Stiftungen: Spenden für den guten Zweck liegt im Trend

Stiftungen: Spenden für den guten Zweck liegt im Trend

, aktualisiert 02. Juni 2016, 20:13 Uhr
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Das Deutsche Rote Kreuz finanziert den Einsatz von Helfern auch mittels Hybridstiftungen.

von Florian FlickeQuelle:Handelsblatt Online

Das Zinstief setzt mittelständischen Wohltätern mit Ewigkeitsstiftungen zu. Wesentlich flexibler sind neue Konzepte, die Spielraum in der Gestaltung lassen. Die Anlagestrategie orientiert sich an sogenannten Target-Fonds.

DüsseldorfWas Facebook-Chef Mark Zuckerberg kann, das können gerade deutsche Mittelständler schon lange: Sie spenden für den guten Zweck. Und das im großen Stil. Rund 100 Milliarden Euro betrug das Gesamtvermögen rechtsfähiger deutscher Stiftungen Ende 2014 – das ist mehr als doppelt so viel wie das Aktienpaket, das der Facebook-Boss bis zu seinem Lebensende zu guten Zwecken unter die Weltbevölkerung bringen will.

„Vor allem unter den deutschen Firmenchefs gibt es immer mehr Macher, die der Gesellschaft, der Wissenschaft oder der Umwelt Gutes tun wollen, aber auch Bosse, die über eine Stiftungslösung die Zukunft der eigenen Firma dauerhaft absichern möchten“, sagt Eric Hiedemann, Rechtsanwalt und zertifizierter Stiftungsberater.

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Insgesamt 583 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts sind in Deutschland 2015 neu dazugekommen. Damit stieg die Zahl der Stiftungen hierzulande bis Ende 2015 auf exakt 21.301 – das sind doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. „Jede Woche gibt es elf neue Stiftungen“, rechnet Michael Göring vor, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Doch dem Dachverband bereitet, bei aller Freude über den positiven Gründungstrend, eine Entwicklung zunehmend Sorge: die niedrigen Zinsen auf den Kapitalmärkten. Auch Christoph Beuter, Leiter Stiftungsmanagement bei der DZ Privatbank, schlägt Alarm. Angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank könnten sich viele Stiftungen, die größtenteils von ihren Erträgen leben, ein „Weiter so wie bisher“ nicht leisten.

Die traditionelle Ewigkeitsstiftung, die vorrangig mit ihren Zinserträgen Gutes tut für Mensch, Tier oder Umwelt, bekommt mehr und mehr Probleme, da Bundesanleihen und Co. nur noch minimale Erträge abwerfen und unter Berücksichtigung der Inflation sogar an Wert verlieren. Doch was tun? Das Gegenstück zur Ewigkeitsstiftung ist die sogenannte Verbrauchsstiftung. Sie löst sich mit zunehmender Projektdauer quasi selbst ab, weil das Kapital komplett aufgezehrt wird. Doch genau das wünschen sich die wenigsten Stifter. Schließlich wollen sie mit ihrer Stiftung etwas für die Ewigkeit schaffen.

In dieser Gemengelage wird die Hybridstiftung – auch bekannt als Teilverbrauchsstiftung – stetig beliebter. Diese Stiftung ist grundsätzlich auf unbestimmte Dauer errichtet – allerdings darf sie einen Teil ihres Vermögens für die Zweckverwirklichung verbrauchen. Sie vereint damit das Beste beider Stiftungswelten aus Ewigkeits- und Verbrauchsstiftung in sich und ist – je nach Zinssituation an den Kapitalmärkten – weit flexibler.

„Ein entscheidender Vorteil liegt in der Erweiterung der Zuwendungsoptionen: Der Zustifter oder Spender kann seine Zuwendung dem Grundstockvermögen, dem Verbrauchsvermögen oder als Spende der eher kurzfristigen Verwendung widmen“, sagt Beuter. Vorteil der Hybridstiftung gegenüber der reinen Verbrauchsstiftung ist, dass neben dem allgemeinen Spendenabzug nach Paragraf 10b Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) auch der erhöhte Abzug für sogenannte Vermögensstockspenden nach Paragraf 10b Absatz 1a EStG möglich ist – in der Praxis ist das besonders relevant bei der Einwerbung größerer Zuwendungen.


Die Hybridstiftung

Aber Achtung: „Der Gesetzgeber hat den Vermögensstock als „das zu erhaltende Vermögen“ definiert; Zuwendungen in „das verbrauchbare Vermögen“ kommen deshalb nicht in den Genuss des erweiterten Spendenabzugs“, warnt Experte Beuter. Nicht zuletzt deshalb ist in der Satzung und im Stiftungsgeschäft der Hybridstiftung auf eine Differenzierung zwischen zu erhaltendem Vermögen und Verbrauchsvermögen zu achten.

Da die Hybridstiftung jedoch nur einen Teil ihres Vermögens für ihre Zwecke verbrauchen darf, im Übrigen jedoch auf Dauer bestehen bleiben soll, handelt es sich im rechtlichen Sinne nicht um eine Verbrauchsstiftung, sondern um eine klassische Stiftung. Im Anerkennungsverfahren ist daher nach Paragraf 80 Absatz 2 Satz 1 BGB ausschließlich auf die dauernde und nachhaltige Erfüllung der Stiftungszwecke abzustellen – wofür allein das zu erhaltende Vermögen ausreichen muss.

„Die Vermögensverwaltung der Hybridstiftung ist noch weitgehend unbekanntes Terrain. Die Anlage des verbrauchsfähigen Vermögens unterliegt nicht derselben Strategie wie die des zu erhaltenden Vermögens“, sagt Beuter. Bei der Anlage des zu erhaltenden Vermögens sind die Rahmenbedingungen klar: Zur Finanzierung des Stiftungszwecks müssen möglichst stetige und ausschüttbare Erträge erwirtschaftet werden.

Zudem bedarf es einer Extrarendite, um die Ertragskraft der Stiftung langfristig zu erhalten. „Das verbrauchbare Vermögen hingegen dient nicht in erster Linie der dauerhaften Erwirtschaftung von Erträgen“, meint Beuter. Im Gegenteil: Zur Verwirklichung der satzungsmäßigen Zwecke kann und soll dieses Vermögen selbst verbraucht werden.

Im Prinzip orientiert sich die Anlagestrategie an der von sogenannten Target-Fonds. „Je weiter das Verbrauchsziel entfernt ist, desto höher kann der Anteil an risikoreicheren, dafür aber renditeträchtigeren Anlageklassen wie Aktien sein. Je weiter das Volumen schmilzt, desto mehr sollte in sichere Anlagen investiert werden“, empfiehlt Beuter.

Quelle:  Handelsblatt Online
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