Steuerberater-Ranking: So ist die Steuererklärung ein Klacks

Steuerberater-Ranking: So ist die Steuererklärung ein Klacks

, aktualisiert 12. Februar 2016, 09:55 Uhr
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Die Steuererklärung sollte rechtzeitig ans Finanzamt geschickt werden.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Wer selbständig ist oder ein Unternehmen führt, kommt um die Steuererklärung nicht herum. Ein guter Berater kann da hilfreich sein. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten und welche Möglichkeiten Arbeitnehmer haben.

FrankfurtHatten Sie auch schon einen Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung im Briefkasten? Wenn jetzt auch noch ihre Bank die Steuerbescheinigung schickt, gibt es für viele Steuerzahler keine Ausrede mehr: Sie können ihre Einkommensteuererklärung für das Jahr 2015 machen. Manch einer schiebt das trotzdem gerne hinaus. Es ist einfach lästig, die Belege zu sortieren und die Formulare auszufüllen.

Dabei haben es Angestellte noch vergleichsweise leicht. Im einfachsten Fall müssen sie nur ein einziges Formular ausfüllen. Doch solche Formulare vermehren sich schnell, hier eines für Kapitalerträge, dort eins für Renten und sonstige Leistungen und dann vielleicht noch eins für Unterhaltsleistungen. Kein Wunder, dass viele Steuerzahler lieber gleich den Profi ran lassen und einen Steuerberater engagieren – erst recht, wenn sie selbständig sind oder ein Unternehmen führen, denn für sie sind die Anforderungen noch viel komplexer.

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Bloß, wie findet man einen guten Berater? „Das ist ähnlich wie bei der Arztwahl, die Chemie muss stimmen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler (BdSt). „Hilfreich kann es sein, sich im Bekanntenkreis umzuhören.“ Neben einem sympathischen Auftreten ist aber auch die Fachkenntnis wichtig. Um beim Arztvergleich zu bleiben: Wer Zahnschmerzen hat, sollte lieber gleich zum Zahnarzt gehen und nicht erst den Allgemeinmediziner um Rat fragen. „Auch Steuerberater sind zunehmend spezialisiert, beispielsweise auf Unternehmensnachfolge, Sanierungsfragen oder internationales Steuerrecht“, sagt Harald Elster, Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands (DStV).

Welches die Top-Steuerberater in den zehn größten deutschen Städten sind, hat im Auftrag des Handelsblatts das Sozialwissenschaftliche Institut Schad (S.W.I.) ermittelt. Daneben haben die Tester auch die Top-Berater in fünf Branchen – darunter Freiberufler und Handel – sowie in fünf Sachgebieten, etwa Existenzgründung und Erbschaft, zusammengestellt. Von mehr als 5700 eingeladenen Steuerberatern haben sich 1500 an der Studie des S.W.I. beteiligt.

Die ersten Punkte konnten die Steuerberater schon damit sammeln, dass sie möglichst schnell auf eine Testanfrage reagierten, die S.W.I. per E-Mail versendete. Die Tester schickten die Anfrage im Namen eines real existierenden Unternehmens – etwa 1250 Kanzleien antworteten. Kurz darauf wurde der Hintergrund des Anschreibens aufgedeckt und alle 5700 Steuerberater erhielten die Einladung zu einer Online-Umfrage. Darin wurde Basis- und Fachwissen getestet (detaillierter Aufbau der Studie, siehe „Top Steuerberater – So wurde getestet“).

Grundsätzlich haben Steuerberater eines gemeinsam: Den Titel dürfen sie nur tragen, wenn sie ihr Berufsexamen bestanden haben. Zudem können sie Lehrgänge zum „Fachberater (DStV e.V.)“ absolvieren. Laut Berufsstatistik gibt es rund 82.000 Steuerberater in Deutschland. „Mehr als 1800 dokumentieren heute bereits ihre Spezialisierung mit einer Zusatzqualifikation zum Fachberater (DStV e.V.)“, sagt Elster. Einen Suchservice bietet der Verband auf seiner Internetseite.


So rechnen die Berater ab

Bevor Steuerzahler einen Berater engagieren, stellen sie sich meist auch die Frage: Wie viel wird das kosten? Ähnlich wie für Anwälte gilt auch für Steuerberater grundsätzlich eine Vergütungsverordnung (StBVV ). Wie viel ein Mandat letztlich zahlen muss, richtet sich insbesondere nach seinem Einkommen und der Komplexität des Steuerfalls. „Der Berater hat jedoch einen Ermessenspielraum. In bestimmten Fällen kann auch ein Honorar zum Beispiel nach Zeit vereinbart werden“, sagt Klocke. „Bevor man das Mandat erteilt, sollte man über die anfallenden Gebühren sprechen.“

Größtenteils können die Steuerberatungskosten gleich wieder von der Steuer abgezogen werden. „Wer den Steuerberater zur Ermittlung seiner Einkünfte engagiert, kann die Kosten als Werbungs- oder Betriebskosten absetzen“, erklärt Elster. Entscheidend ist dabei, dass die Kosten „beruflich veranlasst“ waren. Steuerberatungskosten, die durch die „private Lebensführung“ veranlasst sind, seien dagegen nicht abziehbar. Das heißt: Will ein Steuerzahler beispielsweise Gesundheitskosten als Sonderausgaben geltend macht, können die darauf entfallenden Beraterkosten nicht geltend gemacht werden. Klingt kompliziert, aber keine Sorge: Diese Aufteilung berechnet auch der Berater.

