Computer Amazon verkauft Lesegerät Kindle auch in Deutschland

Der Online-Einzelhändler Amazon.com wird sein „Kindle“-Lesegerät für elektronische Bücher künftig auch außerhalb der USA anbieten - darunter auch in Deutschland.

Amazon.com-Chef Jeff Bezos mit Bild vergrößern Amazon.com-Chef Jeff Bezos mit dem Lesegerät Kindle, das demnächst auch nach Deutschland geliefert wird REUTERS

„Kindle kann nun auch in Deutschland und in über 100 Ländern in aller Welt gekauft werden“, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos heute der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das E-Book-Angebot von Amazon.com umfasst derzeit jedoch nur englischsprachige Titel. „Unsere Vision ist es aber, irgendwann jedes Buch in jeder Sprache liefern zu können“, betonte Bezos.

Der Kindle kann von sofort an online für 279 Dollar im US-Portal von Amazon.com vorbestellt werden. Beim Import aus den USA fallen weitere Kosten für den Versand und eventuell beim Zoll an. Das Gerät soll direkt nach der Frankfurter Buchmesse am 19. Oktober ausgeliefert werden. Zu den deutschsprachigen Inhalten, die man bei Amazon.com für den Kindle kaufen kann, gehören die elektronischen Ausgaben der WirtschaftsWoche, „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“

Buch in weniger als einer Minute per UMTS herunterladbar

„Wir haben Millionen von Kunden in aller Welt, die englischsprachige Bücher lesen“, sagte Bezos. Mit dem Kindle könne man ein Buch in weniger als einer Minute über ein 3G-Mobilfunknetz (UMTS) herunterladen. Das internationale „Amazon Whispernet“ wird vom US-Telekomkonzern AT&T betrieben. Der Telefonriese kümmert sich dann in den jeweiligen Ländern um die lokalen Roaming-Partner. Die Gebühren für die Nutzung des Netzes sind auch in Deutschland in den E-Book-Preisen eingeschlossen.

„Unsere Kunden haben keine Wireless-Roaming-Gebühren, brauchen keinen Hotspot zu suchen und müssen keinen Vertrag abschließen“, sagte eine Amazon-Sprecherin in München. Bei Amazon.com kosten die digitalen Bücher der Verlage wie Bloomsbury, Canongate, Hachette, HarperCollins, Lonely Planet, Penguin, Profile Books, Quercus, Simon & Schuster und Wiley zum Teil deutlich weniger als die gedruckten Hardcover-Ausgaben. So sind die Titel auf der Bestseller-Liste der New York Times für 9,99 Dollar zu haben, während das Hardcover in der Regel 20 Dollar oder mehr kostet.

Wichtiges Thema auf Frankfurter Buchmesse

Auf der Buchmesse in Frankfurt dürften der Einstieg von Amazon in den internationalen E-Book-Markt und die Lizenzierung von Titeln in deutscher Sprache ein wichtiges Thema werden. Zwar spielen E-Books selbst in den USA beim Buchabsatz noch eine untergeordnete Rolle. Allerdings verkaufte sich der Bestseller „The Lost Symbol“ (Das verlorene Symbol) von Dan Brown bei Amazon.com als E-Book besser als die fast doppelt so teure Hardcover-Version. „Für Bücher, die wir auf Papier und digital vertreiben, kommt durchschnittlich auf zwei gedruckte Bücher ein E-Book“, sagte Bezos.

Laut Medienberichten plant Amazon.com, in diesem Jahr insgesamt 800.000 Lesegeräte abzusetzen. Bezos nannte am Mittwoch auch auf Nachfrage keine Absatzzahlen. Amazon konkurriert in Deutschland im noch überschaubaren E-Book-Markt vor allem mit Sony. Der Sony-Reader wird über die Filialen der Buchhandelskette Thalia in Kooperation mit dem Buchhandels-Grossisten Libri vertrieben. Auf der Buchmesse in Frankfurt wird auch das Berliner Startup-Unternehmen txtr seine E-Book-Lösung vorstellen.

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