Aprilia NA 850 Mana: Ein Heidenspaß mit Automatik

Aprilia NA 850 Mana: Ein Heidenspaß mit Automatik

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Aprilia NA 850 Mana: das erste Motorrad der Welt mit einem vollautomatischen Getriebe

Die Aprilia NA 850 Mana ist das erste Motorrad der Welt mit einem vollautomatischen Getriebe. Hartgesottene Biker mögen den Kupplungshebel vermissen. WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees jedoch hatte einen Heidenspaß.

Ein Motorrad mit Vollautomatik? Mein Freund Klaus aus Freiburg hat da eine klare Meinung: „Das ist doch nur etwas für Warmduscher!“ Sagt’s und schwingt sich auf seine feuerrote Moto Guzzi V7 Sport aus dem Jahr 1974. Dort werden die Gänge nach Betätigung der Kupplung mit der linken Hand noch auf klassische Art eingelegt, mit dem linken Fuß und lautem Klacken. Auch mein Testmotorrad vom Typ Aprilia NA 850 Mana besitzt ein Fußpedal für die Schaltung. Der Kupplungshebel am Lenker hingegen fehlt – die Schaltarbeit übernimmt bei diesem Motorrad ein Computer. Ich kann daran nichts Schlechtes finden. Wenn die letzte Fahrt mit einem Motorrad schon eine ganze Weile zurückliegt, weiß man Komfort zu schätzen.

Die italienische Motorrad- und Rollerschmiede Aprilia hat die knapp 9000 Euro teure Mana den sogenannten Best Agern – gut situierten Menschen um die 50 – auf den Leib geschneidert. Das Ergebnis ist eine Art Zwitter: ein Motorrad mit der Optik eines Naked Bike aus den Siebzigerjahren und der Getriebetechnik eines Motorrollers. Gekoppelt ist die stufenlose Variomatik an einen neuen Motor mit 860 Kubikzentimeter Hubraum und 76 PS Leistung. Eine Einspritzanlage und ein geregelter Katalysator beruhigen das Ökogewissen. Was zum Serienstart noch fehlt, ist ein Antiblockiersystem für die sonst kräftig zupackenden Bremsen, ohne das aus Sicherheitsgründen eigentlich kein Motorrad mehr verkauft werden sollte. Aprilia will es erst ab Herbst anbieten.

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Aber wie fährt sich das Motorrad für Warmduscher? Die Umgewöhnungszeit ist jedenfalls sehr kurz. Gestartet wird wie gewohnt per Knopf. Dann muss ich dem Computer noch sagen, wie er schalten soll. Zur Wahl stehen „Touring“ (das steht für frühes Hochschalten und entspanntes Cruisen), „Sport“ (für ein höheres Drehzahlniveau) und „Rain“ für vorsichtiges Fahren bei Regen. Anschließend muss ich nur noch Gas geben – und ab geht die Post. Der wassergekühlte Motor beschleunigt, wenn es sein muss, grollend bis auf 200 Kilometer pro Stunde.

Simulierte sieben Gänge

Doch ein wenig ist die Mana ein Blender: Denn die stufenlose Automatik simuliert sieben Gänge, sodass die Mana wie ein konventionelles Motorrad mit Schaltgetriebe klingt. Anders gesagt: Im Unterschied zum Roller merkt und hört niemand, dass die Schalterei automatisch vonstatten geht. Wer schnell mal überholen will, kann wie bei einem Auto mit Tiptronic sogar per Fußhebel oder über zwei Schalter am Lenker in die Schaltvorgänge eingreifen. Im Übrigen kann ich auch im Automatikmodus jederzeit manuell rauf- und runterschalten oder den Schaltmodus verändern. Sogar in extremer Schräglage funktioniert das ganz prima. Die Schaltvorgänge selbst verlaufen jederzeit seidenweich, weder Ruckeln noch Zugunterbrechungen stören die Fahrt. Und, ganz ehrlich: Nach ein paar Tagen lässt der Spieltrieb bei mir spürbar nach, verkneife ich mir die manuellen Schalteingriffe. Ich wechsle nur noch zwischen Automatik-Touring und -Sport. Das senkt auch den Benzinverbrauch auf etwa fünf Liter Superbenzin. Das neue Automatikgetriebe ist ohne Zweifel ein Glanzstück. Nicht ganz so toll ist für Fahrer ab etwa 1,80 Meter Größe die Sitzposition: Die Knie sind aufgrund der hohen Position der Fußrasten stark angewinkelt, wodurch lange Strecken anstrengend werden. Ansonsten hat sich Aprilia für den Komfort des Fahrers einiges einfallen lassen. Beispielsweise ein Staufach für Integralhelme. Es steckt dort, wo bei herkömmlichen Motorrädern der Tank sitzt. Der wiederum rutschte unter die Sitzbank und sorgt so für einen günstigen tiefen Schwerpunkt.

Sogar eine Feststellbremse hat Aprilia eingebaut, damit das 230 Kilo schwere Bike beim Drehen am Gasgriff nicht versehentlich vom Seitenständer rutscht und kippt. Das Wiederaufrichten der Maschine könnte den einen oder anderen Best Ager überfordern.

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