Erste Schweißtropfen perlen auf der Stirn, fast unmerklich verkrampfen sich die Finger um die Haltegriffe. Der Atem beschleunigt sich, alle Muskeln sind angespannt. Dann der Abschuss: In dreieinhalb Sekunden beschleunigt Kingda Ka, die schnellste und höchste Achterbahn der Welt, von null auf 206 Kilometer pro Stunde. Wie auf einem Katapult rasen die Wagen davon, angetrieben von mehreren Hundert Bar Druck. Unwiderstehlich presst die Geschwindigkeitsexplosion den Körper mit dem zweieinhalbfachen Gewicht in den Sitz. Die Beschleunigung verzerrt die Gesichtszüge, jetzt zu kreischen fällt schwer. Fast senkrecht schießen die Wagen der Mega-Achterbahn beinahe 140 Meter hoch gen Himmel, stürzen nach einer 180-Grad-Kehre der Erde entgegen, erklimmen sofort die nächste Kuppe. 50 Sekunden dauert der knapp einen Kilometer lange Höllenritt mit dem Super-Rollercoaster im US-Freizeitpark Six Flags Great Adventure nahe New York. Das macht Adrenalin-Junkies glücklich. Sie werden sich umgewöhnen müssen. „Wir werden keine 20 Millionen Dollar teuren Achterbahnen mehr bauen“, sagt Mark Shapiro, Chef der Six-Flags-Parks. „Das Konzept der gigantischen Megacoaster hat sich überholt.“ Megacoaster, so nennen die Fachleute ihre besonders großen Bahnen. Dass deren Zeit abläuft, sieht die ganze Branche so. Die Bahnen der nächsten Generation sollen genauso viel Nervenkitzel bieten – aber dank intelligenter Konstruktion statt plumper Materialschlacht. Die Bau- und Betriebskosten uferten aus, zugleich wagten sich immer weniger Fahrgäste auf die Giganten. Das neue Konzept soll die Bahnen wieder wirtschaftlich machen. „Der Adrenalin-Kick wird bleiben“, verspricht Jörg Beutler, Geschäftsführer beim Münchner Stahlbauer Maurer Söhne, einem der führenden deutschen Achterbahnhersteller. Der gleiche Thrill auf weniger Fläche – und dazu wieder familientaugliche Fahrvergnügen. „Es gibt ganz neue Reize“, ergänzt Werner Stengel, einer der weltweit erfolgreichsten Achterbahndesigner. Dazu gehören superenge Kurven, Überkopffahrten und das Gefühl von Schwerelosigkeit. Zwischen 50 und 60 Großbahnen werden jährlich weltweit neu installiert, der größte Teil in den USA. Geplant und gebaut werden sie meist in Europa, und jedes Exemplar ist ein Unikat. Führende Hersteller sind die Schweizer Spezialisten Intamin und Bolliger&Mabillard (B&M), das holländische Unternehmen Vekoma und in Deutschland Maurer Söhne, Mack aus dem badischen Waldkirch sowie Gerstlauer aus Münsterhausen.
Achterbahnen: Himmel und Hölle
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