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Atommüll: Entschärfte Strahlung

von Wolfgang Kempkens

Transmutation senkt die Risiken des Atommülls.

Kennzeichen für Quelle: dpa
Kennzeichen für Radioaktivität Quelle: dpa

Die Übeltäter heißen Neptunium, Americium, Curium, Technetium, Jod und Cäsium. Diese radioaktiven Isotope entstehen bei der Spaltung von Uran in Kernkraftwerken, sind Teil des Atommülls – und wesentlich dafür verantwortlich, dass der Abfall Millionen Jahre lang gefährliche radioaktive Strahlen aussendet.

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Die Zeit muss sich drastisch verkürzen lassen, sagte sich Ende der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts der italienische Physiker und Nobelpreisträger Carlos Rubbia. Er schlug vor, den atomaren Müll mit energiereichen Neutronen zu beschießen, um die langlebigen Isotope zu spalten. Die Bruchstücke strahlen danach entweder gar nicht mehr oder nur noch für kurze Zeit.

Rubbia lag richtig. Dass diese sogenannte Transmutation dennoch nicht eingesetzt wurde, lag an den zu erwartenden Kosten. Die Kernenergie wäre so eine äußerst unwirtschaftliche Art der Stromerzeugung geworden. Das soll sich nun ändern.

Wissenschaftler aus neun Forschungszentren in aller Welt haben Megapie entwickelt, das „Megawatt-Pilot-Experiment“. Dahinter verbirgt sich ein Tank mit einer heißen und daher flüssigen Mischung aus Blei und Wismut. Wenn diese Mixtur mit energiereichen Protonen beschossen wird, bilden sich die Neutronen in hoher Stückzahl – 100 Billiarden pro Sekunde – und mit hoher Energie.

Megapie wurde beim Paul-Scherrer-Institut (PSI) in der Schweiz aufgebaut, dessen Forscher maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren. Die Protonen liefert ein Beschleuniger, der am PSI sonst für andere Experimente genutzt wird. Die Ergebnisse der Forschung sollen nun für die Entwicklung von Großanlagen genutzt werden, in denen Atommüll in großen Mengen unschädlich gemacht wird.

Abgesehen davon, dass noch viel Forschung notwendig ist, könnte die Transmutation auch daran scheitern, dass die gefährlichsten Bestandteile des Atommülls zunächst herausgelöst werden müssten, ehe sie zerstört werden können. Die Abtrenntechnik ist jedoch noch nirgends realisiert, die Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und Großbritannien isolieren nur Uran und Plutonium. Experten erwarten eine großtechnische Lösung frühestens in 15 bis 20 Jahren.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.11.2008, 23:51 UhrAnonymer Benutzer: Vandale

    Zwei Ergaenzungen:
    Eine Transmutation hochradioaktiver Abfaelle liesse sich rein technisch wesentlich schneller als in 20 Jahren realisieren. in den vorhandenen Leichtwasserreaktoren wird nach dem Wechsel der brennelemente borwasser hinzugegeben um der Ueberschussreaktivitaet entgegenzuwirken. Mit einer Modifikation des Reaktorkerns liessen sich stattdessen Targets hochradioaktiver Spaltprodukte mit grossem Neutroneneinfangqueschnitt beifuegen.

    Eine komplette Aufspaltung der Spaltprodukte des Atommuells liesse sich warscheinlich nur in einer sehr grossen Wiederaufbereitsungsanlage halbwegs wirtschaftlich bewerkstelligen.

    Letztlich sind derartige Gedanken muessig da die Leitungsgremien der Atomaufsicht des bundes mit Oekologen (Landschaftsgaertner, Dachdecker..) besetzt sind die Derartiges warscheinlich nie, oder allenfalls unter Auflagen genehmigen wuerden die dieses Verfahren zum voelligen wirtschaftlichen Desaser werden liessen.

    Vandale

  • 13.11.2008, 20:00 UhrAnonymer Benutzer: Vandale

    Grundsaetzlich kann man die radioaktiven Spaltprodukte aufwaendig in die einzelnen Elemente auftrennen und die kritischen Elemente durch Neutronenbeschuss in nichtradioaktive Stoffe verwandeln. Ein Kernreaktor mit seiner hohen Neutronendichte ist hierzu ideal geeignet. Es gibt Studien bei dem neuem Konzept des SCWR Reaktors, der sich durch einen hohen brutfaktor auszeichnet, Targets aus radioaktiven Spaltstoffen einzubringen. Der Gedanke der Nutzung der Neutronen zur Deaktivierung von Atommuell anstelle der Erbruetung neuen brennstoffs ist gewiss eine Verschwendung die der oekoreligioesen Diskussion geschuldet ist. Ein Verschwinden des Atommuells der sich vielfaeltig nutzen laesst wuerde auch keinen Juenger der Oekoreligion von seinem Glauben abbringen.

    im Uebrigen
    Auf dem Gelände der kürzlich verkauften Antec Solar Energy AG in Arnstadt lagern 600 Tonnen Sondermüll. Wie Holger Wiemers von der Landesentwicklungsgesellschaft auf Anfrage von MDR 1 RADiO THÜRiNGEN sagte, handelt es sich um 35.000 defekte Solar-Module. Diese müssten in einer Sonderdeponie eingelagert werden, weil sie mit giftigem Kadmium beschichtet seien. Die Produktion einer derartigen Solarzellenfabrik betraegt 1/100 eines KKWs.

  • 13.11.2008, 12:39 UhrAnonymer Benutzer: F.-C. Tischer

    Es wird höchste Zeit, dass die idee der Transmutation mit allem denkbaren Aufwand an Geld und Grips gefördert wird! Für das langfristige Überleben der Menschheit ist dies m.E. allemal wesentlich wichtiger und dringender als uferlose Diskussionen über das Ob, das Wie und das Wann der Abschaltung der bestehenden Atomkraftwerke. Daher: bitte Geld investieren, wenn es denn sein muß in ähnlicher Größenordnung, wie es über mehr als 50 Jahre für die technische Nutzbarmachung getan wurde.

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