Eine Alternative zu Steuerberatern können Lohnsteuerhilfevereine sein. Sie dürfen jedoch nur Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose beraten, sofern diese keine Gewinneinkünfte erzielen. Weitere Einschränkung: Die Überschusseinkünfte der Ratsuchenden dürfen insgesamt nicht mehr als 13.000 Euro (beziehungsweise 26.000 Euro bei Zusammenveranlagung) betragen. Dazu zählen zum Beispiel Einkünfte aus Kapitalvermögen oder Mieteinnahmen. „In Deutschland gibt es etwa 800 Lohnsteuerhilfevereine mit mehr als 10.000 Beratungsstellen“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BDL).

„Ein Qualitätsmerkmal ist das ZVL-Zertifikat“, sagt Nöll. Das bestätigte, dass die fachliche Arbeit, die steuerliche Beratung und die Organisationsabläufe der Beratungsstelle der DIN-Norm 77700 entsprechen. „Der Umkehrschluss ist allerdings nicht zulässig, auch Vereine ohne das Zertifikat können sehr gut sein“, sagt Nöll. Zudem trage die Mitgliedschaft in einem Dachverband dazu bei, dass die Vereine immer gut über den neuesten Stand des Steuerrechts unterrichtet seien.


Die Finanzierung der Steuerhelfer läuft über Mitgliedsbeiträge, die nach dem Einkommen der Steuerzahler gestaffelt sind. Beim Lohnsteuerhilfeverein HILO beispielsweise sind es 15 Stufen: Von rund 54 Euro bei Jahreseinnahmen bis 10.000 Euro bis zu 392 Euro bei Jahreseinnahmen von mehr als 170.000 Euro. Diese Beiträge sind „All-inklusive-Angebote“, beschreibt Nöll das System. Die Vereinsmitglieder können sich dafür nicht nur beim Erstellen der Steuererklärung helfen lassen, sondern auch beim Prüfen des Steuerbescheids, bei einem Einspruch und vielen weiteren Steuerfragen. „Deutschlandweit haben die Lohnsteuerhilfevereine etwa dreieinhalb bis vier Millionen Mitglieder“, schätzt Nöll.


Typische Irrtümer vermeiden

Wie viele Steuerzahler beim Anfertigen ihrer Einkommensteuererklärung die Hilfe eines Steuerberaters oder eine Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nehmen, wird nicht zentral für ganz Deutschland erfasst. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist zuletzt jede zweite Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein erstellt worden.

Laut Angaben der Oberfinanzdirektion NRW ließen sich rund 58 Prozent der Freiberufler und Gewerbetreibenden beraten. Auch etwa jeder dritte „klassische Arbeitnehmer“ ließ sich helfen: etwa 25 Prozent von einem Steuerberater und acht Prozent von einem Lohnsteuerhilfeverein. In Bayern ließen sich zuletzt insgesamt 46 Prozent der Steuerpflichtigen beraten. Bei den typischen Arbeitnehmern lag der Anteil mit 31 Prozent dagegen etwas höher als in NRW.

„Als Finanzbeamter ist man sehr dankbar, wenn ein Profi bei der Steuererklärung geholfen hat“, sagt Thomas Eigenthaler, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft ist – und damit so etwas wie Deutschlands oberster Finanzbeamter. „Dann sind die Zahlen in den richtigen Kästchen der Formulare eingetragen und man muss sich nicht mit unsinnigen Anträgen herumschlagen.“ Ein typischer Irrtum – oder womöglich auch absichtlicher Fehler – sei die Berechnung der Entfernungspauschale. 30 Cent je Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte lautet die Regel. „Wer 20 Kilometer zur Arbeit fährt, macht gerne 40 mal 30 Cent geltend, doch der Betrag gilt nur für die einfache Strecke“, so der Fachmann – also 20 mal 30 Cent.

Eine andere häufige Fehlerquelle: Die Berufskleidung. Ärzte dürfen die Kosten für den weißen Kittel absetzen, Handwerker die Kosten für den Blaumann, wer bei der Arbeit aber einen herkömmlichen Anzug tragen muss, kann den Fiskus nicht daran beteiligen. „Da hilft es auch nichts, wenn jemand beteuert, dass er den Anzug privat nicht trägt“, sagt Eigenthaler. Es reiche schon, dass die Möglichkeit dazu bestehe.


„Letztlich ist es Geschmackssache, ob man die Steuererklärung von einem Fachmann machen lässt“, sagt Isabel Klocke vom BdSt. „Grundsätzlich können Arbeitnehmer und Kleinselbständige ihre Steuererklärung aber durchaus alleine anfertigen.“ Eine Hilfe können dabei auch Steuerprogramme sein. Der BdSt gibt zwar keine Empfehlung für eine bestimmte Software, doch „die Angebote der bekannten Hersteller sind alle in Ordnung, meist nur unterschiedlich strukturiert“, sagt die Steuerexpertin.

Quellle:  Handelsblatt Online
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