Automatisiertes Fahren: Warum selbstfahrende Lkw bald durch Deutschland rollen

Automatisiertes Fahren: Warum selbstfahrende Lkw bald durch Deutschland rollen

von Katja Köllen

Selbstfahrende Lastwagen auf deutschen Autobahnen werden - geht es nach Daimler - noch in diesem Jahr Realität. In den USA ist ein ähnliches Daimler-Lkw-Modell bereits auf dem Asphalt unterwegs. Rein rechtlich ist das wohl auch hierzulande kein Problem.

Man kann „das Fahren zwar komplett der Maschine übergeben, auch das Bremsen und Beschleunigen, muss die Fahrt aber überwachen“ - so beschrieb Daimlers Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard das Lkw-Fahren mit dem neuen Mercedes-Benz Future Truck 2025 in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Und das kann noch in diesem Jahr Realität werden, denn der Autobauer Daimler will noch 2015 den selbstfahrenden Lastwagen auf einer deutschen Autobahn testen, in dem ein Computer den Fahrer ersetzt. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen die Genehmigung für Tests auf deutschen Autobahnen bekommen“, sagte Bernhard. „Und dann legen wir auch sofort los.“

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Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

  • Was ist autonomes Fahren?

    Autopiloten sind in Flugzeugen Standard. Auch in Schiffen übernimmt zumindest außerhalb der Häfen oft der Computer das Ruder. Am Ende geht es auch beim autonomen Fahren um einen Autopiloten, der das Fahrzeug steuert. Doch der Autoverkehr ist komplex. Auf der Autobahn können die Prototypen der Industrie bereits ohne größere Probleme ohne Eingriffe des Fahrers unterwegs sein. Im Stadtverkehr wird es schon schwieriger. Halbautomatische Funktionen sind allerdings inzwischen Alltag. Ob Tempomaten, Einparkhilfen, Stauassistenten oder Abstandsregler - viele Funktionen entlasten den Fahrer bereits. Auch etwa Mähdrescher können längst eigenständig über das Feld fahren.

  • Was sind die Vorteile?

    Eins der wichtigsten Argumente ist die Sicherheit. Die meisten Unfälle gehen auf Fahrfehler zurück. Weit oben in der Statistik: zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Abstand oder Abbiegefehler. Automatisch gesteuerte Autos würden solche Fehler minimieren. Denn Risikofreude, Spaß an der Geschwindigkeit und Selbstüberschätzung kennt ein Computer nicht. Er bremst, wenn der Abstand zu gering wird und nimmt nicht aus Unachtsamkeit anderen die Vorfahrt.

  • Wie weit ist die Technik?

    Die Entwicklung ist recht weit fortgeschritten. BMW etwa testet seit Jahren automatisch fahrende Autos, auch auf deutschen Autobahnen. Die Fahrzeuge können auch eigenständig überholen. Solche Tests müssen sich die Hersteller aber von Behörden genehmigen lassen. Audi ließ jüngst zur US-Technikmesse CES einen Wagen „autonom“ rund 900 Kilometer aus dem Silicon Valley nach Las Vegas fahren. Auch Daimler präsentierte auf der CES seine Vision für ein selbstfahrendes Auto der Zukunft. Der silberne Mercedes-Prototyp fuhr autonom auf die Bühne nach einer Tour durch die Wüste und die Hotel-Meile der Glücksspiel-Stadt. Zumindest für die Autobahn können sich manche Hersteller pilotiertes Fahren bereits in fünf bis sieben Jahren vorstellen.

  • Wer trägt die Verantwortung für so ein Auto?

    Hier beginnen die Schwierigkeiten jenseits der Technik. Die erste Hürde ist das „Wiener Übereinkommen für den Straßenverkehr“ von 1968, das die Basis für die meisten Verkehrsregelungen ist. Darin gibt es zwar Hinweise zu Zugtieren, aber von selbstfahrenden Autos ist nicht die Rede. Dafür aber davon, dass jedes Auto einen Fahrer braucht, der am Ende verantwortlich ist. Dass Autofahrer am Ende Verantwortung und Kontrolle völlig abgeben werden, gilt eher als unwahrscheinlich. Noch fehlen dafür aber Regeln und Gesetze. Bei den bisher fahrenden Prototypen auf normalen Strecken müssen in Deutschland die Fahrer darauf geschult sein.

