Apples und Googles Autopläne: Albtraum deutscher Autohersteller

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Apples und Googles Autopläne: Albtraum deutscher Autohersteller

von Rebecca Eisert, Matthias Hohensee, Lothar Kuhn, Jürgen Rees und Franz W. Rother

Apple drängt in die Autobranche. Der IT-Konzern aus den USA greift damit nach dem Geschäft von Volkswagen, Daimler und BMW. Diese drohen gar ihre wichtigsten Wettbewerbsvorteile zu verlieren. Das hätte dramatische Folgen für Deutschlands Vorzeigeindustrie. Höchste Zeit, gegenzusteuern.

Dieses verdammte „One more thing“. „Eine Sache noch“ – und dann zog Apple-Gründer Steve Jobs am Ende seiner legendären Produktpräsentationen den iPod hervor. Und revolutionierte die Musikbranche. Oder das iPhone. Und veränderte die mobile Kommunikation für immer. Auch Nachfolger Tim Cook verwendet die Zauberformel. Und versetzte vergangenes Jahr mit ihr die Uhrenbranche in Aufruhr, als er die Apple Watch vorstellte.

Wird er den Spruch bald wieder gebrauchen? Rollt dann ein Auto auf die Bühne? Das Apple Car, der Albtraum für jeden Autohersteller.

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Die Kalifornier haben es in den vergangenen Jahren geschafft, mit ihren Produkten und den passenden Diensten traditionelle Geschäftsmodelle zu zerstören. Sie sind so zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Und jetzt haben sie ein Auge auf die Autobranche geworfen.

Wie gut Autokonzerne auf Angriffe von Apple & Co. vorbereitet sind

  • BMW

    Vernetzung

    Gutes Angebot mit Connected Drive, DriveNow-Carsharing, Kooperation mit chinesischer Suchmaschine Baidu

    Elektromobilität

    Innovatives Angebot mit eigener Elektro-Modelllinie i3, i8

    Autonomes Fahren

    Testmodelle für autonomes Fahren, erste Features ab 2016 in der nächsten 7er-Reihe

    Fazit

    Viel Erfahrung mit E-Mobilen, Kooperation mit Toyota, wenig Chancen für Apple und Google

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Daimler

    Vernetzung

    Umfangreiches Angebot mit Comand-System, Car2Go -Carsharing per Smartphone

    Elektromobilität

    Lange Erfahrung mit Elektromobilität (vollelektrisch, Plug-in-Hybride, Brennstoffzelle); Kooperation mit Tesla

    Autonomes Fahren

    S-Klasse und C-Klasse bereits in Serie teilautonom unterwegs; autonome Trucks

    Fazit

    In allen Bereichen sehr gut aufgestellt; Kooperation mit Apple oder Google allenfalls punktuell

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Fiat- Chrysler

    Vernetzung

    Blue&Me-Entertainment (mit Microsoft entwickelt), Carsharing-Dienst Enjoy in Mailand und Rom

    Elektromobilität

    Sehr überschaubares Angebot: ein E-Modell (Fiat 500e); Jeep stellt Hybridmodelle in Aussicht

    Autonomes Fahren

    Keine konkrete Ankündigung

    Fazit

    Finanziell angespannte Lage, könnte bei E-Mobilität, Vernetzung und autonomem Fahren starke Partner brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Ford

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Ford Sync-System (mit Microsoft entwickelt); stark in den USA, in Europa im Aufbau

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: Focus Electric Drive; C-Max Plug-in-Hybrid, Mondeo Hybrid

    Autonomes Fahren

    Bremsassistent im Test, Parkassistent im Focus; neues Forschungszentrum im Silicon Valley

    Fazit

    Aktuell noch Schwächen beim autonomen Fahren, aber starke Investitionen in das Thema, Partner sind denkbar

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • General Motors (Opel)

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit GM On Star Infotainment

    Elektromobilität

    Geringes Angebot: ein Hybrid (Chevrolet Volt), ein Elektro-Auto angekündigt (Bolt)

    Autonomes Fahren

    Pläne für teilautonome Fahrzeuge bis 2017

    Fazit

    Wenig eigene Lösungen; Google oder Apple könnten zum Mitmachen verführen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Hyundai/Kia

    Vernetzung

    Befriedigendes bis ausreichendes Angebot, Kooperation mit chinesischem Suchmaschinenanbieter Baidu

    Elektromobilität

    Ein Elektroauto (Kia Soul); Vorsprung bei Brennstoffzelle mit Hyundai iX 35

    Autonomes Fahren

    Arbeitet am teilautonomen Fahren für Autobahnen und Parkassistenz; keine Serienreife

    Fazit

    Stark bei neuen Antriebstechnologien, schwach bei autonomem Fahren, Aufholbedarf bei Vernetzung

