Autotest Twizy: Renaults Elektrofloh für die Stadt

ThemaElektroautos

Autotest Twizy: Renaults Elektrofloh für die Stadt

Bild vergrößern

Heinz-Harald Frentzen hat sich hinter das Steuer des Cityflitzers "Twizy" gewagt - Und hatte dank warmer Temperaturen eine Menge Spaß

von Franz W. Rother

Rennfahrer Heinz-Harald Frentzen testet den neuen zweisitzigen Renault Twizy im Großstadtverkehr. Was kann das elektrogetriebene Micromobil leisten – und was nicht?

Wie soll man so ein Ding nennen? Der Twizy hat vier Räder und ein Lenkrad. Das spricht für ein Auto. Andererseits ist es nur so breit und so lang wie ein Aufsitz-Rasenmäher und so luftig wie ein Motorroller. Weh dem, der damit in ein Unwetter gerät: Eine Heizung fehlt ebenso wie ABS oder der Schleuder-Verhinderer ESP. Türen gibt es nur gegen Aufpreis, und die reichen dann auch nur bis zur Hüfte. Eine elektrisch beheizbare Windschutzscheibe muss genügen, ein Heckfenster ist nicht vorgesehen. Der Renault bietet zwar Sitzplätze für zwei wie in einem Sportwagen, aber die Passagiere hocken wie im Kabinenroller aus den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hintereinander in Plastikschalen statt Seit’ an Seit’ in weichen Polstern. Als Antrieb wählte der „Créateur d’automobiles“ einen kleinen Elektromotor.

Das Ergebnis kommt einer Fahrt mit einem Autoscooter gleich: Kinder zeigen mit den Fingern auf uns, Autofahrer schütteln sich im Vorbeifahren erkennbar vor Lachen, und auf dem Parkplatz gibt es einen Menschenauflauf. Wer mit dem Twizy – der Name ist ein Kunstwort, gebildet aus Twin für zwei und Easy für einfach – unterwegs ist, braucht gute Nerven und jede Menge Selbstbewusstsein.

Anzeige

Schein und Sein

Unser Testobjekt sieht aus, als hätte man in den Entwicklungslabors von Renault einen jener überdachten C1-Roller, mit dem BMW einst in ein neues Jahrhundert der Straßenmobilität zu starten versuchte, mit einem Quad gekreuzt. Das sind jene urwüchsigen Freizeitmobile, mit denen Halbstarke, Jäger und Bauern heute über Felder und durch die Wälder brettern. Dabei entstand ein Vehikel, das auch in dem Science-Fiction-Film „Transformer“ mitspielen könnte: Auf einem schwarzen, Go-Kart-ähnlichen Fahrgestell ruht eine halboffene, knallbunte Plastikkapsel, die, so scheint es, auf Knopfdruck abgesprengt werden und gen Himmel fliegen kann.

Technische Details

  • Antrieb

    Drehstrom-Asynchronmotor

    Leistung: 13 kW (18 PS)

    max. Drehmoment: 57 Newtonmeter

  • Fahrleistung

    0-45 km/h in 6,1 Sekunden

    Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h

    Reichweite: ca. 100 km im Stadtverkehr

  • Energieverbrauch

    6,3 kWh/ 100 km

    Batteriekapazität: 6,1 kWh

  • Kraftübertragung

    Heckantrieb

    automatisches Untersetzungsgetriebe

  • Gewicht

    Leer: 562 kg

    Zuladung: 128 kg

  • Kofferraum-Volumen

    31 Liter nach VDA-Norm

  • Verkaufspreis

    Basiswert: 7.690 Euro

    Testwagenpreis: 8.580 Euro

    Hinzu kommt die Batteriemiete von 50 bis 72 Euro pro Monat je nach Laufleistung und Laufzeit des Vertrags

Auf der Suche nach dem Auslöseknopf stelle ich fest, dass die an unserem Testwagen montierten Kunststofftüren zum einen keinen Außengriff besitzen und zum anderen wie bei einem Lamborghini scherenförmig nach oben schwingen, wenn man innen am Hebel zieht. Was für eine Show!

Spartanische Ausstattung

Dafür sieht das ganz konventionelle Lenkrad aus, als hätten es die Designer probeweise einem Twingo entnommen und dann vergessen auszutauschen. Auch der hartgeschäumte Fahrersitz sieht nicht besonders einladend aus, vom Notsitz dahinter ganz zu schweigen – nur Menschen mit Gummigelenken nehmen hier gerne Platz. Dafür findet der Fahrer sich umso schneller zurecht: In der Mitte des Cockpits ein ovaler Zentraltacho, links davon zwei Tasten für Gangwahl (vorwärts, rückwärts, parken) und Notblinker – mehr gibt’s nicht.

Zwei Klappfächer nehmen Kleinzeug auf, ein verschließbares Abteil in der Rückenlehne des Beifahrersitzes notfalls auch die Brötchentüte – das muss im Alltag langen. Wer größeren Transportbedarf hat, kann im Zubehörhandel eine Gepäckbox ordern, die ans Heck geschraubt wird. Auf Wunsch gibt es auch ein Gepäcknetz und einen Beinschutz, aber partout keine Seitenscheiben. Wer also mit dem Elektrofloh durch die Waschanlage fahren möchte, tut gut daran, vorher in einen Taucheranzug zu schlüpfen. Zwei Millimeter Neopren sollten genügen. Und im Winter, bei Eis und Schnee? Dann, so mein Zwischenfazit, lässt man den Kleinen am besten an der Ladestation in der Garage von der Sonne träumen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%