Steilmann und die Insolvenz: Das Ende vom Mittelmaß

Steilmann und die Insolvenz: Das Ende vom Mittelmaß

, aktualisiert 24. März 2016, 10:12 Uhr
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Eine Winterjacke der Marke Steilmann: Die Textilgruppe aus Bergkamen ist insolvent.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Die Insolvenz von Steilmann zeigt den Umbruch im Modegeschäft: Marken im mittleren Preissegment stehen deshalb unter Druck, weil sie die Zaraisierung der Branche unterschätzt haben. So wie die Bergkamener. Ein Kommentar.

DüsseldorfNoch im vergangenen November tönte Vorstandschef Michele Puller in einem Interview mit dem Handelsblatt, die Steilmann-Gruppe „kann ihren Umsatz in den nächsten drei Jahren verdoppeln“. Doch daraus wird nun nichts, denn Donnerstagabend teilte die Textilgruppe aus Bergkamen mit, dass sie zahlungsunfähig ist und den Insolvenzantrag stellt.

Warum? Die Steilmann-Gruppe hat die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Denn das einst so erfolgreiche Konzept, mit Eigenmarken wie Steilmann oder Apanage im mittleren Preissegment des Marktes Geld zu verdienen, funktioniert heute nicht mehr.

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Die Steilmann-Gruppe hat wie manche Unternehmen die Zaraisierung der Branche unterschätzt. Denn die spanische Inditex-Gruppe mit Marken wie „Zara“ und „Massimo Dutti“ oder der schwedische Filialist H&M haben den Markt in den vergangenen zehn Jahren mit ihren Filialen aufgerollt: Sie bringen aktuelle Modetrends viel schneller in ihre Läden, produzieren kostengünstiger und haben mehr Werbekraft als der deutsche Mode-Mittelstand.

Außerdem greifen inzwischen Billigmarken wie die irische Primark die mittelständischen Anbieter von ganz unten an. Die Luft für die Spieler im mittleren Preissegment wie Steilmann, S.Oliver oder Esprit wird dünner. Da kommen auch die Pläne der Bergkamener zu spät, künftig massiv auf die eigenen Marken zu setzen. Puller hoffte auf die Marke Apanage. Doch diese im Textilhandel gegen große Wettbewerber dauerhaft durchzusetzen, ist teuer und langwierig.

Es ist heute für viele bislang erfolgreiche deutsche Mittelständler extrem schwierig, sich in der Mitte des Modemarktes zu behaupten. Mit mittleren Qualitäten, mittleren Preisen und einer nur mittelmäßig bekannten Marke lässt sich heute kein neuer Kunde mehr gewinnen – und die alten nicht mehr halten. Die Mittelständler haben keine Chance, im Billigsegment des Marktes mitzuspielen. Sie können nur mit Qualität, einem klaren Profil und Schnelligkeit punkten.

Wenn sie das aber nicht schaffen – und zwar möglichst schnell und konsequent, dann werden sie den Konkurrenzkampf mit den Zaras dieser Welt verlieren. Es ist absehbar, dass in den nächsten Jahren noch manche Modemarke vom Markt verschwinden wird – und niemand wird sie wirklich vermissen.

Die Konsolidierung der schnelllebigen Branche hat gerade erst begonnen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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