Strafzinsen auf Sparkonten: „Sag' niemals nie“

Strafzinsen auf Sparkonten: „Sag' niemals nie“

, aktualisiert 01. September 2016, 16:15 Uhr
Bild vergrößern

„Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Bankmanager – darunter der Chef der Postbank – finden Gefallen an der Idee, Kunden zur Kasse zu bitten, die hohe Geldbeträge anlegen. Kleinsparer sollen vor Strafzinsen sicher sein. Doch wie lange noch?

FrankfurtBisher waren sich die Geldhäuser in Deutschland einig: keine Strafzinsen auf Einlagen privater Sparer. Doch langsam bröckelt der Konsens. Zumindest für vermögende Kunden gelten Negativzinsen unter bestimmten Umständen als nicht mehr ausgeschlossen. Darauf verwiesen Postbank-Chef Frank Strauß und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“.

Eine kleine Genossenschaftsbank ist dabei bereits vorgeprescht. Die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee verlangt seit Donnerstag Strafzinsen von Privatkunden – zumindest von Wohlhabenden. Diese Kunden müssen ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent für Beträge von mehr als 100.000 Euro auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto berappen. Die Banken selbst müssen einen solchen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Anzeige

Das Beispiel von Tegernsee könnte Schule machen. Je größer die Anlagebeträge von institutionellen Firmenkunden oder auch vermögenden Privatkunden seien, desto stärker würden Negativzinsen künftig „eine Rolle spielen“, sagte Strauß. Firmenkunden müssen diese schon jetzt akzeptieren.

Strafzinsen für Kleinsparer erwartet der Postbank-Chef jedoch nicht. „Für den normalen Sparer hätten Negativzinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen.“ Aber: Man sollte sich als Banker nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise schwer damit tun, „nie“ sagen, fügte er an.

Auch Wolfgang Kirsch, Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, rechnet nicht mit Strafzinsen für den normalen Privatkunden. „Wir alle scheuen, glaube ich, im Moment die flächendeckende Einführung eines Negativzinses.“ Denn das könne unerwünschte Folgen haben, weil Kunden dann ihr Geld von den Konten räumen.

Aber der Vorstand der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee habe vielleicht in der Sache gar nichts falsch gemacht: „Jemand, der 100.000 Euro und mehr auf den Konto hat, der bewegt sich schon fast in sehr professionellen und institutionellen Welten“, sagte Kirsch.

Er würde den kaufmännischen Ratschlag geben, dass sich Banken jeweils die gesamte Kundenverbindung anschauen sollten. Wenn der Kunde auch Finanzprodukte des Hauses – etwa Fonds – zur Vermögensanlage nutze und es so einen Ausgleich für die Bank gebe, „macht man die Faust in der Tasche und lässt den Kunden unbehelligt von negativen Zinsen“. Doch wenn jemand allein deshalb zur Bank komme, um angesichts deren guten Ratings Geld sicher anzulegen, sei das kein Geschäft. „Wir sind auch Kaufleute.“


Preise für Girokonten wurden bereits erhöht

Ähnliche Überlegungen muss die Deutsche Skatbank, die Internettochter der genossenschaftlichen VR-Bank Altenburger Land, schon vor anderthalb Jahren angestellt haben. Sie verlangt seit Ende 2014 für täglich verfügbare Einlagen von mehr als 500.000 Euro einen Negativzins von 0,25 Prozent pro Jahr. Das gilt, wenn der Kunde insgesamt mindestens Anlagen im Wert von drei Millionen Euro hat.

Wie teuer der EZB-Strafzins für die Geschäftsbanken ist, zeigt das Beispiel Commerzbank: Sie beziffert die Belastungen, die ihr aus den Negativzinsen im ersten Halbjahr entstanden, auf rund 160 Millionen Euro im Privat- und Mittelstandsgeschäft. Bei Großinvestoren und zunehmend auch Mittelständlern sind Negativzinsen daher mittlerweile durchaus üblich.

Die Sparer indes stellen sich selbst schon auf Strafzinsen ein. Fast zwei Drittel halten es für möglich, dass künftig für private Geldanlagen Negativzinsen gezahlt werden müssen. Das ergab eine Umfrage der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. Neun Prozent sind sich demnach sogar ganz sicher, dass dies kommen wird.

Die Banken stehen derzeit unter Druck. Die Ertragsaussichten sind angesichts des EZB-Leitzinses von null Prozent ohnehin schon mau. Denn damit schwinden auch die Margen im Kreditgeschäft der Banken. Das schmerzt, sind Zinserträge doch die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle deutscher Kreditinstitute: Rund drei Viertel aller Erträge stammen aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen, zeigt ein Bundesbank-Bericht vom September vergangenen Jahres.

Einige Banken haben bereits reagiert, indem sie Preise für ihre Girokonten erhöhen. Auch die Postbank hebt die Gebühren an und schafft für viele Kunden das kostenlose Girokonto ab. Kostenlos ist das Konto nur noch für junge Kunden und für Kunden mit einem Geldeingang von 3.000 Euro pro Monat. Dabei zählte die Postbank zu den Geldhäusern, die als erste Gratiskonten eingeführt hatten. Aus der heutigen Sicht würde man das so nicht mehr machen, sagte Strauß jetzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%