Produkt-Vergleich Digitale Lesegeräte im Test

Wirtschaftswoche-Korrespondent Matthias Hohensee über seine kurze Affäre mit dem Lesegerät Sony PR 505 und seine Arbeit mit dem Amazon Kindle.

Amazon Kindle Bild vergrößern Amazon Kindle

Wirklich, der Sony PR 505 gefiel mir schon sehr, mit seiner schlanken Gestalt und seinem silbrig-glänzenden Gehäuse. Das Lesegerät Kindle von Amazon ist im Vergleich dazu geradezu hässlich. Es erinnert mich an jenes Plastikmonster, das die Kuriere von UPS ihren Kunden entgegenstrecken, wenn sie eine Sendung quittieren sollen: „Hier unterschreiben.“ Dafür jedoch besitzt der Kindle ein Mobilfunkmodul, das es erlaubt, fast überall auf riesige Mengen Lesestoff zuzugreifen – ohne vorherige Kopplung mit einem Computer. Deshalb passierte nach einem zweiwöchigen Flirt mit dem Sony das Unerhörte: Ich brachte das Schmuckstück in den Laden zurück. Die Verkäuferin schaute mich zwar mitleidig an, erstattete den Preis aber ohne Murren.

Gekauft habe ich den Kindle, trotz seiner ästhetischen Schwächen und trotz seines unverschämten Preises von 399 Dollar – für die Summe kriegt man in den USA bereits ein Notebook. Seitdem ist er fast immer an meiner Seite. Wenn ich aus Europa kommend durch die Flughäfen von Chicago oder Dallas haste, um meinen Anschlussflug nach San Francisco zu kriegen, saugt er sich über eine Mobilfunkverbindung automatisch mit den aktuellsten Nachrichten von „Forbes“, „Fortune“, vom „Wall Street Journal“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ voll. Ich könnte die Informationen auch auf meinem Laptop lesen. Aber ich habe es längst aufgegeben, den Computer in der Economy Class herauszuholen und aufzuklappen– die engen Sitzreihen in Billigfliegern lassen das nicht zu. Für eine Lektüre mit dem Kindle reicht der Platz jedoch. Über eine Taste lässt sich das eingebaute Mobilfunkmodem im Flieger schnell ausschalten.

Der Kindle besitzt – wie das Sony-Gerät – ein Display von E-Ink aus Boston. Darauf wirkt eine Zeitungsseite wie Papier, allerdings nicht ganz so weiß. Es schont die Augen, weil der Schirm im Gegensatz zu Computermonitoren oder Mobiltelefonen nicht hintergrundbeleuchtet wird. Das normale Licht reicht zum Lesen, auch in der Sonne ist der Text hervorragend lesbar. Im Dunkeln funktioniert es natürlich nicht.

Wie gesagt, der plastikumhüllte Kindle ist nicht besonders schön. Und ich werde wohl auch nie verstehen, warum seine Designer die Tasten zum Durchblättern der Seiten auf der linken Seite platziert haben, dort, wo jeder Rechtshänder das Gerät hält. Dafür hat der Kindle eine Reihe von Funktionen, die dem Sony fehlen. Man kann über die Tastatur Notizen eingeben oder die Bedeutungen von Wörtern in einem integrierten Lexikon nachschlagen. Man kann mit ihm dank der Internet-Verbindung E-Mails abrufen oder auf der Web-Seite von Amazon nach Lesestoff suchen. Oder man stellt den Kindle so ein, dass er sich automatisch die neuesten Zeitungen und Magazine aus dem Netz holt, schon ab 60 Cent pro Ausgabe.

Der Sony hingegen muss, damit er mit Lektüre gefüttert werden kann, mit einem Computer verbunden werden. In Sonys digitaler Bibliothek gibt es momentan auch nur Bücher, keine Zeitschriften oder Magazine. Vor allem funktioniert das Gerät nur mit Microsoft Windows. Dank des US-Programmierers Kovid Goyal gibt es zumindest ein kostenloses Programm namens Libprs 500, das den Sony auch für den Mac und für Linux nutzbar macht.

Toll wäre ein Zwitter aus beiden Geräten. Amazon könnte sich auf die Inhalte konzentrieren, Sony auf die Weiterentwicklung der Hardware. Alternativ könnte Sony sein Lesegerät ebenfalls mit einem Mobilfunkmodul ausstatten. Auf jeden Fall sollten beide Hersteller ernsthaft darüber nachdenken, ihre Geräte auch in Europa anzubieten. Das Sony hat in Deutschland bereits viele Anhänger, die das Gerät über US-Internet-Händler ordern.

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1 Kommentar zu “Digitale Lesegeräte im Test”

von Sylvia Lang am 12.08.2008 21:20 Uhr

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