Amazon-Sprachassistent: Alexa hört immer mit

Amazon-Sprachassistent: Alexa hört immer mit

, aktualisiert 07. März 2017, 20:33 Uhr
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Über das System lassen sich auch vernetzte Geräte in einem Smart Home per Stimme steuern.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

In einem US-Mordfall versuchen die Ermittler, einen Verdächtigen zu überführen – mit Daten seiner smarten Assistentin Alexa. Die Amazon-Technologie speichert längst mehr als vielen Nutzern klar sein dürfte.

San FranciscoDigitale Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Home registrieren mehr von ihrer Umwelt als mancher Nutzer vielleicht vermuten würde. Damit die intelligenten Lautsprecher jederzeit auf ein Kommando ihres Besitzers reagieren können, müssen sie im Grunde ständig wachsam, also „angeschaltet“ sein – selbst wenn er ihnen dazu nicht den expliziten Weck-Befehl „Okay Google“ oder „Alexa“ gegeben hat.

Der Dauereinsatz der Horch- und Sprachgeräte in Wohnzimmer und Küche führt dazu, dass immer mehr Informationen über den Nutzer digital vorliegen und damit prinzipiell auslesbar sind, sei es nun für Amazon oder Google oder jemand anderen. Das können nun auch die Gesetzeshüter sein.

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Sind Gespräche zwischen Alexa und ihrem Besitzer prinzipiell von der Meinungsfreiheit geschützt? Welche Informationen dürfen im Zweifelsfall und unter welchen Umständen an Ermittler ausgehändigt werden? Dieser Frage hat nun in ein aktueller Mordfall im US-Bundesstaat Arkansas aufgeworfen.

Ermittelnde Behörden hatten Amazon zur Herausgabe der Daten verdonnert, die dem Konzern über die Kommunikation des Angeklagten James Andrew Bates mit dessen Amazon-Echo-System vorliegen. Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass der Mann den Tod seines Freundes Victor Collins verschuldet hat. Das Opfer war im November 2015 in Bates' Whirlpool tot aufgefunden worden.

Bates hat auf „nicht schuldig“ plädiert und erklärt, dass er geschlafen und seinen Bekannten erst am Morgen tot vorgefunden habe. Die Ermittler schöpften jedoch Verdacht, weil sie mutmaßliche Kampfspuren fanden und der vernetzte Wasserzähler den Verbrauch von mehr als 500 Litern Wasser zwischen 1 Uhr und 3 Uhr morgens meldete. Die Polizei vermutete, dass damit möglicherweise Blut weggespült worden sei. Der Gerichtsmediziner kam schließlich zu dem Schluss, der Tote sei erwürgt worden.


Sind Alexas Daten durch die Verfassung geschützt?

Amazon hatte der Polizei auf einen Durchsuchungsbefehl hin zwar Profilinformationen und Kaufhistorie von Bates Gerät ausgehändigt. Die Herausgabe weiterer Daten verweigerte der Konzern jedoch zunächst. In einem 90-seitigen Antrag argumentierte das Unternehmen, die gespeicherten Sprachdaten zur Interaktion des Angeklagten mit Alexa in den fraglichen 48 Stunden seien in der Verfassung durch die Rede- und Meinungsfreiheit geschützt.

Solche Anfragen der Behörden hindern Nutzer daran, erklärte der Konzern, „ihr Grundrecht auszuüben, in der Privatsphäre ihres Zuhauses nach Informationen und Inhalten zu suchen“. In seiner Argumentation berief sich das Unternehmen auf ein vorheriges Google-Verfahren von 2014. In dem Rechtsstreit hatte eine Nachrichtenseite gegen die Listung in den Google-Suchergebnissen geklagt.

Ein Gericht in San Francisco wies die Klage mit dem Hinweis ab, entsprechende Suchergebnisse seien „freie Meinungsäußerung“. Darauf pochte nun auch Amazon. Welcher Logik die Richter folgen, bleibt im aktuellen Fall jedoch ungeklärt. Der Angeklagte Bates entschied, die fraglichen freiwillig auszuhändigen.

Der Echo-Lautsprecher hat sieben Mikrofone, die darauf warten, dass das Schlüsselwort „Alexa“ fällt, erst dann aktiviert sich das Gerät und schickt die Sprachbefehle zur Verarbeitung in die Cloud weiter. Dabei werden neben der Frage an Alexa auch kurze Tonfragmente davor und danach aufgezeichnet. Manchmal werden die Geräte auch versehentlich aktiviert, wenn die Software meint, das Wort „Alexa“ gehört zu haben. Über das Amazon-System lassen sich auch vernetzte Geräte in einem Smart Home per Stimme steuern.

Angesichts des großen Verkaufserfolgs von Alexa in den vergangenen Monaten wird der Mord von Arkansas mit Sicherheit nicht der einzige Fall sein, in dem ermittelnde Behörden versuchen werden, die neuen digitalen Informationsquellen anzuzapfen.

Mit Material von dpa.

Quelle:  Handelsblatt Online
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