Elektromobilitätsindex: Deutsche Elektroauto-Ziele rücken in weiter Ferne

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Elektromobilitätsindex: Deutsche Elektroauto-Ziele rücken in weiter Ferne

von Martin Seiwert

Der Plan der Bundesregierung, Deutschland bis 2020 zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ zu machen, wird kaum aufgehen. Zu viele Fragen sind ungelöst.

Warnungen hatte es immer wieder gegeben: Technisch unausgereifte Elektroautos könnten lebensgefährlich sein, ihre Lithium-Ionen-Akkus könnten explodieren, wenn sie sich unkontrolliert entladen. In der vergangenen Woche wurden die Ahnungen grausame Realität. Im Süden Chinas verbrannten nach einem Unfall drei Fahrgäste in einem Elektrotaxi des chinesischen Herstellers BYD.

Bereits seit Dezember vergangenen Jahres, als das Elektroauto Chevrolet Volt nach einem Crash-Test in den USA in Flammen aufgegangen war, fragen sich Konsumenten, wie gefährlich die batteriebetriebenen Vehikel sind. Und das ist nicht die einzige Ungewissheit, die E-Auto-Käufer der ersten Stunde plagt. Sie wissen zum Beispiel nicht, wie dicht das Netz öffentlicher Ladestationen künftig sein wird, ob die begrenzte Reichweite der Autos für den Alltag ausreicht und wie schnell die Stromer an Wert verlieren.

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Die Skepsis bleibt

Die Revolution unter der Motorhaube verunsichert die Kunden – so sehr, dass nun das Ziel der Bundesregierung, Deutschland zum Musterland der E-Mobilität zu machen, wankt. Ganze 649 Elektroautos wurden im vierten Quartal 2011 in Deutschland verkauft. „Zu viele Fragen sind aus Käufersicht noch ungelöst“, sagt Autoexperte Christian Malorny von McKinsey. „Solange der Großteil der Bevölkerung mehr Fragen als Antworten zu diesem Thema hat, wird die E-Mobilität keine signifikanten Sprünge machen.“

Welche Länder bei der Elektromobilität an der Spitze liegen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Welche Länder bei der Elektromobilität an der Spitze liegen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Im internationalen Vergleich sind die kleinsten Sprünge in Deutschland zu erwarten. Das zeigt der aktuelle Elektromobilitätsindex Evi (Electric Vehicle Index) der Unternehmensberatung McKinsey zusammen mit der WirtschaftsWoche. Erstmals seit zwei Jahren geht die Prognose, welchen Anteil E-Autos am gesamten Autoabsatz haben, in einem der untersuchten zwölf Länder zurück. Und dieses Land heißt Deutschland. Prognostizierte McKinsey bei der Berechnung des vorangegangenen Index vor drei Monaten noch einen Elektroautoanteil von 0,8 Prozent im Jahr 2017, sind es jetzt nur noch 0,7 Prozent. Das hieße, dass 2017 nur rund 20.000 Elektroautos in Deutschland verkauft würden.

Das politische Ziel, die Auto-Nation in den kommenden acht Jahren zu einem „Leitmarkt für Elektromobilität“ mit über einer Million E-Fahrzeugen auf deutschen Straßen zu machen, rückt damit in weite Ferne. Hoffnung, ein Leitmarkt zu werden, können sich dagegen andere machen: In Japan wird der Anteil von E-Autos an den neu zugelassenen Fahrzeugen 2017 zehn Mal größer sein als in Deutschland.

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Dass Deutschland trotzdem den dritten Platz halten kann, liegt an der großen Auswahl an Elektroautos aus deutscher Produktion. Denn der Index misst neben der Nachfrage auch das Angebot der Autoindustrie eines Landes. Trost für die deutschen Hersteller: 2017 werden sie rund 250.000 Elektroautos produzieren, die größtenteils exportiert werden. Nur Japan wird mit einem Anteil von gut zehn Prozent (830.000 Fahrzeuge) noch einen höheren Anteil von E-Autos an der nationalen Fahrzeugproduktion haben.

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