Alternative zum Auto: Elektroräder auf dem Vormarsch - Seite 2

Alternative zum Auto: Elektroräder auf dem Vormarsch

2
Elektrorad von Riese+Müller
Elektrorad von Riese+Müller: Dellte Hybrid

Beides zusammen sorgt dafür, dass diese Fahrradgattung hierzulande bislang nur auf einen bescheidenen Marktanteil kommt: Von den rund 4,6 Millionen Rädern im Wert von 1,7 Millionen Euro, die im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft wurden, besaßen nur etwa 1,5 Prozent einen Elektromotor. „Doch inzwischen ist das für uns ein richtig spannendes Thema“, sagt Rolf Lemberg, Geschäfts-führer des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) aus Bad Soden im Taunus. Schon im laufenden Jahr rechnet der ZIV mit einem Verkauf von rund 100.000 Elektrorädern. „Das Geschäft ist sicher noch ausbaufähig.“ Bestes Indiz dafür: Der Discounter Aldi ist kürzlich in das Geschäft eingestiegen. Zum Kampfpreis von 699 Euro bot die Handelskette ein Pedelec einfacher Bauart an.

Die Entwicklung der Treibstoffpreise beflügelt das Geschäft. Lemberg: „Ein Benzinpreis von über 1,50 Euro pro Liter hatte für viele Menschen Signalwirkung. Auf Kurzstrecken setzen sie nun wieder stärker aufs Fahrrad“, meint der ZVI-Geschäftsführer. Dafür spreche unter anderem der deutlich gestiegene Umsatz des Handels mit Verschleißteilen – „erst wird geflickt und repariert – der Kauf eines neuen Fahrrads folgt immer mit etwas Verzögerung erst an zweiter Stelle“.

Das große Umsatteln steht also noch bevor. Viele Berufspendler, die täglich nur etwa 15 bis 20 Kilometer bis zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen, könnten dann in Versuchung geraten, sich ein Fahrrad mit Hilfsantrieb oder Trittunterstützung zuzulegen: Ein Preis von umgerechnet etwa 35 Cent für 100 Kilometer Fahrstrecke ist in diesen Tagen ein starkes Argument. Zudem ist das Angebot der Industrie derzeit so groß wie nie zuvor: Praktisch jeder Hersteller hat inzwischen wenigstens eine E-Bike-Serie im Angebot. Wie ein Blick auf die kommenden Neuheiten der Fachmessen Eurobike in Friedrichshafen (4. bis 7. September) und IFMA in Köln (18. bis 21. September) zeigt, liegen Elektroräder voll im Trend: Ob Falt-, Liege- oder Dreirad, ob City- oder Mountainbike – fast jede Fahrradgattung gibt es mittlerweile mit einem Hilfsantrieb.

Und die neuen Pedelecs kommen dank neuer Batterietechniken, kompakter Radnaben- oder Tretlager-Motoren sowie intelligenter Kraftsensoren in der Tretkurbel oder am Hinterbau wesentlicher e-motionaler daher als die elektrisch unterstützten Oma-Fahrräder von gestern: Andere Verkehrsteilnehmer müssen inzwischen schon genau hinschauen, um zu erkennen, ob das hohe Fahrtempo des Radlers nun das Resultat eines guten Konditionstrainings – oder eines versteckten Hilfsmotors ist. „Die Technik entwickelt sich sprunghaft“, weiß Frank Heitmeyer aus Hamburg. Der Gründer des auf Elektrofahrräder spezialisierten Internet-Portals E-Wheels – und Gesellschafter eines VW/Audi-Autohauses – zieht derzeit nach dem Vorbild von Sixt ein internationales Netzwerk zur Vermietung von Elektrofahrrädern auf und steckt entsprechend tief in der Szene.

