Aktivisten: Der Kampf der Mülltaucher

Aktivisten: Der Kampf der Mülltaucher

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Ein Müllmann schiebt einen Müllcontainer

von Susanne Kutter

Eine wachsende Zahl von Menschen kämpft gegen die Verschwendung von Lebensmitteln - doch wer Lebensmittel aus dem Mülltonnen der supermärkte "rettet" muss mit Strafen rechnen.

Als Jens den grünen Containerdeckel anhebt, schlägt ihm der Geruch von Verwesung entgegen. "Der Gestank kommt von ganz unten", sagt er, doch "das Zeug hier oben" sei perfekt: Ein Bund Karotten, da sei nichts dran. Die müsse man natürlich abwaschen, Fauliges esse auch er nicht. Muss er auch gar nicht: Im selben Container findet er ein Netz Orangen und drei Paprika, original plastikverpackt und ohne eine schlechte Stelle.

Jens ist Mülltaucher. Weniger aus Geldmangel als aus Überzeugung – um sich den Mechanismen der Wegwerfgesellschaft zu entziehen. Was Jens tut, ist nach deutschem Recht verboten: Die Lebensmittel sind auch dann noch Eigentum der Supermärkte, wenn sie sich bereits in der Mülltonne befinden. Dennoch hat sich das Wühlen in den Abfalltonnen international zu einer politischen Bewegung entwickelt, auch in Deutschland und Österreich. Auf Internet-Seiten wie containern.de, dumpstern.de oder freegan.at tauschen sich die Anhänger aus.

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Keine Drehgenehmigung

Als Regisseur Valentin Thurn vor gut vier Jahren eine kleine Reportage über die Mülltaucher drehen will, ist er skeptisch, denn er findet das Thema doch ziemlich eklig. Doch Mülltaucher wie Jens hätten ihm die Augen geöffnet für die wahre Dimension des Problems. Und so wurde aus der Reportage über Mülltaucher ein Buch über die Wegwerfgesellschaft und ein Kinofilm "Taste the Waste", der am 8. September ins Kino kommt.

Thurn hatte anfangs jedoch große Schwierigkeiten, Menschen zu dem Thema vor die Kamera zu bekommen – vor allem in Deutschland. Nachdem ein Kölner Großmarkt ihm keine Drehgenehmigung erteilt hatte, fuhr sein Filmteam daher nach Rungis im Süden von Paris zum dortigen Großmarkt – einem der größten seiner Art in Europa. Die Tonnagen von frischem Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse, die dort täglich auf dem Müll landen, bestärkten Thurn darin, das Thema öffentlich zu machen.

Abfall oder Schatz?

Am Rande des Großmarktes in Rungis begegnete Thurn Véronique Abounà, die Lebensmittel für die Pariser Tafel aussortierte. Sie wurde zur Sympathieträgerin des Films. Véronique kommt aus Kamerun, ist in Frankreich nur geduldet und hat in Rungis selbst jahrelang illegal Lebensmittel vom Müll gesammelt, um ihre Familie zu ernähren.

"Das Gemüse und Obst hier kommt aus aller Welt, auch aus meiner Heimat", erregt sich Véronique. Sie weiß, wie teuer das Essen dort ist, und sagt: "Von dort werden so viele Früchte nach Europa geschickt, und hier verteilt man sie nicht schnell genug und wirft sie fort."

So verkommt die Zivilisation zu einer Zuvielisation.

Thurn, der mit Véronique noch in regem Kontakt steht, weiß, dass sie inzwischen ihren Job verloren hat. Denn sie war sich oft nicht einig mit ihrem Chef darüber, was noch essbar ist und was nicht. So steckte sie immer wieder genießbare, aber leicht angemackte Früchte in die eigene Tasche. Doch das war verboten.

Von Menschen, die Teile des Films gesehen haben, wird Regisseur Thurn wird immer wieder auf Véronique angesprochen, die seit Jahren auch Matratzen, Decken und Kleidung sammelt, um sie eines Tages mit einem Lkw nach Kamerun zu bringen. Und deshalb hat Thurn gerade ein Spendenkonto für sie eingerichtet: "Damit diese mutige, lebenslustige und dickköpfige Frau endlich ihre Schätze in die Heimat zur Familie bringen kann."

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