Strafzinsen bei Volksbanken: Der Kunde merkt es doch

Strafzinsen bei Volksbanken: Der Kunde merkt es doch

, aktualisiert 08. Juni 2017, 16:16 Uhr
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Die Genossenschaftsbanken pochen auf ihre besondere Rolle im Bankensystem.

von Felix HoltermannQuelle:Handelsblatt Online

Die Zeiten der kostenlosen Konten ist vorbei, Schuld ist die EZB. Soweit, so in Ordnung. Nicht in Ordnung ist, dass ausgerechnet Volksbanken und Sparkassen ihre Kunden in die Irre führen. Ein Kommentar.

DüsseldorfDie Diskussion um die drohenden Strafzinsen zeigt: Volksbanken, aber auch viele Sparkassen, nehmen ihre Kunden offenbar für nicht ganz voll. Dabei pochen gerade die genossenschaftlichen und kommunalen Institute auf ihre Vorbildfunktion für ein bodenständiges, seriöses Bankwesen. Sie sollten sie dann aber auch einnehmen.

Es ist zunächst eine Provinzposse, aber eine mit Bedeutung: Die Volksbank Reutlingen hat Strafzinsen von 0,5 Prozent für Girokonten ab dem ersten Euro und für Tagesgeldkonten ab 10.000 Euro eingeführt. So steht es im Preisaushang. Als das bekannt wird, rudert das Institut zurück, spricht von einer „prophylaktischen“ Vorsorge „zum Beispiel für den Fall, dass ein Neukunde eine Million Euro bei uns anlegen will“.

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Zumutungen durch die Hintertür einführen und sich im Anschluss davon zu distanzieren: Dass so kein seriöses Banking aussieht – geschenkt. Wie die Verbraucherzentrale betont, müssen Preisaushänge „klar und wahr sein“, dürfen nicht in die Irre führen. Kunden müssen sich darauf verlassen können, was in der Preisliste steht, – statt auf die Kulanz des jeweiligen Beraters vertrauen zu müssen, dass Ihnen die geltenden Gebühren schon großmütig erlassen werden.

Vielleicht sehen wir hier das Platzen eines Testballons. Mit einem ähnlichen Muster sind schon andere Institute aufgefallen. Viele Volksbanken und Sparkassen haben das Geldabheben verteuert und sind nur zum Teil zurückgerudert. Andere werben weiter mit positiven Zinsen, obwohl sie so kräftig an der Gebührenschraube gedreht haben, dass vom Zinsplus nichts mehr übrig bleibt. Und die Sparkasse Soest testete sogar ein ominöses Entgelt von zwei Cent je Mausklick für Onlinekunden, bevor das Dementi kam. Dass ausgerechnet Volksbanken und Sparkassen immer häufiger zu derlei Experimenten greifen, ist unverständlich und deutet auf fehlende Kontrolle durch die Eigentümer hin.

Die Volksbank Reutlingen hätte einen einfachen Weg gehen können. Sie hätte klare Grenzen einziehen können, wie andere Banken auch: Strafzinsen erst ab einem Vermögen von 500.000 Euro, dann aber in jedem Fall, zum Beispiel.

Fakt ist: Niemand wird den Banken vorwerfen können, die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank irgendwann auch an die Kunden weiterreichen zu müssen. Die Frage ist, wie das geschieht. Die genossenschaftlichen und kommunalen Institute haben hier eine Vorbildfunktion – und eine gesellschaftliche Verantwortung.

Die wahrzunehmen, hieße zum Beispiel, Strafzinsen wie Gebühren einfach zu gestalten und transparent auszuweisen. Statt im Nachhinein abzuwiegeln. Das wäre bodenständiges Banking, das die Kunden für voll nimmt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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