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • PSA Peugeot Citroën

    Vernetzung

    Befriedigendes bis gutes Angebot mit Peugeot Connect, Carsharing Mu

    Elektromobilität

    Überschaubares Angebot: zwei Elektroautos Peugeot iOn, Citroën C-Zero, eine Plug-in-Studie Quartz

    Autonomes Fahren

    Noch im Forschungsstadium

    Fazit

    Finanziell angespannte Situation, wenig eigene Lösungen. PSA könnte starken Partner wie Google und Apple brauchen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Renault/Nissan

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit Nissan connect und Renault My Z.E. connect

    Elektromobilität

    Breites Angebot beider Marken an Elektroautos, Nissan Leaf ist meistverkauftes E-Auto weltweit

    Autonomes Fahren

    2020 will Nissan erschwingliche autonomfahrende Autos auf den Markt bringen

    Fazit

    Renault/Nissan sind bei der Elektromobilität mit vorne, Nissan setzt auf autonomes Fahren, Vernetzung ausbaufähig

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Toyota

    Vernetzung

    Befriedigendes Angebot mit T-connect, Testlauf zu Vernetzung mit Elektrovehikeln in Grenoble

    Elektromobilität

    Hybridpionier; sehr viel Erfahrung mit Batterie-und Brennstoffzellenfahrzeugen (Mirai 2015 in Serie)

    Autonomes Fahren

    Testautos; bis 2017 bei Nobeltochter Lexus Autobahn- und Sicherheitsassistenten

    Fazit

    Stark bei Antrieben, schwach bei Konnektivität, Mittelmaß beim autonomen Fahren – Google könnte Druck machen

    Quelle: eigene Recherche, Statista

  • Volkswagen-Konzern

    Vernetzung

    Wachsendes Angebot etwa durch CarNet und Audiconnect; Übernahme der Blackberry-Forschung in Bochum

    Elektromobilität

    Wachsendes Angebot an Plug-in-Hybriden und E-Modellen bei VW, Audi, Porsche; keine Brennstoffzellen in Serie

    Autonomes Fahren

    900 km Testfahrt im selbstfahrenden Audi A7, 2016 sollen A7, Q7 teilautonom fahren können; autonomes Parken

    Fazit

    Volkswagen-Konzern beherrscht Elektromobilität und Connectivity, Umsetzung neuer Technologie in Serie dauert

    Quelle: eigene Recherche, Statista

Wohldosiert drang in den vergangenen Tagen Detail um Detail an die Öffentlichkeit. Erst meldete die „Financial Times“, Apple stelle Autoexperten ein, die wohl ein Elektromobil entwickeln sollen. Dann berichtete das „Wall Street Journal“, eine bis zu 1000 Mitarbeiter große Truppe arbeite unter dem Codenamen „Titan“ an einer Art Minivan. Mit dabei Johann Jungwirth, bis September vergangenen Jahres Präsident und CEO der Mercedes-Benz-Forschung in Nordamerika. Die Nachrichtenagentur Reuters verbreitete, Apple wolle gar ein selbstfahrendes Auto bauen.

Schließlich tauchten Schnappschüsse von Versuchsfahrzeugen, ausgerüstet mit zahlreichen Kameras und Sensoren, in den USA auf, die auf den Konzern zugelassen sind. Die Apple-untypisch hässlichen Vans lösten Spekulationen aus, sie sammelten Daten für elektronische Karten oder würden gar erste Tests fürs autonome Fahren absolvieren. So wie Google es bereits seit Jahren tut, der andere IT-Titan, der in die Autobranche vorstößt.

Noch ist unklar, was genau die Silicon-Valley-Konzerne in ihrem neuen Interessengebiet aushecken. Klar ist aber: Noch in jeder Branche, für die sich Apple und Google in der Vergangenheit interessierten, war für die etablierten Anbieter Habacht-Stellung angebracht. Ob Handyhersteller, Uhrenfabrikanten oder Musikindustrie: Die US-Konzerne rollten den jeweiligen Markt auf, indem sie sich zwischen Kunde und etablierte Anbieter schoben und so die dominierende Stellung erlangten. Im Fall der Handys verdrängten sie gleich viele der alten Anbieter, im Fall der Musik verwiesen sie diese lediglich in die zweite Reihe; dorthin, wo Kontakt zum Endkunden eher die Ausnahme ist.

Dementsprechend ist Vorsicht geboten für all die BMWs, Mercedes, VWs und Audis, also den Stolz der deutschen Industrie, der hierzulande direkt oder indirekt mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze stellt. „Google und Apple haben disruptives Potenzial“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. „Unsere Branche steht in den nächsten Jahren vor einem der größten Umbrüche seit Bestehen des Automobils“, hat VW-Chef Martin Winterkorn bereits vor einem Jahr seine Manager aufgerüttelt. Und Ford-Boss Mark Fields warnte jüngst bei einem Auto-Kongress in Bochum: „Es gibt Unternehmen außerhalb der Branche, die auf unsere Industrie blicken.“ Man müsse noch innovativer als bisher werden.

