Südafrikas Lufthirten: Mit Drohnen gegen Wilderer

Südafrikas Lufthirten: Mit Drohnen gegen Wilderer

, aktualisiert 28. Februar 2016, 08:29 Uhr
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Zwei "Air Shepherd"-Piloten bereiten den Start einer Drohne vor. Die Fluggeräte sollen Wilderer aufspüren.

Quelle:Handelsblatt Online

Was tun gegen Wilderer, die im Schutz der Nacht Jagd auf Nashörner und Elefanten machen? In Südafrika rücken ihnen Tierschützer mit fliegenden Nachtsichtgeräten auf den Leib. Ein Strategie, die Erfolg zeigt.

Hluhluwe-Imfolozi-ParkVon Mund zu Mund gehen Neuigkeiten auch auf dem Land in Südafrika schnell um. Das mag in Zeiten des Smartphones veraltet wirken, aber für die Hightech-Tierschützer ist es entscheidend. Denn mit ihren lautlosen Drohnen sind sie Wilderern auf der Spure – und das spricht sich in den Dörfern am Rande der Nationalparks herum, wo viele der illegalen Jäger leben.

Eine schwüle Februarnacht im Hluhluwe-Imfolozi-Reservat, etwa drei Autostunden von Durban: Computerbildschirme leuchten aus einem Van, der an einer Gras-Landebahn steht. Zwei Männer verfolgen die Wärmebild-Aufnahmen: Einer steuert die Drohne, der andere wertet die Bilder aus.

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„Uns haben schon jede Menge Dorfbewohner dabei zugesehen, wie wir die Drohnen gestartet und bedient haben“, sagt Rob Hannaford, Leiter des Projekts „Air Shepherd“ (Lufthirte). „Die Leute sehen, wie sie abheben und still in der Nacht verschwinden. Und Sekunden später sendet die Kamera Live-Bilder.“ So können die Tierschützer nicht nur Wilderer auf der Jagd nach Nashörnern und Elefanten abfangen – das Projekt schrecke die illegalen Jäger auch davon ab, überhaupt loszuziehen.

Dem südafrikanischen Umweltministerium zufolge leben in dem Land etwa 25.000 Nashörner, 90 Prozent des weltweiten Bestands. Mit der steigenden Nachfrage nach ihren Hörnern stehen sie seit etwa zehn Jahren immer stärker im Fadenkreuz. Zu Pulver zermahlen, gelten die Hörner in einigen Ländern Asiens als Arznei oder Potenzmittel. Im vergangenen Jahr wurden 1175 Nashörner in Südafrika getötet.

Die US-amerikanische Lindbergh-Stiftung gründete das Projekt „Air Shepherd“ 2012, doch wegen strenger Auflagen musste es zunächst wieder auf Eis gelegt werden. Ende 2015 gingen die Tierschützer im Hluhluwe-Imfolozi-Park und im Krüger-Nationalpark dann wieder an den Start.

Ihre Drohnen mit einer Spannweite von weniger als zwei Metern fliegen Hunderte Meter über den Parks auf einer festen Route – nachts, wenn die meisten Wilderer unterwegs sind. Elektromotoren treiben sie fast lautlos an, die Batterien halten zwei Stunden. Repariert wird wie in der Wildnis: mit Klebeband und Leim, sagt Pilot Graham Dyer. „Die Drohnen sind widerstandsfähig gebaut, so dass sie harte Landungen und den rauen afrikanischen Busch aushalten können.“


Mit Gewehr oder Giftpfeil auf Großwildjagd

Die Kameras beobachten die Zugänge der Parkzäune und die Wasserlöcher, an denen sich Elefanten und Nashörner versammeln. Wenn der Pilot und sein Assistent verdächtige Vorgänge beobachten, alarmieren sie die bewaffneten Parkwächter. Sie rasen durch den Busch, um die Eindringlinge abzufangen. Das endet oft in Gewalt – regelmäßig werden Ranger und Wilderer in südafrikanischen Nationalparks getötet.

Werden sie nicht aufgehalten, töten die Jäger die Tiere mit Gewehr oder Giftpfeil, hacken Hörner und Stoßzähne heraus, schmuggeln sie aus dem Park und verkaufen sie an einen Mittelsmann für umgerechnet rund 15.000 Euro. Das ist eine Menge Geld in den Dörfern, die unter lang anhaltender Dürre leiden.

Um der Wilderei in Afrika ganz den Garaus zu machen, bräuchte das Projekt „Air Shepherd“ bis zu 50 Drohnen, heißt es. Bislang gibt es zwei. Während ihrer rund 600 Missionen wurde nach Angaben der Projektverantwortlichen kein Elefant oder Nashorn getötet. Auch in Kenia, Tansania und im Kongo hatten Tierschützer ähnliche Systeme getestet.

Im Nachthimmel des Nationalparks taucht ein heller Punkt auf. Das kleine Flugzeug gleitet heran, landet und schlittert ein paar Meter über den Boden. Projektleiter Hannaford blickt zu den Dörfern auf den Hügeln. „Seitdem die Drohnen fliegen, gab es keinen Fall von Wilderei mehr“, sagt er. „Sie hüten sich davor, herauszukommen.“ Der Einsatz der Tierschützer hat sich wohl herumgesprochen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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