Tagesgeld und Sparbuch: Wer braucht eigentlich noch Zinskonten?

Tagesgeld und Sparbuch: Wer braucht eigentlich noch Zinskonten?

von Jens HagenQuelle:Handelsblatt Online

Die Zinsen sind im Keller, einige Institute offerieren nur noch 0,01 Prozent. Ein Verbraucherschützer erklärt, warum Sparer jetzt trotzdem Tagesgelder abschließen sollten und was bei der Auswahl der Anbieter zu beachten ist.

Viel zu bieten haben die meisten Banker derzeit nicht mehr. Die Zinspolitik der Notenbanken ließ die Renditen für Tages-und Festgelder in den Keller fallen. Trotzdem sollten Sparer nicht resignieren, erklärt Verbraucherschützer Markus Feck im Interview.

Herr Feck, Sparbücher, Tages- und Festgelder rentieren oft nicht mal mehr 0,1 Prozent. Welche Sparer sollten eigentlich solche Zinskonten noch abschließen?

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Die inzwischen schon Jahre andauernde Niedrigzinsphase stellt in der Tat insbesondere für sicherheitsorientierte Sparer ein Problem dar, weil die Habenzinsen oft unterhalb der Inflationsrate liegen und das Geld real gesehen an Wert verliert. Trotzdem bleibt insbesondere ein Tagesgeldkonto notwendig, da dieses aufgrund der Flexibilität ideal für die Liquiditätsreserve ist. Diese sollte idealerweise drei Nettogehälter umfassen, mindestens aber 5.000 Euro.

Gibt es weitere Zielgruppen, für die Zinskonten interessant sind?

Auch wer für kurzfristige Ziele sparen will kommt – trotz der niedrigen Zinsen – kaum am Tagesgeld oder am Sparbuch vorbei, da andere Sparformen entweder mit Risiken verbunden sind oder die notwendige Flexibilität nicht gegeben ist. Anders sieht es aus, wenn für mittel- und langfristige Ziele gespart wird. Hier sollten Anleger in der Tat auf andere, geeignete Produkte ausweichen. Welche Produkte in Frage kommen, hängt letztlich von den individuellen Zielen und Präferenzen des einzelnen Anlegers ab.

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Illustration Euro-Münzen Quelle: dpa

Nicht alle Banken verzinsen nahe Null. Wie kommen eigentlich die enormen Spannen zustande – beim Tagesgeld variieren die Offerten für Neukunden zwischen 0,01 Prozent und 1,25 Prozent?

Diese Differenz kann aus ganz unterschiedlichen Gründen zustande kommen. Beispielsweise nutzen einige Kreditinstitute das Tagesgeldkonto als Akquiseinstrument, um neue Kunden zu gewinnen und bieten daher Konditionen, die über dem Marktdurchschnitt liegen.

Sind Direktbanken immer günstig?

Direktbanken haben in der Regel eine günstigere Kostenstruktur als Filialbanken und können diesen Vorteil unter anderem dafür nutzen, höhere Zinsen bei Tagesgeldkonten anzubieten. Doch selbst bei einer identischen Kostenstruktur müssen die Tagesgeldkonditionen nicht identisch sein. Die einzelnen Kreditinstitute setzen unterschiedliche Schwerpunkte. So kann bei einem Anbieter der Zins beim Tagesgeldkonto höher sein, dafür könnte zum Beispiel die Kreditkarte, der Verbraucherkredit oder auch das Girokonto teurer sein.

Lohnt bei den niedrigen Zinsen eigentlich ein Wechsel? Der Aufwand mit Postident, Online-Anmeldung und PinTan-Verfahren ist nicht ohne.

Dies ist eine berechtige Frage, die der eine Verbraucher mit ja und der andere mit nein beantworten wird. Eine allgemeingültige Antwort gibt es hier nicht, da es letztlich auf die individuelle Bewertung durch den einzelnen Verbraucher ankommt. Wer sich beispielsweise für die Summe von 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto bei gleicher Sicherheit von 0,4 Prozent auf 1,0 Prozent verbessern kann, bekommt letztlich im Monat fünf Euro mehr Zinsen. Damit sind wir in einer Größenordnung, die an die Kosten für das Führen eines Girokontos erinnert. Genauso wie beim Girokonto erleben wir, dass einige Kunden aus Kostengründen wechseln, andere hingegen Wert auf die Filiale vor Ort legen.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

  • Die Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt einmal jährlich im Auftrag von pro aurum die Deutschen nach ihren Anlagestrategien. Hier die Ergebnisse vom Juni 2015 - im Vergleich zu den Vorjahren. Zuerst wurden den Bürgern fünf Geldanlagen genannt, mit der Bitte, anzugeben, welche davon aus ihrer Sicht derzeit am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

  • Gold

    Gold platziert sich zum fünften Mal in Folge an erster Stelle, diesmal allerdings deutlicher vor Aktien, die seit 2011 Zuwächse erzielten, aber aktuell in der Anlegergunst gesunken sind: 30 Prozent der Bürger würden sich heute für Gold entscheiden, weil sie vermuten, dass diese Anlage nach mindestens drei Jahren Laufzeit im Vergleich zu den vier anderen Geldanlagen den meisten Gewinn bringt. Gold konnte somit um zwei Prozentpunkte zulegen.

  • Aktien

    Nur noch 23 Prozent halten Aktien für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Im Vorjahr hatte dieser Wert mit 27 Prozent offenbar einen Gipfel erreicht.

  • Fondsanteile

    Es folgen Fondsanteile mit zwölf Prozent. Fonds sind in der Gunst der Anleger wieder leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2013 hatte dieser Wert mit 13 Prozent noch ein Hoch erreicht, war aber 2014 auf elf Prozent zurückgefallen.

  • Festgeld

    Fest- beziehungsweise Termingeld hielten sieben Prozent der Befragten für die lukrativste langfristige Geldanlage. Seit 2011 ist diese Anlageklasse deutlich ins Hintertreffen geraten, damals glaubten noch 22 Prozent der Befragten, Termin- und Festgelder würden auf drei Jahre betrachtet den meisten Gewinn abwerfen.

  • Anleihen

    Drei Prozent nannten Anleihen als aussichtsreichste Anlageklasse, im Vorjahr waren es nur zwei Prozent. Anleihen spielen somit für Privatanleger praktisch keine Rolle. Ernüchternd: Knapp jeder vierte Bürger (24 Prozent) kann nicht sagen, welche dieser Anlagen am besten geeignet wäre, um langfristig möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Angaben "weiß nicht" oder "keine davon" kamen bereits in den Vorjahren ähnlich häufig vor.

Wie können Kunden bei Tagesgeldern Lockvogel-Angebote identifizieren, die kurzzeitig hohe Zinsen bieten und danach wieder senken?
Hier sollte man vor einem Abschluss auf jeden Fall einen detaillierten Blick auf die „Sternchen“ werfen. Diese bedeuten in der Regel Einschränkungen. So kann der höhere Zinssatz nur für eine bestimmte Summe oder einen bestimmten Zeitraum gelten. Diese „Sternchen“ können aber auch mit weitergehenden Verpflichtungen verbunden sein. Beispielsweise könnte die Eröffnung eines Tagesgeldkontos nur möglich sein, wenn man auch ein Wertpapierdepot eröffnet. Der Umkehrschluss, dass Tagesgeldkonditionen ohne einschränkende „Sternchen“ letztlich besser sind, wäre allerdings auch ein Trugschluss. Denn dann kann die Bank oder Sparkasse jederzeit die Zinsen für das Tagesgeldkonto senken.



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