Tag nach der US-Wahl: Ein bisschen Frieden

Tag nach der US-Wahl: Ein bisschen Frieden

, aktualisiert 09. November 2016, 22:31 Uhr
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Die unterlegene Kandidatin gab sich in ihrer Rede versöhnlich.

von Nils RüdelQuelle:Handelsblatt Online

Beleidigungen, Sex-Vorwürfe, Drohung mit Gefängnis: Es war ein gnadenloser Wahlkampf. Als wäre nichts gewesen, schwören Trump, Clinton und Obama die USA nun auf Einigkeit ein. Über einen Tag voller Staatsräson.

Washington„Jeder weiß, dass es zwischen dem nun gewählten Präsidenten und dem Präsidenten einige große Unterschiede gibt“, sagt Barack Obama und lächelt. Die versammelten Reporter im Rose Garden des Weißen Hauses kichern wegen der rhetorischen Untertreibung: Schließlich waren die jahrelangen Attacken Donald Trumps auf den amtierenden Präsidenten gnadenlos – und auch Obama hatte dem republikanischen Kandidaten nichts geschenkt.

Doch jetzt sagt der scheidende Präsident in der warmen Herbstsonne Washingtons: „Jeder ist traurig, wenn das eigene Lager eine Wahl verliert, aber am Tag danach müssen wir uns daran erinnern, dass wir in Wirklichkeit alle in einem Team sind.“ Vor acht Jahren habe es auch „große Unterschiede“ zwischen Vorgänger George W. Bush und ihm gegeben, sagt Obama. Trotzdem sei eine gute Übergabe der Amtsgeschäfte gelungen. Deshalb habe er seine Mitarbeiter angewiesen, es dem künftigen Präsidenten so leicht wie möglich zu machen: „Die Präsidentschaft ist größer als wir.“ Bereits am morgigen Donnerstag will Obama Trump im Weißen Haus empfangen.

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Nach einem beispiellos harten und schmutzigen Wahlkampf hatte Trump am Vorabend überraschend deutlich die Präsidentschaftswahl gegen die Demokratin Hillary Clinton gewonnen. Am Mittwoch, dem Tag danach, stehen die Zeichen in Washington auf Versöhnung – zumindest in ersten pathetischen Reden, wie sie in der US-Politik üblich sind. Clinton, Obama, Trump und der oberste Republikaner im Abgeordnetenhaus, Paul Ryan, beteuerten, die Wunden zu heilen und das Land zu einen. Wie lange die neue Harmonie tatsächlich hält, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Clinton hatte sich am Mittwochvormittag kurz vor Obama geäußert. Sie sprach von einer „schmerzhaften“ Niederlage, doch man müsse das Ergebnis akzeptieren und Trump eine Chance geben. Sie hoffe, dass der Republikaner ein „erfolgreicher Präsident für alle Amerikaner“ sein werde und versprach, ihn zu unterstützen. „Wir werden eine friedliche Übergabe der Macht sicherstellen.“


Trump selbst setzte den neuen Ton

Als erstes hatte Trump selbst in seiner Siegesrede am Vorabend von Krawallmacher auf Staatsmann umgeschaltet. „Jetzt ist die Zeit gekommen, die Wunden der Spaltung zu heilen und als vereintes Volk zusammenzukommen“, sagte er und lobte Clinton für ihre jahrzehntelangen Verdienste für Amerika. Der Milliardär versprach, er werde Präsident für alle Bürger sein und auch diejenigen mitnehmen, die ihn nicht unterstützt hätten. „Jeder Amerikaner wird die Chance haben, sein Potenzial auszuschöpfen“, sagte Trump.

Signale der Annährung sendete Trump auch in Richtung seiner eigenen Partei aus. Die Zusammenarbeit mit dem Republican National Committee und dessen Vorsitzendem Reince Priebus sei exzellent gewesen, sagte Trump, und habe seiner Kampagne sehr geholfen. „Beste Wünsche für unseren gewählten Präsidenten“, twitterte Priebus noch am Abend. „Möge ihn seine Siegesrede leiten und das Bewahren der Republik sein Ziel sein.“

Die Republikaner sind tief gespalten und die Kandidatur Trumps hat die Zerrissenheit weiter verstärkt. Establishment gegen Außenseiter, Big Business gegen Abgehängte, Political Correctness gegen Polterer – viele in der Partei hatten Trump bis zum Schluss bekämpft. Die Ausfälle des Milliardärs gegen Einwanderer und Muslime, sein Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, seine Beleidigungen gegen Frauen und die Absicht, Handelsabkommen aufzukündigen, hatten viele verstört.

Doch am Mittwoch gratulierten auch Trumps Kritiker dem neu gewählten Präsidenten. Ryan, der mächtigste Republikaner des Landes, beteuerte in einer Rede am Mittwoch, er werde gemeinsam mit Trump die Agenda der Partei voranbringen. „Eine einige republikanische Regierung wird mit dem neuen Präsidenten arbeiten“, sagte Ryan. „Donald Trump hat die Politik auf den Kopf gestellt. Er hat sich sein Mandat verdient.“

Ryan, Sprecher des Abgeordnetenhauses, hatte Trump zu Beginn des Wahlkampfs bekämpft und gemeinsame Wahlkampfauftritte abgelehnt. Später unterwarf er sich der Parteidisziplin und kündigte an, den Quereinsteiger zu unterstützen. Auch Mitch McConnell, Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, stellte sich nach monatelangem Zögern am Mittwoch hinter Trump. Dieser müsse der neue Präsident und der mächtigste Republikaner in Amerika werden, sagte McConnell.

Selbst der prominente Senator und Trump-Kritiker John McCain, der Trump einst vorwarf, „die Verrückten anzufeuern“, mühte sich, einen – wenn auch knappen – Tweet abzusetzen: „Gratulation an den neu gewählten Präsidenten Donald Trump.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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