Autosalon Genf : Leistung lohnt sich wieder

Autosalon Genf : Leistung lohnt sich wieder

, aktualisiert 02. März 2016, 10:15 Uhr
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BMW krönt seine gerade erst eingeführte neue 7er-Baureihe mit dem M760Li xDrive. Das Topmodell holt aus einem 12-Zylindermotor mit 6,6 Liter Hubraum 600 PS. Die Hochleistungslimousine schafft trotz edler und schwerer Ausstattung den Standardsprint in 3,9 Sekunden.

von Lukas Bay und Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Auf dem 86. Autosalon in Genf sind wieder Pferdestärken gefragt. Nicht nur bei den Supersportlern, selbst bei Kleinwagen steigt die Leistung neuer Modelle. Schuld sind die Spritpreise – und ein bisschen Größenwahn.

Genf/DüsseldorfIrgendwie hatte man das ja schon geahnt: Das knubbelige Google-Auto ohne Lenkrad scheint auf dem Autosalon in Genf wirklich niemand zu vermissen. Hier am Lac Leman wird schon aus Tradition die Lust am leistungsstarken Sportwagen zelebriert. Eine selbstfahrende Knutschkugel wäre fehl am Platz. Während die Welt über das vernetzte Auto diskutiert, können die Konzerne hier noch zeigen, was sie der IT-Konkurrenz voraushaben: Motoren, die puren Fahrspaß versprechen.

Nicht umsonst hat sich die VW-Luxustochter Bugatti entschieden, in Genf ihr neustes PS-Wunder zu präsentieren: den Chiron. Der Supersportler kommt so kraftvoll daher, wie er aussieht: Wer sich mit 1200 PS im Bugatti Veyron untermotorisiert fühlte, der bekommt im Nachfolger ganze 1500 PS unter die Haube. Mit acht Litern Hubraum aus 16 Zylindern und Druck aus vier Turboladern ballert der Bugatti auf Rekordgeschwindigkeiten – in 2,5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer, in der Spitze sogar auf bis zu 420 km/h. Der Tacho reicht allerdings bis 500 km/h, auch das ein Superlativ in diesem Wahnsinnsboliden.

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Allzu lange hält der Chiron den Vollgassprint aber nicht durch. Bei durchgedrücktem Gaspedal ist der 100-Liter-Tank in acht Minuten leer. Ganze 880 Liter saugt die Kraftstoffpumpe pro Stunde an. Natürlich ist dieses blaue Wunder kein Auto für die Masse. 2,8 Millionen Euro müssen potentielle Interessenten auf den Tisch legen, anzüglich 250.000 Euro Anzahlung, die schon jetzt zu leisten sind. Und man muss schon einen Bugatti in der Sammlung haben, sonst geht gar nichts. Gemunkelt wird aber auf dem Salon, dass schon 160 Menschen diese Hürden nahmen und geordert haben.

Auf sie kommen trotz praller Geldbörse auch Wartezeiten der Superlative zu: Das Atelier im französischen Molsheim, wo jeder Chiron von fünf bis sechs Spezialisten von Hand zusammengebaut wird, schafft nicht mehr als 50 Autos pro Jahr. Sogar bereits ausverkauft sollen die 40 Exemplare des 770-PS-Boliden Lamborghini Centenario sein, der ebenfalls in Genf Premiere feiert.

In Zeiten, in denen der VW-Konzern mit der Bewältigung eines Abgasskandals beschäftigt ist, wirken beide PS-Monster etwas deplatziert. Dabei sind sie nur extremste, sprich konsequenteste Auswüchse eines Trends in der Industrie: In Zeiten, in denen die Spritpreise so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr sind, scheint sich auch Leistung wieder zu lohnen.

Seit Jahren steigen die durchschnittlichen PS-Zahlen bei den hierzulande zugelassenen Neuwagen. „Die Autowelt hat mit dem billigen Kraftstoff den Rückwärtsgang eingelegt“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen.

Die deutsche Premium-Autohersteller fahren bei der Leistungs-Show vorne weg. So schickt Audi nach Limousine und Kombi nun auch die S-Modelle des noch frischen A4 ins Rennen um die Käufergunst. S4 und S4 Avant werden von einem neu entwickelten V6-Turbomotor angetrieben: 354 PS und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,7 Sekunden. Und der kompakte Q3 schafft als neue RS-Performance-Variante mit 367 PS bis zu 270 Stundenkilometer. Als Kompakt-SUV.

