Tagesgeld für Anleger: Was bringt Sparen eigentlich noch?

Tagesgeld für Anleger: Was bringt Sparen eigentlich noch?

, aktualisiert 26. Februar 2016, 13:01 Uhr
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Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch?

von Jens HagenQuelle:Handelsblatt Online

Die Zinsen bei Tagesgeldern tendieren bei vielen Banken gegen Null. Bei immer mehr Geldhäusern erzielen Kunden keinerlei Erträge mehr. Und nach der Inflation verlieren die Sparer sogar Geld. Haben Sparkonten ausgedient?

Nullkommanichts – so lautet der Leitspruch vieler Banken bei Tages- und Festgeldern. Eine spontane Stichprobe von Handelsblatt Online zeigt: Einige Banken, wie etwa die Commerzbank, Münchener Bank oder GLS Bank, offerieren ihren Kunden einen Zins von 0,00 Prozent. Und die Zahl an Null-Offerten könnte bald steigen. Mindestens 14 Institute bieten derzeit einen Zins von 0,01 Prozent und weniger.

Die Auswertung zeigt: In Zeiten von Minuszinsen – die europäische Zentralbank gibt auf Bankeinlagen einen negativen Zins und auch die Sätze zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen sind derzeit negativ – soll eine Null offenbar schon als Sparerfolg gelten.

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Und schon droht neues Ungemach. Experten rechnen damit, dass EZB-Chef Mario Draghi schon auf der März-Sitzung nachlegen wird, der Minuszins von aktuelle 0,3 auf 0,4 Prozent absinkt. Ein weiterer Anleihekauf könnte den Druck auf die Zinsen der Sparkonten weiter erhöhen.

Auch wenn Minuszinsen bei Tages- und Festgeldern von Kleinsparern derzeit kaum denkbar sind, sind viele Kleinanleger verunsichert. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung darüber diskutiert, Barzahlungen über 5.000 Euro gesetzlich zu verbieten. Und dann prüft die Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit auch noch, die Verwendung von 500-Euro-Banknoten vollständig einzustellen.

Solche Maßnahmen sollen Schwarzarbeit und organisierte Kriminalität bekämpfen. „Dabei dürfte aber tatsächlich eine andere Überlegung im Vordergrund stehen: Eine Übertragung der Negativzinsen einiger Zentralbanken wie der EZB auf Sparer und Unternehmen“, befürchtet etwa Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank.

Ein Freund in der Not ist den Sparern bislang noch die niedrige Inflationsrate. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes stiegen die Verbraucherpreise im Januar um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Bundesbank erwartet in diesem Jahr eine Teuerung von rund 0,25 Prozent. Auf Sicht könnte die Inflation wieder merklich ansteigen, im nächsten Jahr rechnet die Bundesbank mit 1,75 Prozent.


Was von den Zinsen übrig bleibt

Die Inflationsrate basiert allerdings auf gewichteten Durchschnitten. Das zeigt etwa der Blick auf Deutschland. Während die Energiepreise im Januar um 5,8 Prozent zum Vorjahresmonat fielen, verteuerten sich Nahrungsmittel wie Obst (+5,0 Prozent) und Gemüse (+3,6 Prozent) oder aber die Kaltmiete (+1,1 Prozent) deutlich.

Wie sich die Sparguthaben aktuell real entwerten, zeigt eine Berechnung der FMH Finanzberatung. Wer etwa 10.000 Euro für 12 Monate zu einem Zins von 0,1 Prozent anlegt, verliert bei einer Inflationsrate von 0,4 Prozent real 30 Euro (siehe Tabelle) . Bei einer Inflationsrate von 1,5 Prozent läge der reale Verlust bei gut 140 Euro. Selbst bei einem Zins von einem Prozent liegt der reale Ertrag bei einer Inflation von 0,4 Prozent im Jahr nur bei knapp 60 Euro.

„Nur wer bei den Offerten der zinsstärksten Banken anlegt, kann derzeit einer realen Geldentwertung halbwegs vorbeugen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. In der Spitze sind bei Tagesgeld derzeit 1,25 Prozent für Neukunden drin. Mit dem Tagesgeld-Vergleich auf Handelsblatt Online können Sparer die individuell günstigsten Zinsofferten errechnen.

Bleibt die Frage, ob sich angesichts der real niedrigen Renditen der Aufwand eines Wechsels lohnt. Als langfristiges Investment taugen Zinskonten wohl nicht mehr. „Ein Tagesgeldkonto bleibt trotzdem notwendig, da dieses aufgrund der Flexibilität ideal für die Liquiditätsreserve ist“, erklärt Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW. „Diese sollte idealerweise drei Nettogehälter umfassen, mindestens aber 5.000 Euro“, sagt Feck. Das gelte aber nur für die Konten von Banken, die noch Zinsen zahlen.

Was nach Inflation und Zinsen von 10.000 Euro übrig bleibt
Anlagezeitraum: 1 Monat
Zinsen in % bei…0,100,501,001,502,00
0,0% Inflation10.000,8310.004,1710.008,3310.012,50 10.016,67 
0,4% Inflation9.997,5010.000,8410.005,0010.009,1710.013,34 
0,8% Inflation9.994,199.997,5310.001,6910.005,85 10.010,02
1,2% Inflation9.990,899.994,239.998,3910.002,5510.006,72
1,5% Inflation9.988,439.991,779.995,9210.000,0910.004,25
2,0% Inflation9.984,349.987,679.991,839.995,9910.000,15
Anlagezeitraum: 6 Monat
Zinsen in % bei…0,100,501,001,502,00
0,0% Inflation10.005,0010.025,0010.050,00 10.075,0010.100,00 
0,4% Inflation9.985,0510.005,0110.029,96 10.054,9110.079,86 
0,8% Inflation9.965,229.985,1410.010,0410.034,94 10.059,84
1,2% Inflation9.945,509.965,399.990,24 10.015,09 10.039,94
1,5% Inflation9.930,809.950,659.975,46 10.000,28 10.025,09 
2,0% Inflation9.906,439.926,539.950,989.975,74 10.000,49
Anlagezeitraum: 12 Monat
Zinsen in % bei…0,100,501,001,502,00
0,0% Inflation10.010,0010.050,0010.100,0010.150,00 10.200,00 
0,4% Inflation9.970,12 10.009,9610.059,7610.109,5610.159,36
0,8% Inflation9.930,569.970,2410.019,8410.069,44 10.119,05
1,2% Inflation9.891,309.930,839.980,2410.029,6410.079,05 
1,5% Inflation9.862,079.901,489.950,7410.150,0010.049,26
2,0% Inflation9.813,739.852,949.901,969.950,98 10.000,00 

Quelle:

FMH-Finanzberatung

.

www.fmh.de/rendite 

Quelle:  Handelsblatt Online
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