Smartphone im Auto Apple und Google erobern das Autocockpit

Die Liste der Autohersteller, die Apples Autointegration nutzen wollen, wächst stetig. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht.

Apple übernimmt das Autocockpit - Google und Microsoft stehen allerdings auch in den Startlöchern Quelle: dpa

Denn der Angriff aus der IT-Branche ist gezielt und durchaus wirkungsvoll. Apple, Google, Microsoft und Co. wollen sich nicht mit der Rolle des einfachen Zulieferers zufriedengeben, der nur Programme für die Infotainmentsysteme im Auto liefert. Stattdessen wollen sie:

  • die Daten, die jeder Fahrer produziert, sammeln und daraus in gewohnter Manier ein Geschäft machen;
  • mit Informations- und Unterhaltungsangeboten das Auto erobern, den letzten Lebensraum des Menschen, in dem sie noch nicht Fuß gefasst haben;
  • den Verkehr in den Metropolen durch selbstfahrende Autos ersetzen und so die Mobilität revolutionieren;
  • womöglich der Ansprechpartner des Kunden in Sachen Mobilität werden und die Autohersteller in die Rolle von Zulieferern drängen. BMW, Mercedes oder Audi würden dann hinter der Strahlkraft der Marken Apple und Google verschwinden.

Und die haben die Mittel, sich das alles zu leisten. Allein Apple verfügt über 180 Milliarden Dollar Barreserven – fast sechsmal so viel wie VW. Mit dieser finanziellen Power werden die Kalifornier immer einen angestammten Hersteller oder ehrgeizigen Zulieferer finden, der für sie Modelle fertigt. „Die Gefahr ist da, dass die Hersteller in der Wertschöpfungskette nach hinten rutschen“, sagt Bratzel.

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3 Kommentare zu Apples und Googles Autopläne: Albtraum deutscher Autohersteller

  • CDU/CSU, SPD, FDP u. GRÜNE machen doch seit Jahrzehnten alles, um das PKW-Kartell zu stützen u. subventionieren zu Lasten der Steuerzahler.

  • Das Aüple Car kommt, das ist gewiss,,doch will sich Äbbel mit 20-30.000 Teilen herumschlagen, die auch bei E- und Jybrid- Autos anfallen oder mit Gewinnspannen von bestenfalls 10-15%.
    Das ist nicht wirklich sexy für den goldenen Apfel.
    Was haben die also vor? Vielleicht ein hedrucktes Auto, diese Technik ist vorhanden und macht ihre ersten Schritte,
    bald sollte es Drucksysteme geben, die 5-10 Töffs am Tag schaffen.
    Vielleicht ahben sie schon ein besonders innovativen Schuppen, der bei dieser Technik vorne mitspielt aufgekauft
    und sich mit einem besonders innovativen Batterieentwickler zusammen getan?
    Tim Koch war in Deutschland, das ist verdächtig, wo war Mirko Hannemann (DBM, Koolibri Batterie) dieser Tage?
    Ich wittere konspitative Treffen!
    Denn wenn Aüple,jetzt,im goßem Stil Batterieexperten teuer Shangheit,
    dann haben die auch dort was in Petto!
    So könnte es gelingen: Der erste Wurf, ein gedruckter Stadtflitzer mit einer Technik
    a la kolibri designet by Mirko,
    Konfigurierte Plants mit 30, 50 oder 100 Druckern könnten in revolutionierer Schnelligkeit
    in der ganzen Welt aufgestellt werden, fertig konfiguriert mit minimalen Anlaufproblemen,
    und geringen Rüstkosten.
    Designed by Jonathan Yves and by YOU.
    Der Käufer designed einen Teil selber im Rahmen eines Baukastens,,per Internet.
    Das könnte good old Tim in ein paar Jahren hinbekommen und überall aufstellen, Transportprobleme
    entfallen weitgehens, das Problem Teilevielfallt hat sich erledigt.
    Es gibt genug freie Reparaturwerkstätten in der Welt, die können Reparatur und Wartung übernehmen,
    Auftragsfertiger gibt es auch einige und selbst ein Hersteller wie Suzuki könnte nach dem Motto
    -halb zog sie ihn,,halb sank er hin- schwach werden und sich mit Big Apple im Drucker-Bett kuscheln.
    Es gibt viel zu tun, warten wir es ab ;-)))

  • Da Apple mindestens 50-80% Gewinnspanne anstrebt ist der Automarkt nun wirklich das Letzte wo man sich betätigen wird. Abgesehen davon gibt es ein Auto nicht für 1 Euro zu einem "Tankvertrag" gratis dazu und ungefähr so viele Leute wie ein iPhone für 899 Euro bar bezahlen werden sich daher für das Apple-Auto interessieren. Kurz: Kommt nicht. Definitiv!

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