Strafzinsen: Hält die Wagenburg der Sparkassen?

Strafzinsen: Hält die Wagenburg der Sparkassen?

, aktualisiert 30. August 2016, 11:33 Uhr
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„Für unsere Sparkassen stellt sich immer drängender die Frage, wo sie die Spargelder der Kunden noch sinnvoll anlegen können“, sagt Michael Ermrich, Präsident des ostdeutschen Sparkassenverbands.

von Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Noch muss kein Kunde Zinsen dafür zahlen, dass er seine Ersparnisse einer deutschen Sparkasse anvertraut. Das könne nur so bleiben, wenn die Konkurrenz mitmacht, warnt der Chef der ostdeutschen Sparkassen.

BerlinDie Raiffeisenbank Gmund, die erstmals Strafzinsen für hohe Einlagen von Privatpersonen angekündigt hat, ist für die ostdeutschen Sparkassen kein Vorbild. Das könnte sich aber ändern, wenn der Konsens in der Kreditwirtschaft mehrheitlich aufgekündigt wird, sagte Verbandschef Michael Ermrich auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin.

Das Geschäft der ostdeutschen Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen boomt. „Unsere Geschäfte sind im ersten Halbjahr gut gelaufen. Sowohl bei den Krediten wie auch bei den Einlagen verzeichnen wir deutliche Zuwächse“, sagte der ostdeutsche Sparkassenpräsident Ermrich bei der Präsentation der Zahlen.

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Während das Kreditvolumen um 3,7 Prozent auf 48 Milliarden Euro zulegte, wuchsen die Einlagen um 0,9 Prozent auf 94 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu den meisten Sparkassen in den alten Bundesländern verzeichnen die ostdeutschen Institute also einen deutlichen Passivüberhang. Die Einlagen der Sparkassen sind fast doppelt so hoch wie die Summe an Krediten.

In Zeiten von Dauerniedrigzinsen ist das eine Bürde. „Für unsere Sparkassen stellt sich immer drängender die Frage, wo sie die Spargelder der Kunden noch sinnvoll anlegen können“, beschreibt Ermrich das Dilemma. Der Verbandschef hofft zugleich, „dass auch weiterhin der unausgesprochene Konsens unter den Kreditinstituten gilt, dass Kunden, die nicht zu den Vermögenden zählen, auch weiterhin keine Negativzinsen zahlen müssen“, sagte Ermrich. Die ostdeutschen Sparkassen würden sich dazu bekennen. „Das funktioniert aber nur so lange, wie sich eine deutliche Mehrheit der Institute daran hält“, beschrieb er die Grenzen der Geduld seiner Mitglieder. Breche der Konsens in der Kreditwirtschaft auseinander, würden Bankkunden in Scharen zu den Sparkassen wechseln, um Negativzinsen zu umgehen. Dann müssten die Institute reagieren: Schließlich wisse man selbst nicht, wohin mit dem Geld.

Die 48 ostdeutschen Sparkassen gehören zu den bestverdienenden in der Republik. Doch auch wenn sie sich günstiger refinanzieren können, machen sich die aktuellen Rahmenbedingungen bemerkbar. „Die Niedrigzinsen und die Überregulierung hinterlassen erkennbare Spuren“, sagte Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender. Im Laufe des Jahres wird mit einem sinkenden Zinsüberschuss gerechnet, der von einem steigenden Provisionsüberschuss nicht ausgeglichen werden könne. Angesichts höherer Kosten wird 2016 unterm Strich mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung unter Vorjahresniveau gerechnet. Im vergangenen Jahr lag es bei 1,27 Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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