Autonome Autos: S-Klasse lenkt sich selbst durch den Verkehr

ThemaAuto

Autonome Autos: S-Klasse lenkt sich selbst durch den Verkehr

Bild vergrößern

Allein fahren: Die neue Mercedes S-Klasse ist der Einstieg in autonomes Autofahren

von Jürgen Rees

Das neue Modell von Mercedes definiert individuelle Mobilität neu: Der Luxuswagen fährt mit Computerhilfe von alleine durch den Verkehrsstau. Wollen wir das? Eindrücke einer Ausfahrt.

Morgens um acht Uhr ist der Gardiner Expressway die reine Hölle. Stoßstange an Stoßstange rollen die Berufspendler mit ihren Autos in die City der kanadischen Millionenstadt Toronto. Mittendrin – die neue S-Klasse von Mercedes. 5,25 Meter lang, zwei Tonnen schwer und 258 PS stark, mit edlem Leder ausgekleidet und bis unter das Dach mit Elektronik, Radarsensoren und Kameras vollgepackt. Ein Spitzenprodukt deutscher Ingenieurkunst.

Und tatsächlich: Während die Fahrer in den anderen Autos mit Lenkung, Gas- und Bremspedal arbeiten, um sich durch den Verkehrsstau zu kämpfen, hat der Besucher aus Deutschland im Mercedes die Hände vom Steuer genommen, um eine E-Mail zu schreiben – und der Mercedes rollt von allein. Er hält konstant Abstand zum Vordermann, beschleunigt und bremst automatisch, überholt auch selbstständig die Fahrzeuge auf der Parallelspur.

Anzeige

Technische Details

  • Antrieb

    6 bis 8 Zylinder Hubraum: ab 2787 ccm,

    Leistung: ab 190 kW (258 PS)

  • Fahrleistungen

    0–100 km/h in 6,8 Sekunden (S 350),

    Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

  • Kraftstoffverbrauch

    Nach ECE-Norm 5,9 Liter Super plus/100 km (155 g CO2/km) S 350

  • Gewicht

    1955 kg (S 350 kurz)

  • Verkaufspreis Preis

    ab 79 790 Euro

Ganz wohl war dem Fahrer anfangs nicht dabei. Kann man der Elektronik, kann man dem Distronic Plus genannten, 2678 Euro teuren Stauassistenten trauen? Der Testwagen kostet immerhin fast 100.000 Euro. Ungern würde man ihn am Flughafen demoliert zurückgeben. Doch nach den ersten zwei, drei unfallfreien Kilometern auf schnurgerader Straße bei Tempo 70 lässt die Nervosität nach: Es funktioniert.

Obwohl die Vision vom autonomen Fahren schon viele Jahrzehnte alt ist, ermöglicht die Verbindung von immer größerer Rechenleistung, immer besseren Sensoren und der Elektrifizierung der Komponenten und ihrer Vernetzung über (Daten-)Bussysteme den Bau von einer neuen Art Roboterauto. Die Technik soll Unfälle verhindern, den Spritverbrauch senken und den Fahrer auch bei dichtestem Verkehr entspannt am Ziel ankommen lassen. Bei all den Verheißungen stellt sich höchstens die Frage: Bleibt die Freude am Fahren dabei auf der Strecke?

Alle großen Autohersteller arbeiten am autonomen Fahren. Mercedes ist der erste Hersteller, der einen solchen Stauassistenten gegen Aufpreis in einem Serienauto anbietet. Audi, BMW, VW, Volvo, Toyota, GM und Ford werden in den kommenden zwei Jahren nachziehen. Der technische Aufwand, der dafür betrieben wird, ist enorm: In der S-Klasse, die ab dem 20. Juli zu Preisen von mindestens 79 790 Euro zum Händler rollt, werkeln mehr als 20 elektronische Heinzelmännchen.

Zetsches Sternstunde - Weltpremiere S-KlasseVideo abspielen
Die Weltpremiere der neuen S-Klasse

Sie halten die Luxuslimousine automatisch auf Abstand zu vorausfahrenden Autos und zum Straßenrand. Passt der Fahrer einmal nicht auf, sorgen Impulse an die elektrische Lenkung dafür, dass der Wagen in der Spur bleibt. Eine Stereokamera in der Windschutzscheibe, Nah- und Frontradarsysteme, Ultraschall- und Infrarotsensoren, die blitzschnell miteinander kommunizieren, liefern dem Bordcomputer eine Unmenge von Daten, die dieser zu einer „360-Grad-Rundumsicht“ verarbeitet.

Die Kameras und Sensoren erkennen kreuzende Autos ebenso wie Radfahrer und Fußgänger und machen den Fahrer durch optische und akustische Signale auf diese aufmerksam. Reagiert dieser nicht schnell genug, leitet das System selbstständig eine Bremsung ein. Mit einer neuen Wärmebildkamera kann die S-Klasse nachts sogar zwischen Mensch und Tier unterscheiden und per Lichthupe warnen. „Mit der neuen S-Klasse beginnt bei Mercedes die Ära des autonomen Fahrens“, sagt Thomas Weber, Forschungsvorstand im Daimler-Konzern.

Bis zum vollautonomen Fahren über kurvenreiche Landstraßen und mit Gegenverkehr ist es aber noch ein weiter Weg. Hürden setzt nicht nur die Technik, sondern auch der Gesetzgeber: Welche Radarfrequenzen etwa von Privatautos genutzt werden dürfen, legt jedes Land individuell fest.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%