Getrieben wird die rasante technische Entwicklung unter anderem von der taiwanischen J.D. Corporation, dem führenden Zulieferer von Motoren, Sensoren, Batterien und anderer Komponenten für die Pedelec-Fabrikanten in aller Welt. Für 2009 hat das Unternehmen die nächste Entwicklungsstufe seines TranzX genannten Systems angekündigt: noch leistungsfähigere, noch schneller wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien (marktüblich sind derzeit Nickel-Metallhydrid-Batterien), noch stärkere, auch leichtere Elektromotoren sowie intelligentere Steuerungssysteme, die es sogar ermöglichen, die im Schiebebetrieb bergab oder bei Bremsungen anfallende Energie in die Batterie zurückzuführen – der Elektromotor wird zum Generator. Der Autohersteller BMW vermarktet ein ähnliches System neuerdings unter dem Schlagwort „Efficient Dynamics“.

Zwischen 7 und 16 Prozent der über die Batterie zugeführten Energie lassen sich durch diese sogenannten Rekuperation wieder in Elektrizität umwandeln, haben die Ingenieure von Riese und Müller ausgerechnet. Der Fahrradhersteller aus Darmstadt, Produzent vollgefederter und innovativer Edel-Bikes mit hohem Imagefaktor, startet in diesem Herbst mit einem eigenen Hybrid-Konzept: Sowohl das legendäre Faltrad „Birdy“ als auch das All-Terrain-Bike „Delite“ gibt es künftig mit Elektroantrieb. Beim „Delite Hybrid“ arbeitet ein 500 Watt starker Elektromotor an der Hinterradnabe, der das etwa 25 Kilo schwere Rad auf Wunsch bis auf eine Spitzengeschwindigkeit von 45 Kilometer beschleunigt und zumindest einen Teil der Bremsenergie zurückholt.

Und während man Pedelecs üblicherweise nur eine Trittunterstützung erhält, lässt sich das Hybrid-Modell von Riese und Müller auch elektrisch anfahren – an der Lenkerstange sitzt ein kleiner Gashebel. Das „Delite Hybrid“ zählt damit zur Klasse der E-Bikes. Soll heißen: Nach den Zulassungsbestimmungen ist es ein Mofa, das ein Versicherungskennzeichen tragen muss und dessen Fahrer einen Helm benötigt. Das treibt die Kosten und beschränkt die Freiheit, die ein Pedelec bietet.

15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.08.2008, 23:39 UhrAnonymer Benutzer: Fun-no Sport

    Endlich ist mir - trotz schweren Wirbelverwachsungen und defekten bandscheiben - wieder das "normale" Fahrradfahren vergönnt! Danke EU, danke PEDELEC!

  • 28.07.2008, 15:08 UhrAnonymer Benutzer: Rut

    ich schreibe selbst gerade an einem Artikel über Pedelecs und wollte jetzt noch folgendes diesem Forum hinzufügen: Es gibt wohl auch die Möglichkeiten, ein normales Alltagsrad zu einem Pedelec aufzurüsten. Angeblich geht das sogar relativ einfach, in dem eben as Hinterrad (glaube ich) nur ausgetauscht werden muss - da ist dann eben ein Rad dran mit einem integrierten Radnabenantrieb. Angeblich ist das auch durchaus bezahlbar. Fabriziert wird das meines Wissens unter anderem (ich hab halt nur von dieser Firma gehört) von einer Schwarzwälder Firma namens Heinzmann.
    Was bitte niemand bei den Pedelecs vergessen sollte, ist, dass die Akkus nach einigen Jahren nicht mehr taugen und ersetzt werden müssen - leier manchmal zu echt saftigen Preisen!!!! Also: vorher wirklich verschiedene Modelle testen und gut überlegen.
    Was Stuttgart anbelangt wird das Konzept gerade überarbeitet und vermutlich im Herbst dann umgesetzt. Der im Text genannte Anbieter ist meines Wissens momentan nicht mehr aktuell!

  • 27.07.2008, 08:12 UhrAnonymer Benutzer: Fettlöser

    Gibt ein großen Markt für Elektrofahrräder: Die Fetten.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Wirtschaftswoche

Inhalt

Abo

eMagazin

iPad

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.