg, den Großteil der technischen Arbeit anzuleiten. Nun lautet die einzige verbliebene Frage im Grunde noch, wie hoch der Output-Floor ausfällt. Das war fantastisch. Ich würde die Arbeit an der Basel-III-Reform gerne zu Ende führen, aber wenn nicht, dann wird es mein Nachfolger tun.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie in Ihrer Amtszeit gelernt haben?
Es ist essentiell, Kompromisse zu schließen. Wichtig ist nur, dass wir das grundsätzliche Design der Regeln zu akzeptieren. Was mich positiv überrascht hat, ist, dass der Basler Ausschuss früher nur Standards produziert hat. Es gab aber keine Kontrolle darüber, ob die Länder sie auch umsetzten. Ich hatte das Privileg mit dem Prozess zu beginnen, die Umsetzung der Basel-Regeln zu evaluieren. Bislang gab es etwa 1000 Korrekturen und Änderungen in der Gesetzgebung verschiedener Mitgliedsländer bei der Umsetzung der Kapitalregeln, um diese mit den Basel-Standards in Übereinstimmung zu bringen.

Herr Ingves, wir danken für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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