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Elektromobilität: E-Autos droht das Transrapid-Dilemma

von Max Haerder

Deutschland hat ehrgeizige Ziele, wenn es um die Zukunft des Elektroautos geht. Gleichzeitig formuliert die Industrie eine Menge Wünsche. Wie sieht der richtige Weg aus? Der Mobilitätsexperte Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin über unsinnige Kaufprämien und das drohende Transrapid-Dilemma.

Diplom-Politologe Canzler
"Die Autos werden auch mit Kaufbonus teuer bleiben", so der Diplom-Politologe Weert Canzler über Elektroautos

WirtschaftsWoche: Die Bundesregierung hat eigens ein Regierungsprogramm aufgelegt, um Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. Wie bewerten Sie es?

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Weert Canzler: Deutschland ist im internationalen Vergleich ziemlich zurückhaltend, das Engagement reicht noch nicht. Wenn die Regierung ihr Ziel ernst nimmt, 2020 rund eine Million Elektrofahrzeuge auf den heimischen Straßen zu haben, dann muss mehr passieren.

Bislang konzentriert  sich die Politik auf die Grundlagenforschung. Ist das nicht sinnvoll?

Doch, aber die Konzentration auf die Batterieforschung sollte überdacht werden. Wir müssen stärker als bisher über Vernetzung nachdenken, also darüber, welche Rolle E-Mobile im Verkehrssystem am besten spielen können.

Renault Twizy

Mit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden.

Marke: Renault
Modell: Twizy Urban
Grundpreis (inkl. MwSt): ab 7690 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an
Reichweite (in km): 100
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80
Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3

Bild: dapd

Welche wäre das?

Bislang ist zwar viel vom systemischen Ansatz die Rede, aber meistens ist das Rhetorik. Noch gibt es viel zu wenige Fahrzeuge und deshalb auch zu wenig Erfahrung, wie und wo die Autos am besten eingesetzt werden können. Meines Erachtens liegen die Stärken im Flottenverkehr:  Firmen könnten auf Strom umstellen, beim Car-Sharing wird es sich durchsetzen, im Gewerbe, und auch als perfekte Ergänzung im Nahverkehr, etwa mit Elektro-Fahrrädern.

Und was ist mit den privaten Nutzern?

Da bin ich sehr skeptisch. Für die bleibt ein E-Auto auf absehbare Zeit uninteressant. Es ist schlicht zu teuer, die Reichweite ist ungenügend, und es gibt Unsicherheiten darüber, wie die Batterien kalte Winter überstehen soll oder und wie es mit dem Wiederverkaufswert aussieht.

Eine Kaufprämie wäre also wenig sinnvoll.

Die Diskussion wird kommen - allerspätestens 2014, wenn die deutschen Hersteller ihre ersten Modelle auf dem Markt haben. Aber das ändert nichts an den Tatsachen: Die Autos werden auch mit Kaufbonus teuer bleiben. Wahrscheinlich würde eine Prämie also  nur zu Mitnahmeeffekten führen, weil sie von denen kassiert wird, die sich so oder so für einen Stromer entscheiden – vor allem technikaffine Männer.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.06.2012, 17:16 UhrLesum

    Es gibt durchaus schon 1 Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen: Elektrofahrräder. Das meine ich nicht als blöden Witz, sondern als Hinweis darauf, was wirklich sinnvoll ist und funkitoniert - und zwar ganz ohne Subvention. Wer unter alltagstauglichem Fahrzeug ein Schwergewicht mit elektrischen Fensterhebern, Klimaanlage, Servolenkung und anderen Stromfressern versteht, darf noch lange auf bezahlbare und brauchbare Elektrofahrzeuge warten.

  • 11.06.2012, 10:52 Uhrrolf

    Solange die Autohersteller keine ganz normalen alltagstauglichen Autos mit Elektroantrieb anbieten, wird das alles nichts. Die jetzt vielfach angepriesenen skurrilen Spassmobile sind bestimmt nicht die erfolgreiche Lösung.

  • 11.06.2012, 08:45 Uhrplatten

    Das typische Gejammer der deutschen Autoindustrie hallt im Hintergrund dieses Berichtes.Warum ist "die" deutsche Industrie , welche seit Jahren Gewinne einfährt , nicht in der Lage . Weil sie nicht wollen, da die Subventionities nicht anrollt. An mangelnder Ingenieurskunst kann das wohl nicht liegen. Die Mitbewerber zeigen wo es lang geht(Asien).Der deutsche Michel muß sich von den Normen der deutschen Autoindustrie verabschieden. Der Kunde von morgen benötigt ein Fortbewegungsmittel , kein Statussymbol, dies ist beim kommenden Klientel nicht mehr gefragt, wenn neuste Studien zur Mobilität bei jungen Leuten beleuchtet wird.Der Industrie gehen die Kunen flöten, das ist Realität..

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