Studie: Mythos Schattenbanken

Studie: Mythos Schattenbanken

, aktualisiert 22. Februar 2017, 03:54 Uhr
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Schattenbanken: Risiko oder überdramatisiert?

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Sie gelten als das Risiko im Hintergrund: Fonds, Vermögensverwalter und andere Finanzierer, die nicht der strengen Bankenaufsicht unterliegen. Eine Studie zeigt, dass sie deutlich weniger wachsen als die Geschäftsbanken.

New YorkSchattenbanken - allein der Begriff lässt Unheil wittern. In der Finanzkrise 2008 spielten Briefkastengesellschaften eine unheilvolle Rolle, die in den Bankbilanzen nicht auftauchten, aber de facto doch dazu gehörten. Danach war mit der anziehenden Bankenregulierung die Sorge groß, diese Finanzierer außerhalb der Bankenbranche könnten zu viel Geschäft übernehmen und es dann relativ unbeaufsichtigt betreiben. Immer wieder wurde der Ruf laut, neben den Banken auch die Schattenbanken stärker unter Kontrolle zu stellen.

Eine neue Studie des auf die Finanzbranche spezialisierten Research-Hauses Keefe, Bruyette & Woods (KBW) kommt aber zu dem Schluss, dass die gefürchteten Schattenbanken in den USA seit der Finanzkrise viel weniger gewachsen sind als die Geschäftsbanken. Die Sorge, dass das Geld auf der Flucht vor den strengen Bankenaufsehern in schwer durchschaubare Bereiche des Kapitalmarkts flieht, scheint damit übertrieben zu sein. Die von der neuen US-Regierung und ihren Verbündeten im Parlament propagierte These, die harte Regulierung der Banken hemme deren Wachstum, wird damit auch infrage gestellt.

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Die Schattenbanken sind in den Jahren 2009 und 2010, im Nachgang der Bankenkrise, deutlich stärker geschrumpft als die Banken. Für 2009 zeigen die Daten von KBW für die Kreditvergabe in den USA bei den Schattenbanken ein Minus von mehr als zehn Prozent, bei den Banken hingegen nur rund minus 2,5 Prozent. Und 2014 bis 2016 lag das Wachstum der Banken jeweils über fünf Prozent, während die Schattenbanken unter zwei Prozent blieben.

Nur in einem einzigen Jahr, 2013, haben die Schattenbanken die Banken in den Schatten gestellt, aber mit einem sehr mäßigem Plus von rund 2,5 Prozent. "Insgesamt ist der Sektor auf einem gedrückten Niveau geblieben", schreiben die Analysten. Einzelne Bereiche, etwa die Auto- und die Studienfinanzierung, sind aber stark gewachsen - gerade dort zeigen sich auch höhere Ausfallraten.


Schattenseiten der Schattenbanken

Zu den Schattenseiten der Schattenbanken gehört, dass sie schwer zu definieren sind. KBW hat sich auf die Kreditvergabe konzentriert, was aber auch sinnvoll ist, wenn es um den Beitrag zum gesamten Wirtschaftswachstum und, auf der anderen Seite, um das Risiko von Verschuldungsblasen geht.

Nicht zu übersehen ist aber, dass etwa Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) in der Regel auch zu den Schattenbanken gezählt werden und sich meist auf Investments in Eigenkapital konzentrieren. KBW rechnet für die Kreditvergabe 14 Kategorien den Schattenbanken zu, dazu gehören zum Beispiel verschiedene Arten von Fonds sowie Gesellschaften, die auf Forderungen basierende Wertpapiere (ABS) ausgeben, und Versicherer.

Laut der Analyse waren für das verhaltene Wachstum der Schattenbanken auch höhere Auflagen ausschlaggebend. Eine wichtige Rolle spielte dabei das nach der Krise neu geschaffene Büro für Konsumentenschutz (CFPB), das zahlreiche Angebote aus diesem Bereich unter die Lupe nahm. Dieses Büro ist der neuen Regierung ein Dorn im Auge. Sollte diese hier Auflagen streichen, könnte das für mehr Wachstum bei den Schattenbanken sorgen, schreibt KBW.

Statt einen großen Bereich von Nicht-Banken unter dem Schlagwort "Schattenbanken" zusammenzufassen und strenger zu beaufsichtigen, dürfte ein anderer Weg sinnvoller sein: systematisch darauf zu achten, dass sich keine verborgene Verschuldung bildet, etwa innerhalb von Fonds oder Zweckgesellschaften.

Darauf hat vor kurzem der bekannte Analyst Chris Whalen von der Ratingagentur KBRA hingewiesen. Wichtig sei, die Kreditvergabe der Banken an Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften im Auge zu behalten, damit sich in dem Bereich keine Verschuldungspyramiden bilden können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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