  • Was heißt das für Autoversicherung?

    Europas größter Versicherer, die Allianz, würde auch selbstfahrende Autos versichern. Allerdings würde sich die Risikoeinschätzung ändern, denn das Risiko verlagere sich vom menschlichen Fehler des Fahrers zum Entwickler der Autopiloten. Allerdings glauben die Versicherer nicht daran, dass es vollständig selbstfahrende Auto geben wird. Ein Fahrer werde auch künftig einen Führerschein brauchen, und das Gefährt im Notfall oder in Situationen wo es nötig ist, kontrollieren zu können.

  • Warum treiben Autohersteller das Thema voran?

    Sicherlich auch, um Kunden mit immer ausgereifteren Extras zu locken. Doch daneben spielt auch die mögliche Konkurrenz durch andere Spieler eine Rolle. So arbeitet etwa auch der Internetkonzern Google seit einigen Jahren an selbstfahrenden Autos.

Den Mercedes-Benz Future Truck 2025 hatte der Autokonzern im Herbst vergangenen Jahres erstmals vorgestellt. „Wir zeigen schon heute, wie der Güterverkehr auf der Straße in zehn Jahren noch effizienter, sicherer und vernetzter ablaufen wird. Ich bin absolut überzeugt, dass sich dadurch eine neue Geschäftsperspektive für Daimler Trucks eröffnet“, sagte Bernhard damals in Hannover.

"Highway Pilot" nennt Daimler das technologische Gehirn des Lastwagens. Ausgestattet mit Radarsensoren und Kameratechnik überwacht es die Umgebung des Lkw und passt sich das System der Geschwindigkeit der anderen Fahrzeuge an. Sämtliche bewegte und stationäre Objekte im Umfeld des Lkw sollen so erfasst werden.

Die Technik soll - vergleichbar mit dem Autopiloten im Flugzeug - den Lastwagen auf Spur halten. Durch vollautomatische Lenkeingriffe bleibe er sicher in der Mitte seiner Fahrspur, so Daimler. Auch der vorgeschriebene Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen regele das System eigenständig und zudem überwache der "Highway Pilot" zusätzlich die Seiten des Lkw und soll dadurch warnen können, wenn sich links oder rechts für den Fahrer nicht sichtbare Objekte bewegen. „Wir werden die ersten sein, die diese Technologie auf den Markt bringen. Der Grund dafür ist so einfach wie überzeugend: Unser Ziel ist das unfallfreie Lkw-Fahren", beschreibt es Bernhard.

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Google-Auto in Mountain View: Für das selbstfahrende Auto bräuchten die Insassen keinen Führerschein mehr. Quelle: dpa/Picture-Alliance

Die ersten Testfahrten sind laut Daimler in Baden-Württemberg geplant. Später wolle man aber auch bundesweit unterwegs sein. Mit der Serienreife von teilautonomen Lastwagen rechnet Bernhard „in zwei, drei Jahren“, noch bevor die entsprechenden Autos auf den Markt kommen: „Technisch kriegen wir das hin.“

Rein rechtlich dürfen die selbstfahrenden Lastwagen auf Deutschlands Autobahnen: "Schon heute können automatisierte Fahrzeugsysteme überall in Deutschland im Realbetrieb getestet werden", bestätigt auch das Bundesverkehrsministerium. Denn bei Testfahrzeugen der Automobilhersteller handele es sich in der Regel um bereits zugelassene Fahrzeuge, in die lediglich neue Komponenten wie etwa die automatisierten Systeme eingebaut werden. Dadurch bleibe die Betriebserlaubnis nach Paragraph 19, Absatz 6 StVZO wirksam, "solange die Fahrzeuge ausschließlich zur Erprobung verwendet werden".

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Quelle: Mercedes

Um also auch den Mercedes-Benz Future Truck 2025 nutzen zu können, muss er also lediglich auf einem bereits zugelassenen Fahrzeugmodell basieren. Wenn dann die nach Landesrecht zuständige Behörde im Fahrzeugschein bestätigt, dass das Fahrzeug als Erprobungsfahrzeug gemeldet worden ist, bekommt es üblicherweise die Fahrerlaubnis zu Testzwecken.

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