Technogym geht an die Börse: „Gesundheit ist der neue Luxus“

Technogym geht an die Börse: „Gesundheit ist der neue Luxus“

, aktualisiert 03. Mai 2016, 07:36 Uhr
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Italiens Premierminister hält sich mit Radfahren fit: Matteo Renzi (Mitte) zählt auch zu den Kunden der Fitnesskette.

von Regina KriegerQuelle:Handelsblatt Online

Fitness-Papst Nerio Alessandri bringt sein Unternehmen Technogym an die Börse in Mailand. Er sieht sich als Teil des Luxussegments wie große Mode- und Autofirmen. Warum die Firmengeschichte an die von Apple erinnert.

RomAn diesem Dienstagmorgen steht Nerio Alessandri im Palazzo Mezzanotte, dem Sitz der Börse in Mailand, und läutet seinen Börsengang ein. Im Anzug, nicht im gelben T-Shirt mit der Aufschrift „Let’s move – for a better world“, wie sie die jungen Menschen auf den ganzseitigen Anzeigen für die Quotierung tragen, die seit Tagen in den großen italienischen Zeitungen geschaltet werden.

Den Event will sich Alessandri nicht entgehen lassen. Der dynamische 55-Jährige aus dem Adriaörtchen Cesena ist schließlich Gründer, Vorstandsvorsitzender, Präsident, Promoter und Aushängeschild seines Unternehmens Technogym. Seit der Gründung im Jahr 1983 hat er den kleinen Hersteller von Laufbändern und Crosstrainern zum Marktführer für Fitness-Geräte mit dazugehöriger Wellness-Philosophie gemacht.

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Alessandri beschäftigt weltweit 2000 Angestellte in 14 Filialen, exportiert seine Geräte in 100 Länder und erzielte 2015 einen Gewinn von 512 Millionen Euro – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn (Ebitda) lag bei 86,7 Millionen Euro und damit 40 Prozent über dem Ergebnis von 2014.

Es ist der erste Börsengang dieses Jahr in Italien nach dem nicht ganz so geglückten Start von Ferrari am ersten Handelstag des Jahres. Dazwischen liegt ein traumatisches erstes Quartal mit extremer Volatilität, vor allem durch das schlechte Abschneiden der Bankentitel, die den Rekordwert der Böse vom vergangenen Jahr in Rekordzeit abschmolzen.

Alessandri ist das Umfeld egal. „Technogym hat eine starke Marke und eine gute Erfolgsgeschichte“, sagt er dem Handelsblatt, „unsere Minderheitenaktionäre wollten einen Teil ihrer Anteile verkaufen und deshalb fanden wir, dass ein Börsengang trotz des Marktumfelds die beste Art ist, das zu erreichen. Der Erfolg des Angebots, das vierfach überzeichnet wurde, zeigt uns, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.“

Er sieht sich als Teil des Luxussegments, des edlen „made in Italy“ wie die großen Mode- oder Autofirmen. Von der Börse „des Luxus und des Lifestyles“ spricht Raffaele Jerusalmi, der CEO der Mailänder Börse, wo unter anderem Tod’s , Ferragamo und Brunello Cucinelli gelistet sind. „Gesundheit ist der neue Luxus“, sagt er lächelnd, „wir erleben eine große Nachfrage an Geräten und Dienstleistungen in allen Ländern, in denen wir aktiv sind.“

25 Prozent des Kapitals bringt Technogym an die Börse. Der Aktienkurs wurde mit 3,25 Euro festgelegt. Die Marktkapitalisierung beträgt 650 Millionen Euro. Begleitet wird der Börsengang von Goldman Sachs, JP Morgan und Mediobanca. Das Angebot gilt komplett für institutionelle Anleger. 60 Prozent bleiben bei Nerio Alessandri und seinem Bruder Pierluigi.


Weg vom Prinzip Muckibude, hin zur Gesundheitswelle

Alessandri weiß seine Erfolgsgeschichte zu verkaufen. Er beherrscht das perfekte Storytelling: „Vor 30 Jahren war Europa in puncto Fitness ein unbeschriebenes Blatt. Wir haben uns schnell bewegt, die richtigen Produkte entwickelt und dazu maßgeschneiderten Service, sodass heute unser Marktanteil doppelt so groß ist wie der unseres größten Wettbewerbers. Wir sind also gut aufgestellt.“

Die Geschichte von Technogym klingt ein bisschen wie die von Apple – dessen Gründer Steve Jobs er in den 1980er Jahren traf. Der gelernte Industriezeichner Alessandri begann in einer Garage und baute dort die ersten Geräte. Und er schaffte es, sehr schnell den globalen Trend vom Umschwenken vom Prinzip Muckibude zur ganzheitlichen Gesundheitswelle zu erkennen und für sich zu nutzen.

Er verband Fitness mit Wellness. Die Geräte sehen aus wie Designermöbel. Dazu kommt die digitale Verbindung, unter anderem mit der App „mywellness“. Eine Software bündelt die Daten von privaten Lauftrainings, digitalen Körperwaagen oder Crosstrainern im Fitnessstudio in einer Cloud.

Zum fünften Mal nach Sydney, Athen, Peking und London ist er offizieller Ausrüster für die Vorbereitung der Athleten in Rio. Er arbeitet für den italienischen Meister Juventus Turin und auch bei Bayern München sollen seine Geräte stehen. In den ersten Jahren hatte Alessandri nach Asien expandiert, jetzt richtet er sein Ziel auf die USA. Es klingt makaber, aber die Mission gegen Übergewicht anzugehen, verschafft ihm dort einen großen Markt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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