Steuern runter, Gehalt rauf: Steuervorteile für Zocker und Arbeitnehmer

Steuern runter, Gehalt rauf: Steuervorteile für Zocker und Arbeitnehmer

, aktualisiert 04. März 2016, 16:18 Uhr
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Davon möchte jeder möglichst wenig zahlen.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Aktuelle Urteile bieten neue Möglichkeiten zum Steuersparen. Das gilt etwa für bestimmte Aktienoptionen. Doch auch von Zuschüssen des Arbeitgebers können Steuerzahler profitieren.

Frankfurt am MainMit Aktien- und Indexoptionen zu handeln, ist riskant. Aber dank mehrerer Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) fallen Anleger, die bei solchen Produkten daneben gegriffen haben, jetzt nicht mehr ganz so hart. Die obersten Finanzrichter haben nämlich entschieden, dass die Verluste aus dem Verfall von wertlos gewordenen Optionen steuerlich anerkannt werden müssen (Az.: IX R 48/14, IX R 49/14 und IX R 50/14).

Wer eine Option zum Kauf von Aktien erwirbt, erhält damit das Recht, die Papiere innerhalb einer bestimmten Laufzeit zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Das Kalkül hinter solch einem Termingeschäft: Der Anleger sichert sich das Recht eine Aktie beispielsweise zum Preis von 20 Euro je Stück zu kaufen, dann wartet er und macht von seinem Kaufrecht Gebrauch, sobald sich die Papiere über den vereinbarten Wert verteuert haben.

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Bei den Anlegern, die sich nun vor dem BFH einfanden, ist diese Wette nicht aufgegangen. Die Aktienkurse stiegen nicht, sondern brachen ein. Durch diesen Kursverfall wurden die Optionen wertlos. Die Anleger ließen sie deshalb bei Fälligkeit verfallen und erlitten somit einen Verlust. Wäre es nach dem Bundesfinanzministeriums (BMF) gegangen, würden sie darauf sitzenbleiben. Denn das BMF hatte zuvor in mehreren Schreiben deutlich gemacht, dass die Anschaffungskosten beim Verfall einer Kaufoption ohne Bedeutung seien.

Dieser Meinung widersprach der BFH und begründet: „Die vergeblich für den Erwerb von Optionen aufgewandten Anschaffungskosten sind Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft stehen und deshalb bei der Ermittlung des Gewinns (oder Verlusts) abzuziehen sind.“ Anleger können solche Verluste also tatsächlich in der Steuererklärung als Werbungskosten bei ihren Einkünften aus Kapitalvermögen geltend machen.

Doch der Fiskus kommt nicht nur erfolglosen Anlegern entgegen. Auch Arbeitnehmern greift er unter die Arme: Bestimmte Zuschüsse des Chefs müssen sie nicht wie ihres restliches Gehalt versteuern, sondern zahlen darauf entweder gar keine Steuern oder zumindest deutlich weniger. Auch die Sozialabgaben entfallen bei solchen Extraleistungen häufig.

Wie genau sich solche Essenszuschüsse, Warengutscheine oder Zuschüsse zu den Kindergartenkosten auf dem Gehaltszettel bemerkbar machen, kann mit dem Gehaltsoptimierer berechnet werden. Das Tool weist eine detaillierte Rechnung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus.


Zuschüsse für Essen, Gesundheit und Kinder

Zu den am häufigsten verhandelten Sachleistungen zählen Tankgutscheine. Pro Monat können Arbeitnehmer Sachleistungen im Wert von bis zu 44 Euro steuerfrei einstreichen. Dazu zählen auch Warengutscheine und Jobtickets. Zu beachten ist aber: Der 44-Euro-Betrag ist eine Freigrenze. „Wird der Betrag nur um einen Cent überschritten, wird der gesamte Sachbezug steuerpflichtig“, warnt der Bund der Steuerzahler (BdSt).

Auch Fahrtkosten können bezuschusst werden. Fährt der Angestellte mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Wohnung zur Arbeit, kann der Arbeitgeber die dadurch entstandenen Kosten erstatten. Komplett steuerfrei bleibt dieser Bonus zwar nicht, doch der Arbeitgeber kann darauf einen pauschalen Lohnsteuersatz von 15 Prozent anwenden – also deutlich weniger als den üblichen Steuersatz eines durchschnittlichen Angestellten. Hinzu kommen Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Sozialabgaben müssen auf die Leistung in diesem Fall aber nicht gezahlt werden.

Wer gut arbeitet, muss auch gut essen. Dazu kann der Arbeitgeber ebenfalls einen Beitrag leisten, indem er im Betrieb verbilligte Mahlzeiten abgibt oder Essensmarken verteilt. Diesen Vorteil kann der Arbeitgeber pauschal mit einem Satz von 25 Prozent versteuern. Die Sachbezugsverordnung beziffert den Wert für Mahlzeiten, die im Jahr 2016 gewährt werden, auf 3,10 Euro für ein Mittag- oder Abendessen und 1,67 Euro für ein Frühstück. „Wenn der Arbeitnehmer bei verbilligten Mahlzeiten einen Essenspreis mindestens in Höhe des amtlichen Sachbezugswertes bezahlt, entsteht jedoch kein geldwerter Vorteil“, so der Bund der Steuerzahler.

Auch für die Gesundheitsförderung ihrer Angestellten können Arbeitgeber Zuschüsse zahlen, die steuer- und sozialversicherungsfrei bleiben. Möglich ist das bis zu einem Betrag von 500 Euro. Der Arbeitgeber kann die Kosten für externe Gesundheitskurse erstatten oder in seinem Betrieb Programme zur Förderung der Gesundheit anbieten. Nach Aussage des Steuerzahlerbundes gilt die Vergünstigung für Kurse zur gesunden Ernährung, Rückengymnastik, Suchtprävention, Stressbewältigung und ähnliches. Die Mitgliedsbeiträge für das Fitnessstudio oder den Sportverein zählen aber nicht dazu.

Zusätzlich kann sich der Arbeitgeber auch an den Kosten zur Unterbringung und Betreuung von nicht schulpflichtigen und noch nicht eingeschulten Kindern seiner Angestellten beteiligen. Auch hier gibt es strenge Vorgaben. Wird ein Kind beispielsweise im Haushalt des Arbeitnehmers alleine von einem Kindermädchen bereut, ist der Zuschuss nicht möglich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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