Tarifgespräche: Wenn Frankfurter Banker streiken

Tarifgespräche: Wenn Frankfurter Banker streiken

, aktualisiert 16. Juni 2016, 20:14 Uhr
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Etwa 350 Banker folgten dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die zum Warnstreik aufgerufen hatte.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Die Gewerkschaft Verdi hat wegen der stockenden Tarifverhandlungen im Bankgewerbe zu Warnstreiks aufgerufen. Das bisherige Fazit: Frankfurter Banker sind weniger rebellisch als ihre Wiesbadener Kollegen.

FrankfurtDie Bankenbranche steckt in einem grundlegenden Umbruch - entsprechend schwer gestalten sich die aktuellen Tarifgespräche für die Angestellten bei privaten und öffentlichen Banken. Ein Gehaltsplus von 4,9 Prozent fordern die Gewerkschaften für die bundesweit 230.000 Beschäftigten. Die Arbeitgeber haben auch in der zweiten Runde der Tarifgespräche noch kein konkretes Angebot vorgelegt. „Dass es gar kein Angebot gibt, ist ein Novum“, Birgit Braitsch, Leiterin des Fachbereichs Finanzdienstleistungen im Verdi-Landesbezirk Hessen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat daher nun mit eintägigen Warnstreiks begonnen.

Am Mittwoch waren dem Aufruf in Wiesbaden nach Gewerkschaftsangaben mehr als 500 Beschäftigte der Naspa gefolgt. Etwa 95 der insgesamt 113 Filialen blieben deswegen geschlossen. Von so einem Wirkungsgrad war die Aktion in Frankfurt weit entfernt, dabei hatte Verdi dort Mitarbeiter von unter anderem Commerzbank, Dekabank, Deutscher Bank, Frankfurter Sparkasse, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und KfW zum Ausstand aufgerufen. Gerade einmal 350 Banker zogen mit Trillerpfeifen und Ratschen lärmend durch das Frankfurter Bankenviertel in die Innenstadt.

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Selbst einige Deutsch-Banker befanden sich unter den Demonstranten, unbeeindruckt von den laufenden Gesprächen über Stellenabbau und Filialschließungen im eigenen Haus. „Deutsche Bank - 12,7 Milliarden Euro Strafe, kein Geld für 4,9 Prozent“, stand auf einem Transparent, das Mitarbeiter des Instituts durch die Stadt trugen. „Für Boni und andere Dinge ist Geld da, nicht aber für die Tarif-Angestellten“, sagte ein Mitarbeiter des Geldhauses. Viele der Demonstranten liefen in Alltagskluft durch die Straßen, auch einige Anzugträger waren dabei.

Von den Argumenten der Arbeitgeberseite, Ertragsdruck, steigende Kosten für Regulierung und die Digitalisierung erlaubten der Bankenbranche keine großen Sprünge bei den Tarifgehältern, zeigten sich die Redner auf der abschließenden Kundgebung unbeeindruckt - und sie beriefen sich dabei auf die Bundesbank, die für Reallohnsteigerungen plädiert hatte. Auch aus dem Geschäftsbericht der Deutschen Bank zitierte Leonhard Regneri, Personalratschef der Fraspa und Mitglied der Verdi-Tarifkommission fleißig. Die Bank hatte ihren Bonus-Pool von 2,4 Milliarden Euro unter anderem damit verteidigt, dass eine drastischere Reduzierung die Fähigkeit der Bank, Talente zu gewinnen und binden, beeinträchtigt hätte und damit auch die Umsetzung der neuen Strategie gefährdet hätte. „Auch wir müssen das Momentum für unser Engagement bewahren“, sagte Regneri dazu. „Wir wollen diese Krise nicht bezahlen, wir haben sie nicht verantwortet.“

Regneri forderte von den Arbeitgebern ein vernünftiges Angebot, „sonst kommen wir wieder“. Angesichts der Teilnehmerzahlen in Frankfurt, dürfte die Drohung die Arbeitgeberseite kaum beeindruckt haben. „Die Auswirkungen waren wie auch in den Vorjahren begrenzt“, kommentierte Carsten Rogge-Strang vom Arbeitgeberverband der privaten Banken den Warnstreik. Ähnlich äußerte sich ein Vertreter der öffentlich-rechtlichen Banken. Anders als am Mittwoch in Wiesbaden blieben die Filialen der bestreikten Banken in Frankfurt geöffnet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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