Autobauer: BMWs brasilianisches Abenteuer

von Alexander Busch und Martin Seiwert

Mit Importzöllen will die brasilianische Regierung den Autobauer zwingen, vor Ort zu produzieren. Das Scheitern von Daimler zeigt, welches Risiko die Münchner dabei eingehen müssten.

Am Donnerstag vor Pfingsten standen wichtige Namen auf der Besucherliste der BMW-Zentrale in München. Eine Delegation von Politikern aus dem brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina war angereist, um in den obersten Etagen des BMW-Vierzylinders über den Bau eines neuen Werkes zu verhandeln. Es seien nur noch „die letzten Details zu klären“, gab sich der zuständige Gouverneur Santa Catarinas hoffnungsfroh. „Anfang Juni wird der endgültige Standort verkündet.“

Die Einschätzung ist ziemlich optimistisch. Zwar hatte BMW-Chef Norbert Reithofer schon im vergangenen Jahr eine Entscheidung für ein neues Werk in dem aufstrebenden Schwellenland angekündigt, doch die Verhandlungen zwischen Brasilien und dem Münchner Autobauer verlaufen seither zäh. Reithofer will in den nächsten Wochen entscheiden. Unter Dach und Fach ist der Deal für BMW aber längst nicht.

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„Wir prüfen noch, ob wir unter den Vorgaben der Brasilianer profitabel wirtschaften können“, heißt es im BMW-Management. „Das sind schwierige Berechnungen, weil die Vorgaben große Auswirkungen etwa auf den Einkauf, die Produktion und letztlich auch die Absatzchancen haben.“

Debakel von Daimler

Die zögerliche Haltung der Münchner ist verständlich. Denn der mögliche Sprung von der Isar an den Amazonas geschieht alles andere als freiwillig. Brasiliens Regierung hat vor Kurzem die Zölle und Steuern für Autoimporte drastisch erhöht. Nur wer im Land produziert, hat noch eine Chance, in Brasilien im Geschäft zu bleiben. „Ständig legen die Brasilianer die Messlatte höher“, ärgert sich ein BMW-Manager. „Aber Brasilien kann sich das wohl leisten, denn das Land ist einer der am schnellsten wachsenden Automärkte weltweit.“

Übersicht zur Anzahl der in Schwellenländern verkauften BMW-Fahrzeuge (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Übersicht zur Anzahl der in Schwellenländern verkauften BMW-Fahrzeuge (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Wie riskant Investitionen in neue Fabriken am Amazonas sind, zeigen gescheiterte Vorstöße anderer Hersteller. Bruchlandungen erlebten bereits Daimler, Audi und Chrysler. Vor allem das Geschäft mit besonders hochwertigen Autos erscheint schwierig. So musste Daimler 2005 die Produktion der Mercedes-A-Klasse nach nur sechs Jahren wegen mangelnder Nachfrage wieder einstellen. Die Brasilianer konnten dem aus ihrer Sicht untermotorisierten, aber überteuerten Kompaktwagen mit dem Stern wenig abgewinnen.

Bittere Entscheidung für Mexiko

Trotzdem leistet sich Brasilien selbstbewusst Attacken auf ausländische Autobauer. Im März verkündete wie aus heiterem Himmel Fernando Pimentel, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, das Ende des Freihandelsabkommens für Pkws zwischen Mexiko und Brasilien. Betroffen sind davon Konzerne wie Volkswagen, Ford und Nissan, die in Mexiko produzieren und von dort nach Brasilien exportieren. Mexiko blieb nicht viel anderes, als zähneknirschend zu akzeptieren, die Pkw-Ausfuhren nach Brasilien auf den Durchschnitt der vergangenen drei Jahre einzufrieren.

Für die Autobauer in Mexiko ist das bitter. Sie sind ab sofort vom Wachstum des großen Bruders im Süden abgekoppelt. Acht von zehn in Mexiko produzierten Fahrzeugen werden ins Ausland verkauft, immer mehr auch ins boomende Brasilien statt nach Norden in die USA. Im vergangenen Jahr haben die Autobauer Mexikos ihre Lieferungen nach Brasilien auf zwei Milliarden Dollar fast verdoppelt.

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