Steilmann-Anleihen: „Von einem überstürzten Verkauf rate ich ab“

Steilmann-Anleihen: „Von einem überstürzten Verkauf rate ich ab“

, aktualisiert 24. März 2016, 12:40 Uhr
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Die Insolvenz dürfte die meisten Anleger überraschen.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Kaum hat der Modekonzern Steilmann das Einreichen eines Insolvenzantrags angekündigt, da rauschen seine Aktien in den Keller. Drei Anleihen sind vom Handel ausgesetzt und Anlageexperten raten Gläubigern zum Abwarten.

FrankfurtSchon wieder eine Pleite im deutschen Mittelstand. Am Mittwochabend hat der Modekonzern Steilmann aus Bergkamen mitgeteilt, dass er zahlungsunfähig sei und unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen will. Der Aktienkurs brach am Morgen bereits um 89 Prozent ein, eine Aktie kostet jetzt noch 26 Cent. Das Unternehmen ist Großaktionär bei den Adler-Modemärkten. Auch deren Aktienkurs sackte um rund acht Prozent ab. Die Handelskette vermeldete, dass sie keine Auswirkungen der Pleite auf das eigene Geschäft erwarte.

Steilmann verkauft Damen- und Herrenmode „an reife Kunden, die hohe Qualität zu vernünftigen Preisen schätzen“, in rund 1300 Geschäften in 18 Ländern. 2014 machte die Gruppe mit 8300 Beschäftigten einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro. Das Unternehmen ist in den 50er Jahren von Klaus Steilmann gegründet worden, zwischenzeitlich führte es seine Tochter Britta Steilmann, dann deren Schwester Ute Steilmann. Im Jahr 2006 hatten sie schon einmal Insolvenz angemeldet. Diese konnte aber abgewendet werden, da der italienische Mischkonzern Miro Radici Steilmann übernahm.

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Im Frühjahr 2013 kaufte Steilmann zusammen mit der Investmentgesellschaft Equinox Two aus Luxemburg knapp 47 Prozent der Anteile an den Adler Modemärkten. Den Schritt an die Börse hatte der Konzern erst im vergangenen November gewagt. Damals wurden die Papiere zu einem Preis von 3,50 Euro ausgegeben. Doch die Nachfrage war gering. Statt eines erhofften Bruttoemissionserlöses von rund 100 Millionen Euro konnten nur 8,8 Millionen platziert werden.

Rund 74 Millionen Euro frisches Kapital hatte sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren aber auch über Anleihen besorgt. Wie die Frankfurter Börse bestätigte wurden diese Papiere (DE000A14J4G3, DE000A1PGWZ2, DE000A12UAE0) am Morgen noch vor Handelsbeginn bis auf weiteres vom Handel ausgesetzt. Aktuell können Anleihegläubiger also nicht auf die Neuigkeiten reagieren.

Die meisten Anleger dürften von der Meldung überrascht sein, denn zuletzt lagen die Renditen der Anleihen immerhin noch zwischen 65 und 93 Prozent des Nominalbetrags. „Das zeigt schon, dass es bei dem Unternehmen Schwierigkeiten gibt, aber mit einer nahenden Zahlungsunfähigkeit hatte wohl keiner gerechnet“, sagt Rechtsanwalt Daniel Vos von der auf das Kapitalmarktrecht spezialisierten Sozietät Müller Seidel Vos aus Köln.


Gläubiger sollten Interessen bündeln

Betroffene Anleger sollten erst einmal Ruhe bewahren. „Der Insolvenzantrag soll wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt werden, nicht wegen Überschuldung. Dies lässt auf operative Schwierigkeiten schließen und lässt hoffen, dass das Unternehmen noch restrukturiert werden kann“, sagt Vos. Sobald die Anleihen wieder handelbar sind, dürfte der Kurs in den Keller rauschen. „Von einem überstürzten Verkauf der Anleihen rate ich ab“, so der Anwalt. „Anleihegläubiger sollten die weiteren Entwicklungen erst einmal abwarten. Ganz wichtig wird es aber sein, die Möglichkeiten als Gläubiger in der Insolvenz koordiniert und aktiv zu nutzen.“

Wie die wirtschaftliche Situation des Unternehmens konkret aussieht, wird wohl erst der zu bestellende vorläufige Insolvenzverwalter berichten können. Die Schutzgemeinschaft für Kapitalbesitzer (SdK) rät Anlegern, sich zu organisieren und gemeinsam ihre Interessen durchzusetzen. Sie selbst will das Insolvenzverfahren aktiv begleiten und die Interessen der Anleiheinhaber auf den zukünftig stattfindenden Gläubigerversammlungen vertreten.

„Wenn sich später herausstellt, dass das Unternehmen abgewickelt werden muss, können Anleihegläubiger ihre Papiere immer noch verkaufen oder eine Insolvenzquote aus vorhandenen Assets mitnehmen“, so Anwalt Vos. „Für Anleger, die Anleihen zum Nominalbetrag von 100 Prozent gekauft haben, macht es letztlich keinen Unterschied, ob sie später hierfür beispielsweise sieben oder fünf erhalten.“ Diesen Verlust können Anleger dann immerhin noch steuerlich geltend machen.

Bezüglich der Aktien sind die Anlegerschützer wenig optimistisch: „Die SdK geht aktuell jedoch davon aus, dass die Aktionäre mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Totalverlust des investierten Kapitals rechnen müssen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Erst vor wenigen Wochen war der Mittelständler German Pellets in die Schlagzeilen geraten. Bei dem Brennstoffhersteller waren jedoch erst die Anleihekurse eingebrochen und dann folgte eine Hiobsbotschaft auf die nächste. Erst hatte das Unternehmen noch die Laufzeit seiner Anleihen verlängern wollen, dann kam der Insolvenzantrag. Inzwischen hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Auf dem Spiel stehen unter anderem Anlegergelder aus drei Anleihen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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