Autobauer: Der neue Escortservice

Autobauer: Der neue Escortservice

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Ein 5er BMW ist schon lange nicht mehr das Ziel der Lebensplanung von Jugendlichen. Jetzt reagieren die Autobauer

von Martin Seiwert

Daimler als Mitfahrzentrale, Citroen als Autovermieter – immer mehr Autokonzerne experimentieren mit Geschäftsmodellen, bei denen die Kunden Autos nicht kaufen, sondern nur auf Zeit nutzen. Werden die Autobauer auf Dauer Mobilitätsanbieter?

Die Autohersteller haben vor allem mit jüngeren Zielgruppen ein Problem. Was früher der Führerschein mit 18 und der eigene Golf war, sind heute Internet und iPhone. Vor allem junge Menschen in Städten, wo Parkraum teuer und der öffentliche Personenverkehr gut ausgebaut ist, stellen das eigene Auto und die klassische Karriere vom 1er- zum 5er-BMW immer öfter in Frage.

Die Autobauer reagieren. BMW denkt mit seinem Project-i-Team schon seit Jahren neu über Mobilität in Ballungsräumen nach. Dabei herausgekommen ist bislang ein Leichtbau-Elektroauto, das nicht nur technisch völlig neue Wege beschreiten wird, sondern offenbar auch beim Vertrieb des Fahrzeugs und der Nutzung. Zudem haben die Münchner in mehreren Ballungsräumen Testflotten mit Elektroautos im Einsatz.

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Car2go übertrifft Erwartungen

Sehr genau ansehen wird sich BMW, was der Rivale Daimler in Ulm treibt: Die Schwaben experimentieren dort mit einem neuen Autovermietungs-Konzept, genannt Car2go, und nun auch noch mit der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten unter der Marke Car2gether.

Die zwei Car2go-Pilotprojekte des Konzerns in Ulm und im texanischen Austin haben alle Erwartungen übertroffen. In Ulm hatte Daimler im Frühjahr vergangenen Jahres 200 Smart bereitgestellt. Die Autos sind überall im Stadtgebiet verteilt, der Nutzer kann sie spontan mieten. Registrierte Kunden öffnen den Wagen mit einem auf den Führerschein geklebten Chip, pro Minute kostet die Fahrt 19 Cent. Danach stellt er das Auto an einer beliebigen Stelle ab. Das Konzept kommt an: Mehr als 15 Prozent der Ulmer Führerscheininhaber sind inzwischen Kunde. Jeder Wagen wird zwischen vier und acht Mal täglich genutzt, insgesamt gibt es am Tag fast 1000 Mietungen.

Und die Daimler-Führung denkt weiter. „In einem zweiten Schritt müssen wir überlegen, ob wir das Konzept auch mit Mercedes-Fahrzeugen anbieten“, sagt Daimler-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt. Denn das Management ist über einen positiven Nebeneffekt erfreut: Car2Go bringt Daimler in Kontakt mit jungen Menschen – fast zwei Drittel der Ulmer Kunden sind unter 36. Mit dieser Zielgruppe hat Daimler wegen einer verfehlten Kleinwagenpolitik, hochpreisigen Fahrzeugen und wenig jugendlichem Image sonst eher selten zu tun.

Der Erfolg von Car2go inspirierte Daimler, weiter in einen Markt einzudringen, der bislang von studentischen und grünen Initiativen beherrscht wurde: Am Samstag startet der Konzern das Mitfahrkonzept Car2gether und wildert damit im Revier der etablierten Mitfahrzentralen. Dabei werden über das Internet Mitfahrgelegenheiten vermittelt. Nutzer müssen sich online registrieren und können dann ein Angebot oder ein Gesuch für eine Mitfahrgelegenheit eingeben. Finden Fahrgast und Fahrer zueinander, kassiert der Fahrer 9,5 Cent pro Minute Fahrzeit. Zunächst werden die Zahlungen noch bar abgewickelt, später wird das die Daimler-Plattform im Internet übernehmen. In der Probephase ist das Angebot kostenlos. Sollte sich Car2gether etablieren, wird Daimler Nutzungsgebühren einführen. Noch in diesem Jahr soll Car2gether auch in einer anderen deutschen Stadt angeboten werden.

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