Mercedes hat unter dem Logo von AMG nicht nur die C-Klasse auf 367 PS aufgerüstet, auch die E-Klasse – als das klassische Gefährt des gehobenen Dienstwagenfahrers – kommt in der AMG-Variante auf 600 PS und kann sich so auch mit Sportwagen messen.

BMW krönt seine gerade erst eingeführte neue 7er-Baureihe mit dem M760Li xDrive. Das Topmodell holt aus einem Zwölfzylinder-Motor mit 6,6 Litern Hubraum 600 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment. Die Hochleistungslimousine befördert komfortabelste Ausstattung und Insassen nahezu geräusch- und vibrationsfrei in 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Der Tacho mit bei Einschalten der Zündung aufleuchtendem „V12“-Emblem endet bei 330 km/h.


Renault und Opel setzen Sportler auf Diät

Selbst Kleinwagen wie der Ford Fiesta bekommen in Genf nochmal mehr Pferdestärken verpasst. Mit dem Fiesta ST 200 wurde die Sportvariante der Kölner noch einmal um zehn Prozent aufgerüstet. „Rennsport liegt in unseren Genen“, sagt Ford-Werke-Chef Bernhard Mattes. Die Nachfrage nach den Hochleistungsmodellen wächst. Neben dem Mustang kommen auch die kleinen Sportler gut an. Das Spitzenmodell Fiesta RS verkaufe sich so gut, dass man mit der Produktion kaum nachkomme, erklärt Mattes.

Und auch wer bei den klassischen Sportwagenbauern nach leistungsstarken Neuheiten sucht, wird nicht enttäuscht. Der britische Spezialist McLaren präsentiert den 675LT. Die Zahl im Namen steht für die Pferdestärken, das LT für Longtail, lang gestrecktes Heck. Mit 400.000 Euro befindet sich der Preis auf Reihenhausniveau.

Selbst der Familienvater, der auf den eigenen Ferrari nicht verzichten möchte, wird in Genf fündig. Mit dem GTC4 Lusso zeigen die Italiener den Nachfolger für den 2011eingeführten FF. Mit dem 690 PS-starken Zwölfzylinder-Allrader und Hinterradlenkung dürfte die Fahrt zum Kindergarten zumindest nicht langweilig werden.

Wem die Serienautos und Angebote der Werkstuner nicht reichen, muss dennoch nicht enttäuscht wieder abreisen. Genfer Autosalon, das heißt auch immer Leistungsschau der Tuner. So hat Brabus einen bereits getunten AMG-Mercedes weiter aufgebohrt und entlockt dem „Rocket Coupé 900" nun die namensgebenden 900 PS.

Wer Britisches mag, Understatement aber ablehnt, wird beim Schweizer Tuner Fab-Design glücklich. Dort macht man sich mit Folie und Carbon über McLaren-Modelle her, sie werden bunter, breiter und stärker. Vorhandenes Basismodell und prall gefüllte Brieftasche vorausgesetzt.

Dass ein Sportwagen nicht immer bis zur Leistungs- bzw. Geschmacksgrenze gehen muss, beweisen da - geradezu wohltuend - die beiden Volumenmarken Renault und Opel. Sie zeigen in Genf ihre Sportlergene ohne in allzu große PS-Protzerei zu verfallen. Renault hat der wieder belebten Alpine Vision mit einem 270 PS-starken Vierzylinder einen geradezu sparsamen Motor verpasst.

Aber das hat halt Tradition: Auch die unvergessene Rallye-Legende Alpine A110 hatte wenig Power, brachte den Fahrspaß lieber mit wenig Gewicht auf die Straße. Und beim Opel GT Concept schlägt unter der Haube sogar nur ein Dreizylinder mit 145 PS. Man will mit dem mutigen und vorne rot bereiften Frontmittelmotor-Konzeptauto an den GT aus dem Jahr 1968 erinnern: Ein echter Volkssportler, gerne auch die „Corvette des kleinen Mannes“ genannt.

Wer weniger auf Tradition und PS-Protzerei steht, und nach sparsamen Premieren sucht, muss in Genf dagegen ein bisschen genauer hinsehen. Damit man auch die Ökomobile auf dem Autosalon auch findet, bietet die Messe eine App an, in der 350 Modelle verzeichnet sind, die heute schon auf einen CO2-Ausstoß unter 95 Gramm kommen – und damit die gesetzlichen Vorschriften der Zukunft schon erfüllen. Motto: „CO2tieferlegen“.  Die vielzitierte Sparsamkeit der Schweizer soll schließlich in der Leistungsshow am Lac Leman nicht ganz untergehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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