Target 2: Bundesbank-Forderungen auf Rekordhöhe

Target 2: Bundesbank-Forderungen auf Rekordhöhe

, aktualisiert 09. Juni 2017, 16:15 Uhr
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Die Forderungen der Bundesbank im internen Verrechnungssystem der Euro-Notenbanken erreichten im Mai einen neuen Rekord.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Die Forderungen der Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank haben im Mai einen neuen Rekordwert erreicht. Mittlerweile liegen sie bei 857 Milliarden Euro. Das hat vor allem einen Grund.

FrankfurtDie Forderungen der Bundesbank im internen Zahlungssystem der Notenbanken des Eurosystems (Target 2) haben im Mai mit 857 Milliarden Euro einen neuen Rekord erreicht. Im April notierten sie noch bei 843 Milliarden Euro. Umgekehrt stiegen auch die Target-Verbindlichkeiten Italiens mit 421Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert. Über das Target-System verrechnen die Notenbanken des Eurosystems grenzüberschreitende Zahlungen.

Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise 2010 bis 2012 zogen Investoren massenhaft Kapital aus den Krisenländern ab und brachten es vor allem nach Deutschland, wodurch sich riesige Ungleichgewichte auftaten. Deshalb galten die Target-Salden damals als eine Art Fieberthermometer der Euro-Krise. Erst durch das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, alles zu tun, um den Euro zu retten, konnte die Kapitalflucht ab Mitte 2012 vorerst gestoppt werden – und die Salden gingen zurück.

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Den derzeitigen Anstieg führen Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB) nicht primär auf Kapitalflucht zurück, sondern auf die Anleihekäufe der Euro-Notenbanken. Seit März 2015 kaufen die Bundesbank und die anderen Notenbanken des Eurosystems im Auftrag der EZB in großem Umfang Staatsanleihen. Oft erwerben sie diese Papiere von ausländischen Banken oder Investoren, die ihr Konto meist in Ländern mit der besten Bonität wie Deutschland haben. Kauft etwa die italienische Notenbank einem US-Investor italienische Staatspapiere ab, der sein Konto bei der Bundesbank hat, so steigt der deutsche Target-Saldo.

Bereits seit Beginn der Anleihekäufe 2015 ist der Target-Saldo der Bundesbank wieder gestiegen. Einige Politiker sehen das mit Sorge. Zu einem Problem könnten die die Target-Salden werden, wenn ein Land aus dem Euro ausscheiden sollte. Ob ein Land wie Italien oder Griechenland dann seine Target-Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem begleichen würde, ist fraglich. In einem solchen Fall blieben im Eurosystem unbezahlte Rechnungen zurück, für die in Deutschland möglicherweise die Steuerzahler mit dem Verzicht auf Bundesbankgewinne aufkommen müssten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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