S&K-Prozess: „Das ganze Verfahren ist ein 'Konstrukt'“

S&K-Prozess: „Das ganze Verfahren ist ein 'Konstrukt'“

, aktualisiert 16. März 2016, 14:44 Uhr
von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Einsatz Jonas Köller: Als zweiter Angeklagter im Mammutprozess um die Unternehmensgruppe S&K beginnt einer der Firmengründer mit seiner umfassenden Stellungnahme und wehrt sich akribisch gegen die Vorwürfe.

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S&K-Gründer Jonas Köller vor Gericht.

FrankfurtEr ist das „K“ in S&K und muss sich seit knapp einem halben Jahr mit fünf weiteren Angeklagten wegen schwerer Untreue und Betrugs vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Jonas Köller, der schon 2003 sein erstes Unternehmen mit Stephan Schäfer gründete, hat am Dienstag mit dem Verlesen seiner Einlassung begonnen. Darin wehrt er sich gegen die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft in einer mehr als 1.700-seitigen Anklage gegen ihn und seine mutmaßlichen Komplizen erhoben hat. Die Kurzfassung der Anklage: Sie sollen mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem mehr als 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

Am Anfang waren Köller einige „Vorbemerkungen“ wichtig. Er widersprich der Darstellung der Kläger, dass die Investitionen der S&K Gruppe nicht geeignet gewesen seien, den Anlegern eine Rendite zu bringen und dass er und die anderen Angeklagten 240 Millionen Euro für eigene Zwecke verbraucht hätten. Ob seine Bezüge zu hoch gewesen seien? Von Ende 2008 bis Anfang 2013 habe er aus seinen Unternehmen insgesamt 6,5 Millionen Euro erhalten. Dass diese Zahlungen rechtlich in Ordnung gewesen seien, werde er erörtern. Doch um dies zu klären, wäre es seiner Ansicht nach nicht nötig gewesen, die S&K-Gruppe zu zerstören, „so wie es am Tag meiner Verhaftung geschehen ist“.

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Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass die Gehälter aus Anlegergeldern bezogen wurden, ziele daneben. Ansonsten könne man auch behaupten, dass die Staatsanwälte ihren Lebensunterhalt mit Steuergeldern finanzierten. Köller setzt alles dran, jeden einzelnen Vorwurf gegen sich zu entkräften und sich als ordentlicher Geschäftsmann zu präsentieren. So treffe es zwar zu, dass er auch private Ausgaben mit der Firmenkreditkarte bezahlte. Doch dieses Geld habe er anschließend zurückgezahlt – inklusive Zinsen in Höhe von bis zu 19 Prozent.

Die Beteiligen vor Gericht dürfen sich auf einen längeren Auftritt Köllers einstellen. „Meine Einlassung ist deutlich länger als die von B.“, kündigte Köller an. Zuletzt hatte der Mitangeklagte Hauke B., einer der Geschäftspartner aus Hamburg, bereits eine 230-seitige Einlassung vorgetragen – und dafür sechs Tage benötigt. Nach Angaben von Köllers Anwalt, Andreas Kost, wird sein Mandant mehr als 300 Seiten verlesen. Hinzu kommt: Köller geht sehr akribisch vor. Er begnügt sich nicht damit, auf Fundstellen in den Akten zu verweisen, er zitiert umfangreich daraus und zeigt die Textpassagen parallel über einen Projektor im Gerichtssaal, so dass die Anwesenden mitlesen können.

Auch den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, S&K habe nur mit „Schrottimmobilien“ gehandelt, versucht Köller zu entkräften. Immobilien seien schon wegen Rissen in Fliesen und defekten Rollläden als Schrottimmobilien bezeichnet worden. „Demnach leben wir alle hin und wieder in einer Schrottimmobilie und verhandeln gerade in seiner solchen“, merkte der Angeklagte an und hatte damit ein paar Lacher im Gerichtssaal auf seiner Seite.


Staatsanwälte am „Point of no Return“?

Bereits seit mehr als drei Jahren sitzen Köller und die fünf anderen Angeklagten in Untersuchungshaft. „Das ganze Verfahren ist in meinen Augen ein 'Konstrukt'“, sagte Köller. Schon von Anfang an: Alles habe mit den Anschuldigungen einer früheren Mitarbeiterin und einem Bericht der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) begonnen, wonach ein Fonds zwar einen zweistelligen Millionenbetrag an Anlegergeldern eingeworben, aber nur eine Immobilie im Bestand habe.

Erst danach habe die Staatsanwaltschaft überhaupt Einsicht in die Unterlagen der Unternehmensgruppe gehabt. Doch dann sei der „Point of no Return“ schon überschritten gewesen, meint Köllner, denn das PwC-Gutachten und die im Januar 2013 durchgeführte Razzia mit mehr als 1.000 Ermittlern hätten bereits enorme Kosten verursacht. So hätten sich etwa die Beamten, die sein Wohnhaus durchsuchten, von einem Helikopter abgeseilt.

Um den Richtern und Schöffen nun darzulegen, wie sich das Geschäft tatsächlich entwickelte, begann Köller mit der Schilderung seiner ersten Geschäftstätigkeiten und verriet dabei auch das vermeintliche „Geheimnis“, wie seine Firma einst mit Immobilien aus Zwangsversteigerungen enorme Renditen erzielen konnte: Einfach sehr viele Versteigerungen besuchen und darauf setzen, ab und zu der einzige Bieter zu sein. Später sei das aber immer schwieriger geworden.

Bekannt geworden waren die S&K-Chefs insbesondere durch Fotos, die sie bei dem zeigen, was die Staatsanwaltschaft als „ausschweifenden Lebensstil“ bezeichnet: mit dem Lamborghini ins Büro, übernachten in der Hugh-Hefner-Suite, feiern mit Elefanten. Stephan Schäfer und Jonas Köller lebten und liebten wohl den Exzess. Aber das ist längst vorbei, doch geblieben ist ihr seriös anmutendes Äußeres. Bei Gericht erscheinen sie stets gepflegt frisiert und in Anzug und Krawatte, ganz so, wie sie sich auch früher gerne zeigten.

Am 19. Februar 2013 hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt ihren Geschäften mit einer Großrazzia ein Ende bereitet. Damals waren etwa 1.200 Ermittler und 15 Staatsanwälte in sieben Bundesländer ausgerückt, um gegen die Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger vorzugehen. Erst knapp zwei Jahre später stand die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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