Auto fahren ohne Ablenkung: Wenn die Frontscheibe zum Display wird

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Auto fahren ohne Ablenkung: Wenn die Frontscheibe zum Display wird

von Thomas Kuhn

Rund 1000 Euro Aufpreis kassiert BMW für Head-Up-Displays, die Fahrinformationen in die Frontscheibe einblenden. Das neue Nachrüst-Display von Navi-Produzent Garmin kostet nur 150 Euro. Ist das mehr als Spielerei? WirtschaftsWoche Technikexperte Thomas Kuhn hat es ausprobiert.

Es ist kein angenehmer Gedanke, wenn man ihn zulässt. Wer mit Hundert Sachen auf deutsche Autobahnen oder Landstraßen unterwegs ist und nur eine Sekunde lang den Blick auf Tacho, Radio oder Heizungsregler richtet, legt 28 Meter im Blindflug - respektive ohne Blick auf die Straße - zurück. Strecke auf der viel passieren kann, wenn man abgelenkt ist. Was Wunder also, dass Unfallforscher wie die vom ADAC, beispielsweise Navigationssysteme für PKW noch immer mit ziemlich gemischten Gefühlen sehen. Und, dass Telefonieren oder SMS-Tippen am Steuer eben nicht ohne Grund verboten sind (Zweiflern sei dieses Video aus Großbritannien ans Herz gelegt).

Eine Antwort, die PKW-Hersteller wie BMW oder Audi aber auch Peugeot oder Citroën inzwischen auf die Frage geben, wie sich wichtige Informationen ins Blickfeld des Fahrers bringen lassen, ohne abzulenken, stammt aus der Fliegerei. Genauer gesagt aus den Kampfjets der Militärs. Sie heißt neudeutsch Head-up-Display und steht für eine Technik, bei der eine Art Miniprojektor Fahrhinweise, Tempolimits oder Abbiegeinformationen so unten auf die Frontscheibe projizieren, dass die Bilder vor dem realen Geschehen auf der Straße zu schweben scheinen.

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Head-Up-Display

Will man auf Garmins Display schauen, muss man den Blick nicht von der Straße nehmen - anders als bei herkömmlichen Navis oder der Routenführung per Mobiltelefon. gerade bei höheren Geschwindigkeiten ist das ein unschätzbarer Vorteil für die Sicherheit.

Das sieht ziemlich abgedreht aus, ist aber ausnehmend praktisch – wenn etwa bei BMW nicht nur die Abbiegehinweise ins Straßenbild eingespiegelt werden, sondern die automatische Tempolimit-Erkennung auch die passenden Warnsymbole vor dem Fahrer aufblitzen lässt. Nachteil der High-Tech-Projektionen: Sie sind richtig teuer – je nach Modell berechnet etwa BMW um die tausend Euro für das Ausstattungspaket, das auch das Head-Up-Display umfasst. Auch Audi liegt grob auf dem Preisniveau. Peugeot und Citroën stellen rund 350 Euro für den Werkseinbau in Rechnung.

Und nun kommt der Navi-Experte Garmin und bietet mit seiner gut Zigarettenschachtel-große Box namens „HUD“ Blickfeld-Infos für nur knapp 150 Euro zum Nachrüsten an. Angesichts des drastischen Preisunterschieds drängt sich die Frage auf, ob die Nachrüst-Box mit den Funktionen der Einbau-Systeme mithalten kann?

Head-Up-Display

Das Head-Up-Display auf der Autobahn.

Um es kurz zu machen, sie kann es nicht, weil sie bei weitem nicht an die Fertigkeiten der Hersteller-Technik – wie etwa die Tempoerkennung – heranreicht. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn erstens ist sie viel billiger und zweitens ist sie dafür auch nicht gedacht.

Statt dessen dient das HUD vor allem als überaus nützliche Ergänzung für die Navi-Apps von Garmin oder Navigon für iPhones, Android- oder Windows-Phone-Handys. Denn auch wenn die Telefone immer öfter die traditionellen Nachrüst-Navis im Auto ersetzen, wirklich praktisch sind die Telefon-Lotsen nicht. Allzu oft lassen sich Fahranweisungen oder Routentipps auf den Handybildschirmen kaum erkennen, und mitunter liegen die Telefone in der Ablage zwischen den Sitzen. Wirklich gut sichtbar jedenfalls sind sie vielfach nicht, teils eher Gefahrenquelle als Fahrerleichterung.

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