Audi-Sportchef Ullrich: "Technik-Transfer ist heute besonders aktuell"

InterviewAudi-Sportchef Ullrich: "Technik-Transfer ist heute besonders aktuell"

von Sebastian Schaal

Dreizehn Siege hat Audi in Le Mans seit dem Jahr 1999 eingefahren. Im Interview erklärt Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich, wie Audi Sieg Nummer 14 schaffen will und warum die Ingolstädter weiter an den Diesel glauben.

Im vergangenen Jahr hatte Audi nicht das schnellste Auto in Le Mans, mit der Konstanz haben Sie aber trotzdem gewonnen. In den ersten beiden WEC-Läufen haben Sie aus eigener Kraft gewonnen. Was macht Audi 2015 anders?
Audi hat das Rennen im Vorjahr nicht nur mit Konstanz gewonnen. Langstreckenrennen wie die 24 Stunden von Le Mans stellen höchste Anforderungen an die Leistungsfähigkeit ebenso wie an die Zuverlässigkeit. Seit 2014 definiert sich die Leistungsfähigkeit zudem über den Faktor Effizienz. Gerade der Aspekt der Zuverlässigkeit aber wird in der öffentlichen Wahrnehmung bisweilen unterschätzt. Mehr als einmal gab es Konkurrenten, die auf eine Runde schneller waren als Audi, die aber die Distanz nicht bewältigt haben.

Audi-Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich Quelle: Audi

Audi-Motorsport-Chef Wolfgang Ullrich

Bild: Audi

Audi hat bei 16 Starts seit 1999 bis heute 13 Siege in Le Mans eingefahren und insgesamt 31 Podiumsplätze errungen. Solche Quoten sind kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Die Siege bei den ersten beiden WEC-Rennen in der Saison 2015 zeigen, dass wir im Winter die richtigen Schwerpunkte gesetzt haben. Uns steht die geringste Kraftstoff-Energiemenge aller Hersteller zur Verfügung. Mit einem guten Gesamtkonzept einschließlich eines effizienten Antriebs und einer ausgeklügelten Aerodynamik haben wir unsere Leistungsfähigkeit gezeigt. Zugleich haben wir hohen Respekt vor unseren Gegnern, denn die Siege waren hart erkämpft.

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Zur Person

  • Wolfgang Ullrich

    Der studierte Ingenieur leitet bereits seit 1993 die Sport-Abteilung von Audi. Heute verantwortet er neben dem Le-Mans- und WEC-Engagement den DTM-Auftritt von Audi sowie das Kundensport-Programm mit dem R8 LMS.

Technologien wie die Benzindirekteinspritzung haben es aus Ihren Le-Mans-Rennwagen in die Straßenautos von Audi geschafft. Ist ein solcher Transfer bei dem heutigen Reglement auch noch möglich oder sind etwa die Hybrid-Vorschriften beim R18 e-tron quattro zu speziell?
Technik-Transfer ist heute sogar ganz besonders aktuell. Seit 35 Jahren nutzt Audi den Motorsport, um Technologien für die Serie zu erproben – beginnend mit dem Allradantrieb quattro bis zum Audi Laserlicht. Heute geht es primär um Effizienztechnologien, die Audi unter dem Begriff ultra zusammenfasst. So spezifisch das Rennsport-Reglement auch sein mag: Die generelle Zielsetzung dieser Regeln entspricht exakt den Anforderungen an unsere Produktentwickler. Es geht darum, aus weniger mehr herauszuholen. Schon vor einem Jahr hat unser Rennwagen Audi R18 e-tron quattro 22 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht als sein Vorgänger. In diesem Jahr wird der Verbrauch nochmals geringer ausfallen, aber wir fahren schnellere Rundenzeiten. Dabei geht es nicht alleine um einen effizienten Motor, sondern darum, dass alle Bereiche optimiert werden. Und genau das ist auch das Ziel für alle Automobile von Audi.

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24 Stunden von Le Mans  Quelle: Presse

Im vergangenen Jahr hieß es seitens Audi, die Equivalence of Technology benachteilige den Diesel bei Gewicht und Tankgröße. Dennoch scheinen Sie beim Speed in diesem Jahr sehr konkurrenzfähig zu sein. Haben Sie vor allem am Antrieb nachgebessert oder in anderen Bereichen wie etwa der Aerodynamik?
Es ist für den ACO, die FIA und die WEC alles andere als einfach, höchst unterschiedliche Konzepte so einzustufen, dass ein ausgeglichener und spannender Wettbewerb entsteht. Genau das ist den Verantwortlichen in diesem Jahr offenbar sehr gut geglückt, wenn Sie sich einmal die engen Abstände bei den ersten beiden WEC-Läufen in Silverstone und in Spa ansehen. Wir haben den Audi R18 e-tron quattro in allen Bereichen verbessert und dabei Schwerpunkte gesetzt. Die Aerodynamik ist noch einmal deutlich effizienter als im vergangenen Jahr und das Hybridsystem ist deutlich leistungsfähiger. Mit unserem Reifenpartner Michelin haben wir intensiv zusammengearbeitet, um die Potenziale und die Reserven der Reifen optimal zu nutzen. All das hat sich ausgezahlt.

Ist für Audi auch ein anderes Konzept als der V6-Diesel-Hybrid denkbar?
Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir auch andere Konzepte beherrschen. Zwischen 2000 und 2005 haben wir Le Mans fünf Mal mit dem Audi R8 mit Ottomotor gewonnen, darunter vier Mal seit 2001 mit der Benzin-Direkteinspritzung TFSI. Und auch in der Diesel-Ära seit 2006 haben wir große konzeptionelle Unterschiede verwirklicht. Begonnen haben wir mit einem V12 TDI mit 5,5 Litern Hubraum, 2009 kam ein V10 TDI, 2011 dann ein V6 TDI mit 3,7 Litern. Inzwischen haben wir einen V6 TDI mit 4 Litern Hubraum sowie eine elektrifizierte Vorderachse. Wir halten aktuell am V6 TDI fest, weil wir der Überzeugung sind, dass die TDI-Technologie von Audi eine besonders effiziente Antriebsart ist – in der Serie und im Rennsport.

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