Architekt Stefan Behling im Interview: "Aus Pendlern Stadtbewohner machen"

Architekt Stefan Behling im Interview: "Aus Pendlern Stadtbewohner machen"

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Der Architekt Stefan Behling

Der Stuttgarter Architekt Stefan Behling, Partner von Star-Baumeister Norman Foster und Planer der Öko-City Masdar über lebenswerte Städte ohne Autos.

WirtschaftsWoche: Professor Behling, mal ehrlich, möchten Sie – Öko hin, Öko her – in einer Wüstenstadt leben, in der im Sommer Temperaturen von 50 Grad Celsius und mehr herrschen? Da wohnt es sich in Stuttgart oder London doch viel angenehmer.

Behling: Warum nicht? Kaum eine Region entwickelt sich dynamischer als Abu Dhabi, hier wird das künftige Weltzentrum für Nachhaltigkeit entstehen. Masdar wird trotz der extremen klimatischen Bedingungen eine Stadt, in der es sich sehr gut aushalten lässt. Und sie wird zu einem Wallfahrtsort für all diejenigen werden, die sich für moderne Wohn- und Arbeitsformen und eine Zukunft ohne Öl interessieren. Zudem wird Masdar neben vielen spannenden und hochwertigen Jobs genug Angebote zur Entspannung bieten.

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Dafür müssen die Bewohner aber auf Autos verzichten.

Wir wollen Autos ja nicht verbieten, sondern sie nur überflüssig machen, indem wir eine bessere Alternative bieten. Ich bin überzeugt, dass Städte neue Formen der Mobilität brauchen. In Masdar sollen computergesteuerte, fahrerlose Kabinentaxis die Bewohner an jeden gewünschten Ort transportieren. Niemand wird weiter als 200 Meter zur nächsten Haltestelle laufen müssen.

Auch bei der Stromerzeugung oder der Abfallbehandlung sollen Technologien zum Einsatz kommen, die zum Teil gerade erst erprobt werden. Kann das Experimentierfeld Masdar Vorbild für andere Städte sein?

Auf jeden Fall. Zu viele Experimente können wir uns allerdings nicht erlauben, am Ende muss der Strom zuverlässig fließen und die Infrastruktur funktionieren. Aber der Anspruch ist schon, an Masdar zu studieren, wie Städte gestaltet werden müssen, damit sie die Umwelt weder mit Abfällen noch mit Emissionen belasten. Dies ist eine weltweite Herausforderung. Masdar kann das Silicon Valley für grüne Technologien werden.

Was ist das Besondere an der Architektur?

Im Grunde knüpfen wir an die jahrtausendealte Tradition der Stadtplanung an, wie es sie vor dem Aufkommen des Autos gab. Die Häuser stehen sehr dicht und spenden sich gegenseitig Schatten. Die Gassen sind aber breit genug, damit nachts kühlende Winde die Hitze des Tages wegblasen können. Läden, Arzt, Arbeitsstelle – alles ist zu Fuß zu erreichen, überall pulsiert das Leben, und die Bewohner können sich sozial intensiv austauschen.

Schätzen nicht viele Menschen gerade die Anonymität des Stadtlebens?

Das glaube ich nicht. In den heutigen westlichen Metropolen zählen Viertel, die Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplätze, Büros, Cafés und Kultur direkt um die Ecke bieten, zu den attraktivsten Wohngegenden. Das Paradebeispiel ist Manhattan. Der New Yorker Stadtteil ist extrem dicht bebaut, es leben dort viele Menschen auf engem Raum – und deshalb schwärmen alle von der Vitalität dieses Ortes. Die dichte und gemischte Nutzung des Stadtraums ist der wichtigste Grundbaustein. In Paris, Kopenhagen und London ist das gleiche Phänomen zu finden.

Was kann Architektur dazu beitragen, dass Menschen sich in einer Stadt wohlfühlen?

Ein Schlüssel ist die Gestaltung der Fußgängerebene. Menschen gehen weder gerne an fensterlosen Gebäudesockeln entlang noch laufen sie gerne an riesigen Parkplätzen vorbei. Sie wollen beim Flanieren in Schaufenster blicken, andere Menschen treffen und beobachten oder sich auf einen Kaffee hinsetzen können. Das bringt Spaß und Abwechslung. In Masdar wird das ausgiebig möglich sein.

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