Autodiebstahl: Welches Risiko Funkschlüssel darstellen

Autodiebstahl: Welches Risiko Funkschlüssel darstellen

, aktualisiert 11. August 2016, 12:22 Uhr
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Hoher Preis für Komfort: Funksignale moderner Autoschlüssel können von Kriminellen leicht aufgefangen werden. Elektronische Wegfahrsperren und meist auch Alarmanlagen lassen sich auf diese Weise überwinden.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Autodieb von heute hat schon lange keinen Dietrich mehr, er nutzt Laptop und Smartphone. Wer als Besitzer auf Nummer sicher gehen will, muss auf gewohnten Komfort verzichten und auf „low tech“ vertrauen.

DüsseldorfWenn der moderne Autodieb ein Fahrzeug ganz oder in Teilen stehlen will, braucht er heutzutage nur zu warten, bis der Besitzer sein Fahrzeug aufschließt: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ online berichtet, ist es Forschern aus Großbritannien und Deutschland gelungen in den Funkschlüsseln verschiedener Autohersteller eine Sicherheitslücke auszunutzen, und 15 verschiedene Modelle aus der Ferne unbefugt zu öffnen.

Wie „Wired“ und „Golem.de“ berichten, will die Forschergruppe ihre Ergebnisse im Laufe der Woche auf der Usenix-Konferenz im texanischen Austin noch im Detail vorstellen. Schon jetzt gehe man aber davon aus, dass Millionen vor allem älterer Fahrzeuge des VW-Konzerns von der gleichen Schwachstelle betroffen seien, hieß es in den Berichten übereinstimmend.

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Nach Angaben der Forscher sind folgende Modelle betroffen: Audi: A1, Q3, R8, S3, TT, VW: Amarok, New Beetle, Bora, Caddy, Crafter, e-Up, Eos, Fox, Golf 4, Golf 5, Golf 6, Golf Plus, Jetta, Lupo, Passat, Polo, T4, T5, Scirocco, Sharan, Tiguan, Touran, Up, Seat: Alhambra, Altea, Arosa, Cordoba, Ibiza, Leon, MII, Toledo und von Skoda: City Go, Roomster, Fabia 1, Fabia 2, Octavia, SuperB, Yeti. Betroffen sind außerdem die Autobauer Alfa Romeo, Citroën, Dacia, Fiat, Ford, Lancia, Mitsubishi, Nissan, Opel, Peugeot und Renault.

Sie alle setzen auf ganz ähnliche Technik, um dem Autobesitzer den Ein- und Ausstieg bequem zumachen: Um das Auto per Funk zu öffnen, sendet der Autoschlüssel auf Knopfdruck ein Signal an den Wagen. Die Bordelektronik führt den Befehl - etwa „Kofferraum öffnen“ - aus, nachdem sie das Signal entschlüsselt hat und schaltet auch die Alarmanlage aus. Den Forscher ist es nun gelungen, das Funksignal nicht nur aufzufangen, sondern die Verschlüsselung des Chips im Schlüssel zu knacken und zu reproduzieren.

Im Prinzip gehen die Hacker im Dienst der Sicherheit damit so vor, wie es die unten abgebildete Grafik des ADAC zeigt. Der Autoclub hatte Anfang Juni ebenfalls die Sicherheit von Komfort-Schließsystemen von 38 Pkw-Modellen getestet. Mit erschreckendem Ergebnis: Fast alle Fahrzeuge ließen sich mit einer selbstgebauten Funkverlängerung in Sekundenschnelle öffnen und auch starten.

Die für eine solche Funkverlängerung erforderlichen Geräte lassen sich laut Experten mit geringem Aufwand aus handelsüblichen Elektronikbauteilen herstellen. Die Verbindung zwischen Schlüssel und Auto kann damit über mehrere hundert Meter verlängert werden – unabhängig davon, ob sich der Originalschlüssel im Haus oder der Jackentasche des Besitzers befindet. Elektronische Wegfahrsperren und meist auch Alarmanlagen lassen sich ebenfalls auf diese Weise überwinden. Bei den Tests hinterließ dies keine Einbruchs- oder Diebstahlsspuren.
Beim ADAC-Test kam auch heraus, dass zumindest Besitzer von Modellen der Marken Mercedes-Benz, Renault, Subaru und Toyota die entsprechenden Systeme auch zur Sicherheit abschalten lassen können. Die Fahrer dieser Marken müssen dann eine dauerhafte Deaktivierung über einen autorisierten Händler veranlassen oder diese selbst über den Bordcomputer oder über eine Tastenkombination am Funkschlüssel vornehmen.

Neu bei dem aktuellen Funkschlüssel-Hack: Der reproduzierte Key-Code erlaubt es dem Autodieb nicht nur, das Auto jederzeit zu öffnen und auszuräumen, er kann es auch anschließend wieder abschließen, ohne dass sein Eingriff für den Besitzer oder die Bordelektronik erkennbare Spuren zeigt.

Eines haben ältere und aktuelle Funkschlüssel-Manipulationen gemeinsam: Ob und wie die Hersteller - gerade bei älteren Fahrzeugen - nachbessern, darf als höchst ungewiss gelten. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte gegen moderne Langfinger zu „low tech“ greifen: Lenkradsperren oder Parkkrallen seien bestens geeignet, um Fahrzeuge gegen Diebstahl abzusichern, raten Experten. Da käme der moderne Autodieb mit seinem Elektronikequipment nicht weiter.

Quelle:  Handelsblatt Online
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