Autokäufer verunsichert wie nie: Neuwagen-Rabatte gehen durch die Decke

Autokäufer verunsichert wie nie: Neuwagen-Rabatte gehen durch die Decke

, aktualisiert 03. September 2017, 14:02 Uhr
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Wer den neuen Insignia als Neuwagen über einen Internetvermittler kauft und die aktuellen Prämien miteinbezieht, kann ab 16.195 Euro - oder mit 38 Prozent Preisnachlass - zuschlagen. Andere Hersteller bzw. Marken bieten noch höhere Preisnachlässe.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Nicht weniger als 636 Aktionen mit Rabatten und Prämien verzeichnen Experten aktuell im deutschen Neuwagengeschäft. Wer etwa einen VW Golf sucht, findet ihn ohne große Anstrengung bis zu 44 Prozent unter UVP.

DüsseldorfDer Diesel-Skandal hat den deutschen Automarkt nahezu völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Noch nie war die Käuferverunsicherung so hoch wie heute, noch nie waren die Ängste der Autohändler vor Wertverlusten ihrer Gebrauchtwagenbestände so hoch. Und noch nie sind die Rabatte so stark durch die Decke gegangenen. Das zeigt der aktuelle Rabatt-Index des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, der im August mit 150 Punkten einen historischen Höchstwert erreicht hat.

Zur Einordnung: Im Januar 2010 wurde der CAR-Rabatt- Index mit dem Wert 100 gestartet. Je höher der Wert des Rabatt- Indexes, umso höher die im Markt gewährten Rabatte auf Neuwagen. Der Hauptgrund dieser Entwicklung: Nahezu alle Hersteller bieten sogenannte Abwrack- und Umweltprämien zusätzlich zu ihren „normalen“ Rabattaktionen. Deshalb ist die Anzahl der Sonderaktionen auf 636 Aktionen gestiegen.

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Da wichtige Internetvermittler wie etwa meinauto.de oder APL den Privatkunden ohnehin bereits satte Preisnachlässe einräumten, ist der Markt nach Einschätzung von Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer durch die neuen zusätzlichen Prämien der so genannten Umweltaktionen ins Ungleichgewicht gerutscht.

So gibt es nach Auswertung des CAR einen Audi A4 Avant mit Umweltprämie für 20.382 Euro und mit 40 Prozent Rabatt oder einen BMW 116t zu 18.020 Euro, sprich: 27 Prozent Rabatt, den neuen Opel Insigna zu 16.195 Euro oder mit 38 Preisnachlass, einen Skoda Octavia zu 9.386 Euro (46% Rabatt) oder den Golf unter 10.000 Euro - mit 44 Prozent Rabatt. Solche Angebote, so Dudenhöffer, waren bisher noch nie im deutschen Automarkt zu beobachten.

Die Ausgestaltung der Umwelt-Prämien unterscheidet sich je nach Hersteller bzw. Marke deutlich. So ist bei den Volkswagen-Marken, bei Ford und bei Opel die Verschrottung des Alt-Diesels Bedingung für den Erhalt der Prämie. Hier sind die Rabatte sinnvollerweise nur einem beschränkten Käuferkreis möglich – eben denjenigen, die eine wertlosen Altdiesel noch besitzen.

Bei BMW, Hyundai, Mazda, Mercedes, Renault und Toyota ist dies nicht der Fall. Mercedes fährt hierbei beispielsweise zweigleisig, indem die ganz alten Euro 1-3 Diesel zum Verwerter gehen, die neueren und eben mitunter noch mit einem nicht zu vernachlässigendem Restwert gesegneten Euro 4 Diesel in Zahlung genommen werden.

Dieselgate, da sind sich die CAR-Experten sicher, wird in der Geschichte der deutschen Autoindustrie eine besondere Stellung einnehmen. Der deutsche Automarkt wird immer stärker in eine Ungleichgewichtssituationen gebracht.

Profitieren wird davon wohl in erster Linie VW, wenn auch zu Lasten der Rendite. Das Center Automotive Research ist aber sicher: Mit den hohen Prämien wird in den nächsten Monaten mit deutlichen Marktanteilsgewinnen von VW-Konzernmarken zu rechnen sein. Erste Aussagen von Internet-Vermittlern belegen diese These.

Quelle:  Handelsblatt Online
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