Autotest: Jaguar XF 4.2: Flüssiges Silber

Autotest: Jaguar XF 4.2: Flüssiges Silber

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Jutta Kleinschmidt im neuen Jaguar XF 4.2 s/c

Rallye-Pilotin Jutta Kleinschmidt fuhr die neue Sportlimousine Jaguar XF 4.2 s/c.

Wo ist sie nur geblieben, die springende Katze auf der Motorhaube? Sie ist, erfahre ich später, dem Fußgängerschutz zum Opfer gefallen. Der Gesetzgeber meinte, bei einem Unfall könnten sich Menschen in dem kleinen metallenen Jaguar verfangen. Also weg damit. Aus dem gleichen Grund ist auch der mächtige Kühlergrill leider nur in Plastik ausgeführt, das „Drahtgeflecht“ rund um das Markenzeichen besteht aus galvanisiertem Plastik. Das muss ich erst einmal verkraften. Ist das wirklich noch ein Jaguar? Immerhin ist unser in Liquid Silver lackierter Testwagen noch in England gefertigt. Auch das ist in Zukunft keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit, da gerade ein neues Kapitel in der wechselvollen Firmengeschichte aufgeschlagen wird: Der von Finanznöten geplagte Ford-Konzern möchte Jaguar so rasch wie möglich versilbern und verhandelt deshalb seit einigen Wochen mit der indischen Tata-Gruppe exklusiv über einen Verkauf.

Nicht auszuschließen ist also, dass die britische Traditionsmarke in einigen Jahren in West-Bengalen montiert werden, womöglich Seit’ an Seit’ mit dem Billigauto Tata Nano. Ich mag mir das gar nicht weiter ausmalen, während ich mich mit dem Auto durch den Stadtverkehr von Monte Carlo kämpfe, dem leisen Brabbeln des Achtzylinders lausche und den Duft der roten Lederhäute einatme, mit denen unser Jag’ tapeziert ist. Auf einer ausgiebigen Testfahrt hinaus in die Seealpen und hoch zum Col de Torini soll die Raubkatze zeigen, ob sie fit genug ist, um im Revier von Audi, BMW und Mercedes Beute zu machen.

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Schein und Sein

Mit dem XF haben sich die Jaguar-Designer besonders viel Mühle gegeben. „Wir wollen uns wieder verstärkt als Vorreiter in Designfragen präsentieren“, hat mir am Morgen der 38-jährige Projektleiter Wayne J. Burgess die Entwicklungsphilosophie erläutert. Mit einer komplett neuen Formensprache möchte man die Marke aus der Nische führen und für neue Kunden in Europa, Nordamerika und Asien attraktiv machen. Das ist ganz schön mutig. Traditionalisten dürften beim Anblick des XF jedenfalls erst einmal schlucken –die Stylingelemente, die jahrzehntelang die Marke prägten und den britischen Chic ausmachten, sind bis auf ein paar Zitate weitgehend getilgt. Der XF wirkt mit seiner coupéhaften Linienführung und seinen glatten Flächen wesentlich jugendlicher als das Vorgängermodell S-Type – aber leider auch beliebiger. Ohne die stilisierten Katzen am Kühlergrill und auf dem Kofferraumdeckel könnte der XF auch als Lexus oder Lincoln durchgehen.

Die Anpassung an den Massengeschmack setzt sich im großzügigen Innenraum fort. Statt des klassischen Armaturenbretts in dunklem Mahagoni findet der Fahrer eine modernistisch gestaltete Instrumententafel vor mit viel Aluminium (oder galvanisiertem Plastik), ein wenig Walnussholz und reichlich Leder. Das ist ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Instrumentenbeleuchtung und die Fassungen der Schalter, die nachts in Phosphor-Blau strahlen. Burgess findet das „neoncool“, meine Farbe ist das nicht. Das ist mir etwas zu stark für den amerikanischen Geschmack gemacht. Auch sonst bietet der XF dieser Klientel einige Showeffekte– ganz nach dem Motto „surprise and delight“. Beispielsweise einen rot-pulsierenden Starterknopf, der, wenn er gedrückt wird, nicht nur den Motor in Wallung bringt, sondern auch einen Dreh-Schiebeschalter aus der silber glänzenden Mittelkonsole springen lässt, mit dem die Fahrstufen gesteuert werden. Gleichzeitig öffnen sich die Lamellen der Lüftungsdüsen, um zu signalisieren: Die Jagd kann beginnen.

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